Parkchaos in Manhattan

Nirgends auf der Welt ist das Parkchaos derart groß wie in Manhattan. Astronomische Parkkosten, keine Freiflächen und eine gigantische Bevölkerungsdichte treiben seltsame Blüten bei der Suche nach einem Stellplatz für das eigene Fahrzeug.

15.07.2015 Press Inform

Von der Finanzkrise ist in Manhattan, dem Herzen von New York, schon lange nichts mehr zu spüren. Neue Wolkenkratzer bohren sich allmonatlich in den Himmel, die Straßen sind überfüllter denn je und an Parkplätze ist insbesondere südlich des Central Parks nicht zu denken. Wer meint, dass er mit der Vermietung von Wohnungen und Geschäftsräumen in Big Apple ein Vermögen machen kann, hat sich noch nie die Parkkosten in Manhattan angeschaut. Eine halbe Stunde kostet im Meatpacking District oder im unverändert trendigen SoHo locker, 16, 18 oder 20 Dollar. Das gilt für ein Parkhaus genauso wie für die spärliche Anzahl kleiner Freiflächen, die durch Stahlgerüste im Laufe der Jahre zu Hochregallagern für Autos wurden. Am Wochenende ist parken zumindest etwas günstiger – außer rund um den Broadway und wer richtig sparen will, kauft sich sowieso ein Monatsticket für sein Quartier. Die kosten zwischen 400 und 2.500 Dollar, je nachdem wo das Fahrzeug steht, ob es bewacht wird oder gar ein festes Dach über dem Kopf hat.

Parken in Manhattan bedeutet Luxus!

Schon seit ein paar Jahren liefern sich die teuersten Parkplätze ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Luxuscondominiums, die überall aus dem Boden sprießen. Wenn das edle Apartment an der Upper West Side oder nahe der Park Avenue 5, 10 oder 25 Millionen Dollar kostet, kommt es auf einen teuren Parkplatz mehr oder weniger auch nicht mehr an. Viele New Yorker haben auch in Manhattan mehrere Fahrzeuge und da muss man zu seiner Luxusunterkunft im 56. Stock gerne schon einmal zwei oder drei Parkplätze im Parkhaus um die Ecke dazu mieten.

Kampf um einen Stellplatz an der Straße

Diese Probleme hätten die Anwohner und Beschäftigte zwischen Meatpacking- und Financial District auch gerne. Hier gibt es zumeist keine Parkhäuser und gerade in den kleinen Gassen wie Christopher Street, Leroy Street oder südlich des Holland Tunnels kann nur auf der Straße geparkt werden. Mindestens einmal in der Woche wird die Straße gereinigt und vorher muss die Straße leer sein. Wer abgeschleppt wird, zahlt 375 Dollar. Kurz bevor der Reinigungswagen der Stadtverwaltung anrollt, sitzen alle bereits mit scharrenden Hufen und laufendem Motor in den eigenen Autos, um direkt nach der Reinigungsprozedur wieder einen erlaubten Parkplatz zu ergattern. Klappt nicht immer, da auch viele Anwohner aus den Straßen der Umgebung suchen und ein paar Verkaufswagen für Döner, Falafel und Burger ebenfalls einen ertragreichen Stellplatz ergattern wollen.

Roboterparkhäuser

Doch nicht nur Anwohner haben mit dem kargen Angebot an Parkmöglichkeiten zu kämpfen. Gerade im Süden der Manhattan-Insel gibt es deshalb seit einigen Jahren Roboterparkhäuser. Das erste eröffnete 2009 in der Baxster Street. Das Haus mit der Adresse 123 Baxster Street, New York, Manhattan, ist von außen alles andere als spektakulär. Nebenan ein wenig ansprechender Asia-Imbiss und gegenüber ein Laden für alles und nichts. Über der breiten Einfahrt blinkt ein Dioden-Laufband, das einen auf das Roboter-Parkhaus hinweist. In den Morgen- und Abendstunden gibt es noch einen Einweiser, der einen mit einer roten Fahne auf den freien Parkraum aufmerksam macht. Die überdachte kleine Halle wirkt im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden in der Umgebung klinisch rein und absolut sauber.

Park- statt Wohnraum

Gerade rollt ein Nissan Murano in die Halle. Der Kunde drückt ein den Anweisungen auf dem großen Bildschirm nach ein paar Knöpfe und das violette SUV verschwindet im Nirgendwo hinter einem sich schließenden Rolltor. Der ganze Vorgang dauert gerade einmal ein paar Augenblicke und erinnert stark an die Arbeitsweise einer Autowaschanlage. Die Technik dahinter ist nicht trivial. Haben sich die Computer davon überzeugt, dass der Wagen ordnungsgemäß im Aufzug steht, geht das Rolltor zu und das Auto abwärts. Hier wird das Auto auf seiner Plattform in ein mächtiges Stahlgestell gefahren. „In unserer Robotergarage können Fahrzeuge bis zu einer Länge von 5,20 Metern parken“, erzählt Ari Millstein, Chef der Firma AutoMotion Parking Systems, der die Garage in der Baxster Street gehört. „Damit können wir hier bei uns rund 95 Prozent aller Fahrzeuge parken lassen.“ Insgesamt können in dem Gebäude knapp 70 Fahrzeuge parken. Hört sich nicht viel an. Doch bei Parkgebühren von mindestens 25 Dollar in der Stunde weiß man, wieso sich selbst so ein automatisiertes Parkhaus rentiert. Rund die Hälfte der Parkkunden wohnt im gleichen Gebäude. Denn die Autos werden von einem ausgeklügelten Computersystem in einem Regallager abgestellt, das sich in den Kelleretagen der Baxster Street befindet.

Roboterparkhäuser bieten bei weniger Paltz mehr Stellplätze

Das Haus wurde 2007 komplett neu erbaut. Ehemals war es ein ganz normales Parkhaus. Doch ein Investor setzte auf die gewinnbringende Mischung aus Park- und Wohnraum. Heute befinden sich in den oberen Etagen des Gebäudes 26 schicke Apartments und drei Geschäfte. „Bei uns parken viele Kunden, die hochwertige Autos besitzen, die nicht beschädigt werden sollen“, erzählt Millstein weiter. Durch eine Handvoll Hebebühnen wird die Aufnahmekapazität der Fläche in der Baxster Street verdoppelt. Die Software und das Hochregal-Lager des ersten Roboter-Parkhauses in New York kommen übrigens aus Deutschland. Den Nutzern von Manhattans erster Robotergarage ist ein sicherer Parkplatz die monatlichen Miete von bisweilen deutlich über 500 Dollar allemal wert. Eine Luxuskarosse kostet sogar mindestens 750 Dollar pro Monat. Da ist ein gelbes New Yorker Taxi allemal eine Alternative.

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