Jaguar Spare Days Strubreiter
Jaguar XJ6 2,8, Baujahr 1972. Ja, mit dem Problembären-Motor, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
 

Paradies in Öl

Eine Pilgerreise zum Jaguar Spares Day im Stoneleigh Park.

02.12.2010 Autorevue Magazin

Wie erklärt man einem Jaguarschrauber den Spares Day?

Am besten so: Paradiesisch dichte Aneinanderreihung von Ersatzteilen, gebraucht, NOS (New old stock) und NNS (New new stock), teils sauber angerichtet, teils in loser Schüttung und im eigenen Ölbad, strikt einschlägiges Themengebiet mit Jaguar im Epizentrum, alles unter Dach und damit immun gegen von oben kommende Großwetterlagen, weil wie schaut denn das aus, wenn das Paradies geflutet oder mit Plastikplanen zugedeckt wird
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Dass an der Pforte zum Paradies 9,– Pfund zu entrichten waren und diese Pforte aus einem Backsteinhäuschen bestand, ist ohne biblisches Äquivalent, aber wir wollen das gar nicht zerreden: So fröhlich hat noch kaum jemand 9,– Pfund bezahlt wie alle Besucher des Jaguar Spares Day. Man sollte hier vielleicht erwähnen, dass der Flohmarkt nämlich riesig ist. Wer die Sache echt ernst nimmt (also wir alle), kommt mit sechs Stunden Öffnungszeit locker nicht aus. Auf österreichische Maßeinheiten umgerechnet: Wer sich die Grundfläche dreier Hallen der Tullner Oldtimermesse mit Jaguarteilen gefüllt vorstellt, liegt ungefähr richtig.

Jaguar Spare Days Strubreiter

Vertreten waren Händler wie Privatanbieter, und in einer weiteren Halle gab’s einige komplette Autos. Die Gewichtung, indes, war unterschiedlich: Besitzer von E-Type, XK 120 bis 150 und MkII hätten vermutlich zwei Tage lang wühlen können, ein XJ6 wird eher als ältliches Gebrauchtauto geführt, neuere Typen sind nur schütter vertreten, oder ich hab die Teile einfach nicht erkannt.

Zu erkennen war allerdings, dass in Großbritannien offensichtlich noch immer in guten Garagen nachwächst, was bei uns schon längst ausgestorben ist, und der niedrige Pfundkurs spielte unserem Eifer in die Hände. Ausgeschlachtete Jaguars gibt’s natürlich dort am häufigsten, wo die ganzen Autos einst das Straßenbild nachhaltig sprenkelten, und da auch der britische Jaguarfahrer nicht zu den Jungspunden zählt, säumen bisweilen mehrere zerlegte Jaguars seinen Weg und seinen Flohmarktstand. Und über all dem schwebt natürlich diese wunderbar entspannte Schrulligkeit, die nur Briten schaffen, diese Freude am Umgang miteinander, wie sie uns zumindest im Großraum Wien schon ein wenig zu entgleiten droht, diese gelassene Disziplin, die niemanden zum Drängeln animiert, und dennoch sind alle flink dort, wo sie hinwollen. (Außer, sie suchen für den frühen XJ6 rote Kopfst…, aber egal.)

Natürlich hatten wir wenig Mühe, vorsorglich gewechseltes Geld auszugeben, und auch abseits des niedrigen Pfundkurses war das Preisniveau moderat bis sensationell. Preisbeispiele? Aber gern: Lucas Zusatzscheinwerfer aus den 60er Jahren ab 10,– Pfund, ein nur dezent pickeliger Kühlergrill für den XJ6 Serie 1 um 12,– Pfund, ein schöner MkII-Grill um 30,– Pfund, originale Werstattunterlagen im hinreißend patinierten Ordner ab rund 20,– Pfund, nur die zerlemperte beige Kopfstütze für den frühen XJ6 um 15,– Pfund hat, wie sich später herausstellen wird, familienintern ein leichtes Imageproblem. Fish & Chips kosteten übrigens 6,– Pfund, waren aber deutlich knuspriger als die meisten beim Spares Day angebotenen Blechteile, so soll es sein.

Der Jaguar Spares Days 2011 finden am 27. März und am 16. Oktober statt. www.jaguarsparesday.co.uk

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