© Bild: Jeff Kowalsky / EPA / picturedesk.com
© Bild: Jeff Kowalsky / EPA / picturedesk.com
 

Pannenserie frisst General Motors-Gewinn

GM ist Rekordhalter bei Rückrufen – über eine Milliarde für Entschädigungszahlungen

24.07.2014 APA

Enorme Kosten für den Rückruf von 29 Millionen Autos und die Entschädigung von Unfallopfern im Zuge des Zündschloss-Skandals haben den Gewinn von General Motors (GM) weitgehend aufgezehrt. Während der US-Rivale Ford sein Ergebnis im zweiten Quartal halten konnte und in Europa wieder profitabel ist, sackte GMs Überschüss im Zeitraum April bis Juni um mehr als 80 Prozent auf umgerechnet 140 Mio. Euro ab, wie der Konzern aus Detroit am Donnerstag bekanntgab.

Entschädigungsfonds für Unfallopfer

GM steht massiv in der Kritik, weil der Autobauer die Öffentlichkeit zu spät über Probleme mit Zündschlössern informiert haben soll. Knapp 900 Mio. Euro musste der US-Platzhirsch bereits an Kosten für die Rückrufaktion verbuchen. Mindestens knapp 300 Mio. Euro will das Unternehmen nun zusätzlich in einen Entschädigungsfonds für Opfer einzahlen. Knapp 150 Mio. Euro könnten später noch hinzukommen. Das Geld ist für Hinterbliebene vorgesehen, deren Angehörige bei Unfällen zu Tode kamen, die mit den defekten Zündschlössern in Verbindung gebracht werden.

Rückruf-Rekord

Kein Hersteller hat jemals mehr Autos wegen technischer Probleme in die Werkstätten zurückrufen müssen als GM in den vergangenen Monaten. Auch branchenweit haben die Rückrufe in den USA ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Einer Studie des Center of Automotive Management zufolge waren dort im ersten Halbjahr 37,2 Mio. Wagen betroffen. „Damit markiert das Jahr 2014 bereits zur Halbzeit das größte Rückrufvolumen aller Zeiten“, sagte Institutsleiter Stefan Bratzel. Hinter GM folgt Toyota. Auf Rang drei – gemessen an der Rückrufquote – kam der Elektroauto-Hersteller Tesla, der Probleme mit der Ladetechnik des Model S hat.

Ford schreibt wieder Gewinne, Opel verliert

Weitgehend ungeschoren von dem Desaster blieb die Tochter Opel, weil deren Autos anders konstruiert sind und die Rüsselsheimer meist andere Bauteile als der Mutterkonzern verwenden. Allerdings sackte das von Opel geführte Europageschäft nach Sanierungserfolgen in den vergangenen Quartalen mit 220 Mio. Euro jetzt wieder tiefer in die operativen Verluste – drei Mal soviel wie im Vorjahreszeitraum. Bei Ford blieb dort dagegen mit gut zehn Mio. Euro vor Steuern ein kleiner Gewinn hängen. Im Vorjahr hatte noch ein hoher Verlust zu Buche gestanden.

Schließung des Bochum-Werks soll Opel in Gewinnzone führen

Grund für den höheren Verlust von Opel sind Kosten für die Schließung der Bochumer Fabrik mit mehr als 3.000 Beschäftigten. Das Aus des traditionsreichen Werks ist neben zahlreichen neuen Automodellen ein wichtiger Bestandteil der Strategie des US-Konzerns, um das chronisch defizitäre Europageschäft Mitte des Jahrzehnts in die Gewinnzone zu führen. Ford hat die schmerzhafte Sanierung seines Europageschäfts mit der Schließung von drei Werken in Großbritannien und Belgien weitgehend hinter sich.

Absatzsteigerung um 4 Prozent

Opel steigerte den Absatz im ersten Halbjahr in Europa um vier Prozent auf 564.000 Fahrzeuge. Der Marktanteil kletterte leicht auf 5,9 Prozent. Er liegt damit noch weit entfernt von dem für 2022 gesteckten Ziel von 8 Prozent. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 6 Mrd. Dollar (4,46 Mrd. Euro).

Ford steigerte Überschuss

Während der Überschuss des Mutterkonzerns wegbrach, konnte Ford ihn leicht steigern. Der Vorsteuergewinn des zweitgrößten US-Autobauers belief sich im Frühsommer auf 2,6 Mrd. Dollar. In Europa und Nordamerika lief das Geschäft besser als erwartet, in Asien und Südamerika dagegen überraschend schlecht. Im Gesamtjahr 2014 sollen vor Steuern 7 bis 8 Mrd. Dollar verdient werden, bekräftigte das Ford-Management.

GM-Aktien um 3 Prozent gesunken

An der New Yorker Börse verloren GM-Aktien mehr als 3 Prozent. Ford-Papiere gewannen dagegen knapp 2 Prozent.

Mehr zum Thema
pixel