Kart Blog Rechnitz
Sieht noch nicht so spektakulär aus.
 

Overflow Error

Probefahrt im Schaltkart des Kartmeisters Dominik Klima.

17.05.2011 Online Redaktion

Dieses Vibrieren, dieses bis an die Nasenhaare durchdringende Vibrieren ist das Einprägendste, wenn du die ersten Runden drehst. Wenn du als Anfänger die ersten Runden drehst. Anfänger bedeutet hier: du gibst zu wenig Gas. Sei es aus Respekt vor dem Mörderprojektil unter deinem Hintern oder weil du ein Lulu bist. Der Zweitakter an deinem rechten Ellbogen möchte gefüttert werden: bei 8500 Touren (also dort, wo ein TDI schon zweimal verraucht ist) beginnt der ideale Drehzahlbereich, der sich bis 14500 Umdrehungen pro Minute erstreckt, dort beginnt dann ein Lamperl nervös zu blinken, das dich auffordert, in den nächsten Gang zu schalten. Im idealen Drehzahlbereich ist jedenfalls Schluss mit der Vibriererei, vielleicht ist es aber auch nur eine Täuschung, weil deine Konzentration anderwärtig gefordert ist.

Dieses Schaltkart ist für einen Motorjournalisten eine gute Gelegenheit, sein Vokabular zu eichen. Darüber nachzudenken, ob man Formulierungen wie „Bei dieser Beschleunigung bleibt einem das Hirn stehen“ bisher wirklich artgerecht eingesetzt hat. Hat man nämlich nicht, höchstwahrscheinlich. Bis 8500 Umdrehungen geht‘s hier frisch voran, dann kommt kurz nichts und gleich darauf: alles. Der Sitz von hinten, die Landschaft von vorne, Ehrfurcht, Glückseligkeit und Angst (weil da vorne schon wieder eine Kurve ist). Man möchte schreien, aber das Hirn kann grad nicht. Overflow Error. Fünfundfünfzig Pferdestärken und fast kein Gewicht. Das Herz schlägt im Zwei-Takt des Motors, neuntausend, zehntausend, elftausend, zwölftausend, bremsen, zurückschalten, Haarnadelkurve. Das Kart hat zuverlässige Bremsen.

Sechs Gänge stehen zur Verfügung, die erste Hälfte davon wird eigentlich nur zum Anfahren verwendet. Das Anfahren selbst ist schon ein herausfordernder Akt. Schon peinlich, wenn man viermal angeschoben wird und jedes Mal den Motor abwürgt. Das Kart hat nämlich weder Starter noch Standgas. Also wird der erste Gang eingelegt, dann die Kupplung gedrückt, dann wird man von einem Teamkollegen angeschupft, lässt die Kupplung kommen, gibt gleichzeitig ein bissl Gas und dann rennt das Werkl. Reine Übungssache, wie alles im Leben. Der Schalthebel sitzt rechts vom Lenkrad (herziehen zum Hochschalten, wegdrücken zum Runterschalten), die Kupplung ist eine Aluminiumwippe am Lenkrad-Kranz, aber die braucht man nur zum Losfahren und Stehenbleiben. Während der Fahrt werden die Gänge einfach so hineingeschnalzt, zur Erleichterung nimmt man etwas Gas weg. Manchmal drückt man irrtümlicherweise den linken Fuß beim Schalten, dabei ist das doch die Bremse…

Am Ende ist meine beste Rundenzeit (1:13 Minuten) weit entfernt von der Dreiviertelminute, die in der Speed Arena möglich ist. Meine 88 km/h Höchstgeschwindigkeit sind weit entfernt von den 120 km/h, die Dominik hier erreicht, aber der Funke ist übergesprunden, die Faszination spürbar.

Dominik Klima fährt schon seit neun Jahren Kart und hat schon mehr Stockerlplätze als Lebensjahre gesammelt. Er ist mit neunzehn Jahren ein Profi, aber doch sympathisch am Boden geblieben. Höchstleistungen konnten ihn nicht zum Hochmut verführen, nur zu weiteren Höchstleistungen. Die nächste Herausforderung ist der Histo-Cup, zu diesem Zweck baute er sich mit seinem Vater und Mechanikergenie Erich einen Mazda MX-3 auf, mit dem er heuer zum ersten Mal mit von der Partie ist. Vielleicht dürfen wir dort ja auch einmal einsteigen…

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Unser Dank geht an dieser Stelle an Dominik und Erich Klima, an Christian Galotzy vom Mach Racing Team, der dieses Erlebnis ermöglicht und arrangiert hat, und an Diethard Gabriel von der Speed Arena Rechnitz, der uns zu diesem Zweck seine Kartbahn zur Verfügung stellte, die Einzige in Österreich mit einem echten Rennbelag.

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