BMW Werk Steyr
Ein Blick in das Hightech-Motorenwerk von BMW in Steyr.
 

Österreichs Zulieferindustrie: Glatteiswarnung!

Rutschgefahr für Österreichs automotive Unternehmen? Eine Studie beleuchtet den harten globalen Wettbewerb und deckt Schwachstellen der Branche auf.

12.09.2013 Autorevue Magazin

Österreich hatte mit der Autoindustrie seinerzeit nicht viel am Hut. In Steyr wurden in der Wirtschaftswunderzeit zwar Traktoren und Lkw und in Wien Lkw und Busse gebaut, das allerdings im Manufaktur-Modus. Ähnliches galt für Graz, wo ebenfalls eher gemächlich der Puch 500 aus Fiat-Teilen zusammengeschraubt und der Geländewinzling Haflinger gefertigt wurde. Bis Bruno Kreisky und einige seiner Zeitgenossen gegen Ende der 1970er Jahre erkannten, dass der Bau von Automobilen dem Wohlstand des Landes durchaus zuträglich sein könnte.

Aus politischem Antrieb entstand eine blühende Zulieferindustrie

Nun gelang es zwar nicht, eine eigene Automarke aus dem Boden zu stampfen (Stichwort Austro-Porsche), aber immerhin wurden General Motors und BMW durch politische Maßnahmen zur Errichtung von Motorenwerken inspiriert. Höhere Technische Lehranstalten, Technische Universitäten und später auch noch die Fachschulen sorgten flächendeckend für den notwendigen Nachwuchs an Ingenieuren. In diesem Biotop konnte sich sehr rasch eine Vielzahl an mittelständischen Zulieferbetrieben etablieren. Bald exportierte Österreich wesentlich mehr Knowhow und Autos in Teilen als es ganze Wagen selbst in Boomzeiten importierte.

Jetzt dreht sich der Wind, zumindest wird er deutlich schärfer. Der „Heimmarkt“ Europa ist rückläufig, die Konkurrenz aus dem Osten nimmt seit der Ostöffnung ständig zu, sowohl in der Fertigung, mittlerweile aber auch in der Entwicklung. Die Globalisierung drückt die Margen an allen Ecken und Enden. Die jungen Leute sind immer weniger bereit, ein Technik-lastiges Studium auf sich zu nehmen.

Diese Überlegungen werden derzeit nach wissenschaftlichen Kriterien von Fraunhofer Austria und der TU Wien auf Richtigkeit abgeklopft. Die komplette Studie folgt im Oktober. Vorab wurde gerade eine kurze Zusammenfassung präsentiert.

Das Resümee um Wortlaut:

  • Österreich ist einem steigenden internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt.
  • Die österreichische Fahrzeugindustrie verliert den Anschluss an Haupthandelspartner Deutschland und ist mit einer Stagnation der Exporte nach Deutschland unter Vorkrisenniveau konfrontiert.
  • Österreich wird zu teuer! Im Vergleich zu Deutschland hat Österreich im Bereich der Erzeugerpreise und der Lohnstückkosten an Wettbewerbsvorteil verloren.
  • Der Automobil-Standort Österreich hat im Ausland stark an Attraktivität verloren. Die Direktinvestitionen in die österreichische Gesamtwirtschaft steigen an, im Bereich der Fahrzeugindustrie sind sie rückläufig.
  • Österreich ist in F&E unter den Top-10 in Europa – in der Fahrzeugindustrie sind die F&E-Ausgaben in Relation zur Bruttowertschöpfung jedoch um bis zu 60% geringer als beim „Innovation- Leader“ Deutschland.

 

Klingt alles danach, als ob aus einem vorbildhaft erfolgreichen Wirtschaftszweig plötzlich ein gefährliches Pflaster geworden wäre. Inwieweit wirklich Grund zur Sorge besteht oder ob ohnehin längst gegengesteuert wird, werden wir nach Erscheinen der Endfassung der Studie, auch unter Heranziehung weiterer Quellen berichten.

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