Ostergeschenk Batmobil 1966
Flammenwerfend und straßenzugelassen.
 

Im Ernst

Dies ist kein Spielzeug, sondern die einzige echte Replika. Das 1966er Batmobile – fahrbereit, kaufbar, straßenzugelassen.

09.04.2012 Autorevue Magazin

Die passende Kleidung kann man sich beim Faschingsprinz kaufen, aber wer den Kaufvertrag nach Indiana schickt, hat sein Batman-Kostüm wahrscheinlich ohnedies schon länger an. Immerhin pflegen Menschen, die 150.000 Dollar für ein Auto ohne Dach und Kofferraum hinlegen, eine Mission – die Welt retten, zum Beispiel, und wenn schon nicht die ganze, dann zumindest die eigene.

Exakt diese Mission dürfte Mark Racop schon länger pflegen. Als die erste Batman-Folge am 12. Jänner 1966 im Fernsehen lief, war er zwei Jahre alt. Andere wollen in diesem Alter Seeräuber werden oder Astronaut, Mark Racop aber wollte das Bat­mobile bauen, was schon 15 Jahre später fast ­tadellos gelang: Mit Freunden strickte er in Vaters Garage einen Chevrolet Monte Carlo zum Bat­mobile um, was allerlei Schnitte mit der Trennscheibe nötig machte sowie viel Stahlblech, Holz, Kunststoff, um die Wunden stilvoll zu verarzten. Das ­Ergebnis war der erste Prototyp, der aber noch ­einige weitere Umbauphasen durchlief, eine wunderbare Parallele zur heutigen Arbeit: Mit jedem fertigen Batmobile werden die Autos perfekter, nicht so einfach bei ohnehin stets angepeilter ­lückenloser Perfektion.

Jedenfalls lacht heute niemand mehr, wenn Mark Racop die Geschichte von der frühen ­Mission erzählt. Seine Firma FiberglassFreaks beschäftigt 15 Mitarbeiter, sicher allesamt Kinder im besten Alter, die strikt nicht mehr als acht Batmobile-­Replikas pro Jahr fertigen. Beim Durchdividieren kommt man da auf eine Menge Zeit und Liebe, die in jedes Batmobile fließen, und das mit höchstem Segen: DC Comics, Lizenzhalter der Batman-­Comics, hat ­Racop kürzlich offiziell autorisiert. Das ­Batmobile gilt seither als Fanartikel.

Mark Racops Batmobiles aber gibt’s schon seit 2004, und freilich sind alle Batman-Gimmicks einsatzbereit, die auf der Aufpreisliste stehen: Das Bat-Telefon ($ 299,–) kann mit dem Handy verbunden werden, die Batbeam-Antenne ($ 399,–) lässt sich ausfahren, das rote Drehlicht ($ 699,–) leuchtet, der Flammenwerfer ($ 799,–) wirft Flammen. FiberglassFreaks übernimmt übrigens keine Haftung für Blödsinn, den jemand mit dem Flammenwerfer anstellt, z. B. dem Polizisten das Hosenbein versengen. Der Schalter für den Flammenwerfer ist gut versteckt.

Ostergeschenk Batmobil 1966

Da die Motorhaube des Filmautos in keiner der 120 Folgen offen war, herrscht hier ein wenig Wahlfreiheit. Statt Atombatterie und Turbine kommt ­somit ein GM 350 Small-Block (5,7 l, 249 PS, per Tuning sehr ausbaufähig) zum Einsatz, man darf auf Straßenkreuzer-Feeling tippen. Die Karosserie ist aus Fiberglas gefertigt, der Glanz des Lackes soll exorbitant sein, jedes Detail von Qualität und langem Leben erzählen, und die fehlenden Seitenscheiben garantieren immerhin, dass man sie nie von Nasenabdrücken befreien muss.

Das originale Batmobile wurde von vier Autos dargestellt, alle existieren bis heute, Mark Racop hat sie so exakt vermessen, dass seine Replikas den Originalen perfekt gleichen. Obwohl 1966 durchaus futuristisch, war das Filmauto damals praktisch elf Jahre alt: Auftritt Lincoln Futura, als Showcar 1955 bei Ghia in Turin gebaut, eindeutig von Manta­rochen und Hai inspiriert. Eine Zukunfts­vision wie fürs Hobby-Heft, nie in Serie gefertigt, und 1965 wurde das 250.000-Dollar-Showcar ziemlich verlebt um einen symbolischen Dollar an George Barris, Schöpfer legendärer Filmautos, verkauft. Der wurde 1966 mit dem Bau eines Autos für Batman beauftragt, leider aber wäre der Drehbeginn in drei Wochen – also implantierte Barris dem ­Futura allerlei Gimmicks, die Filmhelden so brauchen, modifizierte Front und Heck und ließ das Batmobile rechtzeitig vor die Kamera rollen. Er ­besitzt Filmauto Nummer eins bis heute.

Von der Replika sind schon einige Dutzend unterwegs. Die Basis, ein Lincoln Continental Town Car Baujahr 1973 bis 1979, ist im Kaufpreis von 150.000 Dollar schon dabei. Mark Racop hat immer einen kleinen Vorrat an Schlachtfahrzeugen auf ­Lager – die „Cash for Clunkers“-Abwrackprämie hat den Bestand zwar deutlich dezimiert, aber noch ist Nachschub aufzutreiben.

Falls jemand den Kaufpreis schon in Euro umrechnet: Verschiffung, Steuern und Nebengeräusche ergeben einen eher unhöflichen Wechselkurs. In Österreich ist mit 180.000 Euro zu rechnen.

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