Opel Mokka SUV General Motors GM Stracke Girsky Rettung Rüsselheims Eisenach Adam
Die Jobgarantie für Opelaner gilt bis 2014. Dann wird es entweder düster, oder die Wende ist geschafft.
 

Vorstellung: Opel Mokka

Abgrund oder Zeitenwende? Der Mokka, ein koreanischer Vorbote.

27.07.2012 Online Redaktion

Würde Stephen Girsky, der Vizechef von GM, heute über das Wasser laufen, die deutschen Medien würden titeln: „Nicht mal schwimmen kann er!“ Mit Rufzeichen. Die Deutschen haben ein Problem mit dem Amerikaner. Es prallen zwei Kulturen aufeinander. Auf der einen Seite der Sanierer aus den USA. Der Vollblutkapitalist, für den es keine englischen, polnischen und deutschen Werke gibt, sondern nur Opel-Standorte. Dort die Deutschen, die Kapitalismus prinzipiell gut finden, solange man die negativen ­Facetten exportieren kann und dabei Gewinn erwirtschaftet.

Das tut Opel nicht. GM hat in den vergangenen zehn Jahren 14 Milliarden Euro in Europa verloren. Es steht ein massiver Stellenabbau bevor. Bei Opel arbeiten in Europa 39.958 Menschen (so viele Menschen wie in Bregenz und Eisenstadt zusammen wohnen). 22.166 davon in Deutschland, 1736 in Österreich. Bis Ende 2014 gibt es eine Beschäftigungsgarantie. Die Opel-Belegschaft rast auf diese Deadline zu und wird zerschellen, wenn Girsky das Steuer nicht rumreißt.

Schritt eins: die Produktion optimieren. Der Astra wird ab 2015 nur noch an zwei Standorten produziert: in England und Polen. Aufschrei in Deutschland. Weil der fünftürige Astra nämlich in Rüsselsheim gebaut wird. Einerseits. Andererseits wird er das erst seit August 2011, und in Rüsselsheim kann man auch andere Modelle fertigen. In Ellesmere Port und Gliwice nicht. Auch wird wegen der hohen Auslastung geplant, Rüsselsheim Ende 2014 auf Dreischichtbetrieb umzustellen.

 

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Schritt zwei: mehr Märkte. In China setzte man 2011 immerhin 5000 Opel-Modelle ab. 2012 sollen es zehn Prozent mehr sein, außerdem wird man ab Ende des Jahres auch in Australien, Israel und Südamerika Opel-Modelle kaufen können. Auf Russland will sich die Marke stärker fokussieren. Schritt drei: Elf Milliarden Euro sollen bis Ende 2014 angeblich in dreißig neue Modelle und Karosserievarianten ­investiert werden – also 3,7 Milliarden Euro pro Jahr. Das Geld kommt aus den USA, wo General Motors 2011 stolze 7,5 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet hat. Auffällig: Das Ende des Investitions­planes und das Ende der Jobgarantie sind identisch.

Deswegen sollten die neuen Modelle funktionieren. Eckpfeiler der dreißig neuen Autos sind der Adam, ein Cabriolet und der Mokka. Alle drei Modelle werden in Segmenten starten, in denen Opel noch nicht vertreten ist. Der Opel Mokka ist 4,28 Meter lang und stellt sich damit gegen Skoda Yeti, Peugeot 4008 und Nissan ­Qashqai. Vor allem an Letzterem hat sich Opel orientiert. Überraschungshit, Stückzahlbringer, Preisbrecher – und der Mokka wird ihn um ein paar Euro unterbieten.

Das Konzept eines straßenorientierten Kompakt-SUV ist nicht taufrisch, aber immer noch ein Renner auf dem Markt. Der Mokka basiert auf der Kleinwagenplattform bei Opel und wird in Korea gebaut, wo auch der Antara vom Band läuft. Wegen des höheren Schwerpunkts wurde kräftig am Fahrwerk gearbeitet. Die McPherson-Vorderachse erhielt eine zusätzliche Feder gegen auftretende Querkräfte. Und so kommt das Auto nur selten ins Wanken. Die Offroad-Optik sieht man, man fährt sie aber nicht als Dynamik-Hypothek mit sich herum. Der 1,4-Liter-Turbobenziner macht Freude. Führt man den Schalthebel geschickt, fehlt es auch auf kurvigen Bergpässen nicht an Drehmoment.

Opel hat beim Mokka auf jede Offroadkompetenz verzichtet – wenn man eine erhöhte Sitzposition nicht als Gelände-Feature betrachten will. Der elektronisch geregelte Allrad­antrieb schickt zwar bis zu 50 Prozent der Kraft an die Hinterachse, selbst bestimmen kann der Fahrer aber nicht, wann das passiert. Auf dem Weg in die Schihütte vielleicht … oder auf einer nassen Wiese, wenn Tochters Pony abgeladen wird. Obwohl der Mokka angeblich ein wichtiger Bestandteil des Opel-Rettungspaketes ist, hat GM den baugleichen Chevro­let Trax bereits gezeigt und angekündigt. Denn den Amerikanern dürfte egal sein, welche Marke ihre Investition erwirtschaftet. 

Und so wirbt Opel für den Mokka:

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