Opel B-Kadett Oldtimer Gebrauchtwagen Generation Drivestyle
Der Schlüsselanhänger stammt vom Schrottplatz
 

Ein Herz und eine Seele

Wie Johanna Eberl (21) ein Rennen und Opel einen Fan fürs Leben gewonnen hat. Und wehe sie verliert ein Rennen … ein V8 ist schnell verbaut.

02.03.2013 Online Redaktion

Ein pacmanbananen­smileygelbe Opel B-Kadett, 45 PS, Johanna hinter dem Lenkrad. Direkt daneben ein limettengrüner Opel C-Rekord, 90 PS, Matthias am Steuer. Will man dieses Paar verstehen, muss man die Geschichte vom Rennen kennen. Die Herausforderung: einfach nur fahren, so schnell wie möglich die Gerade hinter sich bringen. Eine Quartermile? Vielleicht. Vielleicht auch mehr oder weniger. Start, brumm, Johanna siegt. So einfach ist das. Sie und der Kadett, ein Herz und eine Seele.

Matthias (ein Freund) ­versteht die Welt nicht mehr und schmiedet seitdem Pläne, wie sein Rekord mehr Dampf ­bekommt. Johanna ist darauf vorbereitet: „Ich habe mit ­meinem Papa einen Deal: Ich muss schneller sein als Matthias. Wenn er aufrüstet, muss ich auch aufrüsten.“ Pläne dafür gibt es viele.

Sie reichen von leichtem Hohn („wir wechseln die Zündkerzen“) bis zur totalen Hinrichtung (aus einem Opel B-Kadett einen Dragster machen, indem man ihn aufschneidet und einen V8 reinpflanzt). Das sind die Gene. Johannas Vater hat Benzin im Blut und eine lange Opel-Tradition, 57er Caravan, 50er Olympia, C-Rekord-Kombi. Dazu kommen Packard, Chevrolet Malibu, Studebaker …

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Es gibt alte Fotos von Johanna, wie sie versucht, noch in Windeln auf Harleys zu klettern. „Meine Mama hat dann immer geschimpft, wenn ich ölig nach Hause kam.“ Als sie den L17-Führerschein gemacht hat, fand der Vater den B-Kadett von 1970. Der stand seit zwanzig Jahren in einer Scheune, hatte dafür aber erst zwei Vorbesitzer und wenig Kilometer. Auch jetzt sind gerade einmal 69.000 auf dem Tacho.

Den Sommer verbringen Vater und Tochter in der Werkstatt, und Johanna hilft, wo sie nur kann. Beim Schleifen, Putzen, Bremsentauschen und Lackieren. Ja, sogar das machen sie selbst. In der Garage sind heute noch gelbe ­Flecken auf dem Boden. Mit dem zu neuem Leben erweckten Auto fährt Johanna in den Herbst – die Blätter fallen, die Straßen sind nass. Sie nimmt es sportlich: „Bei Regen ist das Auto kontrollierbar, nur bei Schnee habe ich Angst. Der erste Monat war lustig.“ Lustig? Die Mutter überhört den Satz, der Papa lächelt. Die Ausflüge gehen zu diversen Rallyes (als Zuschauerin), zu den Hot Summer Nites und anderen US-Car-Treffen und natürlich in den Urlaub nach Kärnten.

Übermütig wirkt sie aber nicht. Dafür schätzt sie ihren Oldtimer viel zu sehr. Sie will eben etwas lernen. „Nur bei alten Autos, die Charakter ­haben, kriegt man ein Gefühl fürs Fahren.“  Sobald der erste Schnee fällt, kommt der Kadett ­sowieso in die Garage, und ­Johanna steigt in einen neueren Opel Astra um. Salz will sie ihrem Liebling nicht antun.

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