PRO: Die große Portion Sportlichkeit und der hohe Alltagskomfort, dank dem adaptiven FlexRide Sportfahrwerk. Klanglich mehr Volumen, als der Megané RS. © Bild: GM Company
PRO: Die große Portion Sportlichkeit und der hohe Alltagskomfort, dank dem adaptiven FlexRide Sportfahrwerk. Klanglich mehr Volumen, als der Megané RS. © Bild: GM Company
 

Opel Astra OPC – Hot Hatch Rüsselsheim-Style

Der Opel Astra OPC steht neben Megane RS und Leon Cupra ein wenig unbeteiligt nebenan. Aus gutem Grund?

04.08.2014 passion:driving

In der Liga der “Hot Hatches” herrscht starke Betriebsamkeit, umso schwerer wird es die Konkurrenz abzuschütteln. Der alte Platzhirsch, der Renault Megane RS wurde vom Seat Leon Cupra in die Schranken verwiesen, der die Nordschleife in unter 8 Minuten umrundete. Renault holt mit #under8 zum Gegenschlag aus. Ein wenig unbeteiligt steht da der Opel Astra OPC nebenan. Aus gutem Grund?

Der Astra OPC mit breiter Brust

Immerhin, die schärfste Version des Astra OPC tritt mit 206 kW (280 PS) gut gerüstet an. Leistungsmangel ist also nicht zu befürchten. Und auch sonst ist das Paket eigentlich ein sehr attraktives: kräftige Verspoilerungen rundum, tiefe belederte (optional) Sitzschalen für die Passagiere, ein Sportfahrwerk mit adaptiver Dämpferregelung und ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Klare Sache, der Astra OPC ist bestens für den Kampf gewappnet und macht daraus auch keinen Hehl.

© Bild: GM Company

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Innen, gute und schlechte Seiten

Das fällt alleine schon auf, wenn man das mit feinen, blauen Akzenten versehene Cockpit entert: in den OPC-Schalen sitzt man tief. Richtig tief. Vom Armaturenbrett fühlt man sich da schon fast erschlagen. Aufgelockert wird das Raumgefühl aber wieder von der optionalen Panorama-Windschutzscheibe – empfehlenswertes Feature! Optimaler Halt gewährleisten die schönen Schalensitze, alleine weil sie in jede denkbare Richtung verstellbar sind. Selbst die Seitenwangen können enger um den Körper geschlungen werden. Erschlagen fühlt man sich wiederum aber von der schieren Flut an Schaltern, die auf dem Armaturenbrett vom Fahrer studiert werden wollen. Zugegeben, schlimm ist das höchstens für jemanden, der nur mal eben hinters Steuer des OPC klemmt. Wer kauft, findet sich auf kurze oder lange Sicht damit ab und weiß, wo welches Knöpfchen zu finden ist. Und immerhin hat Opel inzwischen dazugelernt und mit der Modellpflege einige Schalter entsorgt.

Juhu! Kein Startknopf

Ansonsten wirkt aber alles stimmig verarbeitet. Ein wenig altertümlich mutet zwar das rote Pixelmatrix-Display im Kombiinstrument an, aber das sei dem Rüsselsheimer verziehen. Nostalgischere Gefühle lässt da schon der Zündschlüssel anmuten. Nix Startknopf! Nein, hier darf noch selbst der Anlasser mit einer Handbewegung in Bewegung gesetzt werden. Was dann folgt ist schon eine klare Ansage: mit bassig-unrundem Leerlauf zeigt sich der Astra OPC gleich als Sportler, bis sich der Vierzylinder-Turbo wenig später auf seine Leerlaufdrehzahl eingeschossen hat und sich wieder etwas zurücknimmt.

© Bild: GM Company

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Auf Knopfdruck Hulk

Einmal in Bewegung gebracht fühlt sich der Astra OPC dann auch nicht sonderlich spektakulärer an. Die Lenkung ist dank unterschiedlicher Fahrmodi erst einmal angenehm leichtgängig, das Fahrwerk fällt mit einer gewissen Härte auf, ist so aber dank der adaptiven Dämpfer immer noch sehr gut langstreckentauglich. Er kann aber auch den wütenden Hulk spielen, dafür muss der Fahrmodus nur auf OPC umgestellt werden. Aus einem kultiviert laufenden Vierzylinder wird dann ein infernalisch fauchendes Biest, gepaart mit einer brummigen Note, das den Kompakten mit seinen 400 Nm Drehmoment mächtig nach vorne marschieren lässt. Dank der Sperre mit bis zu 50% Sperrwirkung funktioniert das auch ausgesprochen gut. Lässig beschleunigt der Fronttriebler aus engen Kurven heraus, die Antriebseinflüsse auf die Lenkung fallen aber so aus, wie man es von einem starken Fronttriebler erwartet: eine feste Hand am Volant ist absolut notwendig.

© Bild: GM Company

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Das Hereinbremsen, das ist allerdings nicht so ganz seine Welt

Beim Einlenken spürt man das mit knapp 1,6 Tonnen hohe Gewicht: der Astra OPC schiebt, drückt und fühlt sich bei weitem nicht so leichtfüßig an, wie sein französischer Konkurrent. Dafür geht er dank der Mischung aus Verbundlenker-Hinterachse und Watt-Gestänge wie auf Schienen um die Ecken: kein Schaukeln, kein Wanken und eine wie von der Schnur gezogene Hinterachse. Völlige Neutralität bei hohem mechanischem Grip. Dank dieser Abstimmung hält sich auch das immer noch aktive ESP aus dem Geschehen heraus und muss nur ganz selten in die Presche springen. Natürlich lässt es sich aber auch, wie es sich eben für einen Sportler gehört, vollständig abschalten.

Sportler haben Durst

Sportler sind aber auch für andere Eigenschaften bekannt, wenn auch nicht beliebt: Durst. Und den hat der Astra OPC. Und zwar gewaltig – zumindest solange man ihn scheucht. Bei Vollgas auf der Autobahn kann man auch schon nach 120 Kilometern nach der nächsten Tankstelle Ausschau halten. 15,2 Liter standen am Ende des Testzeitraums im Bordcomputer. SuperPlus, versteht sich. Wer also längere Strecken fahren will, sollte seinen Gasfüß zügeln oder muss eben einen Stopp an jeder zweiten Autobahntankstelle einplanen.

© Bild: GM Company

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Fazit

Der Opel Astra OPC ist eine ausgesprochen gute Ergänzung für das Feld der Hot Hatches. Die Rüsselsheimer haben keine Chance verschenkt, den OPC von Anfang an konsequent auf Sportlichkeit zu entwickeln. Das Fahrwerk bietet eine unfassbare Neutralität und überraschend hohe Präzision, der Motor schiebt gewaltig und klingt fantastisch. Und dank der wählbaren Fahrmodi lassen sich auch lange Reiseetappen bequem bewerkstelligen, zumal die eng geschnittenen Sitze nicht nur dem sportlichen Fahrstil gewidmet sind, sondern auch das Thema Komfort beherrschen. Nur das hohe Gewicht trübt das gesamte Bild. Es geht ihm damit unnötigerweise an Leichtfüßigkeit verloren und die 280 PS wären zu noch mehr im Stande.

Vielen Dank an Sebastian Bauer von passiondriving

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