Opel Ampera Praxistest
Wir wagten uns an einen Praxistest – siehe auch in meinen Motorblog.
 

Testbericht: Opel Ampera

Erster Alltagstest mit dem bisher konsequentesten Schritt in der Elektrifizierung des Automobils.

25.12.2011 Autorevue Magazin

Es war ein Moment großen Glücks im Opel Ampera, als wir nach der Abfahrt vom Rohrer Sattel neun Kilometer Reichweite durch Rekuperation zurückgewonnen hatten und fast lautlos über die Landstraße durch die Nacht schnürten, der Südautobahn entgegen, begleitet nur von ­einem beiläufigen Surren der Reifen. So prosaisch haben wir Autofahren noch selten ­erlebt. Hinter dem eigenen Scheinwerferkegel empfindet man das Gleiten ohne Verbrennungsgeräusch als besonders eindrucksvoll, wie Segeln, könnte man da noch hinzu­fügen. Kurz gesagt: Der Opel Ampera ist ein gelungener ­Versuch, die Elektrizität zum Wohle der Fahrgäste in den Vortriebsapparat einzufädeln.

Opel Ampera Praxistest

Opel Ampera: Elektroauto mit Range Extender also.

Der Grundgedanke: Rund 50 Kilometer legt man elektrisch zurück, ist der Strom dann aus, springt der Verbrennungsmotor an und treibt einen Generator, der Strom für den Elektromotor erzeugt. Durch ein komplexes System an Kupplungen kann die Kraft aber auch direkt vom Verbrennungsmotor zu den Antriebsrädern gelangen, sonst wäre es gar nicht möglich, bei konstanter Geradeausfahrt mit höherer Geschwindigkeit verbrauchsarm unterwegs zu sein. Technisch eine Hybrid-Konstel­lation, auch wenn die Funktion im Detail ganz anders abläuft als etwa bei Toyota oder Honda. Anders wohl, und wie wir später noch erläutern werden, auch besser.

Opel legt jedenfalls wert darauf, dass es sich hier um ein Elektroauto mit verlängerter Reichweite durch einen zusätzlichen Benzinmotor handelt (Range Extender) und um keinen klassischen Hybridantrieb. Und so wollen auch wir es sehen. Wir fahren also elektrisch los und erleben ein Auto mit erstklassigen Manieren. Immerhin ist jetzt kein Motor in Betrieb, der mit seinem Geräusch andere Lärmquellen übertünchen könnte. Es ist gelungen, das Auto von allen herkömmlichen Kritikpunkten frei zu halten, Lenkung, Federung, Straßenlage stehen in keinerlei Widerspruch zum hohen Kaufpreis, auch der ­Innenraum erscheint hochwertig. Null auf Hundert in neun Sekunden kann das scooterhafte Gefühl gar nicht aus­drücken, das sich durch das gleichmäßig hohe Drehmoment des Elektromotors ergibt.

Opel Ampera Praxistest

Auch mit Einsetzen des Verbrennungsmotors ändert sich sehr wenig im Charakter.

Dass im Inneren des Fahrzeugs ein komplexes Zusammenspiel der Kräfte abläuft, berührt den ­Fahrer nicht. Auch das nervige Hochdrehen des Benzinmotors bei großer Kraftanstrengung, wie wir es bei bisherigen Hybridsystemen immer wieder festgestellt haben, tritt hier nicht ein. Oder besser: Das System hält offenbar mehr Strom bereit, um auch bei schwieriger Straßenformation länger und kräftiger Unter­stützung zu bieten, selbst im Normal-Modus und erst recht, wenn man die Möglichkeit nützt, in den Berg-­Modus zu schalten. Einem einwandfreien Fahrdynamik- und Komfortverhalten wurde offenbar Vorrang eingeräumt gegenüber der Möglichkeit, den Verbrauch weiter zu drücken.

So viel Elektrizität und ­Elektronik ruft mitunter auch Skepsis hervor. Doch auch in diesem Punkt zeigt Opel demonstrativ: Wir haben das im Griff. In mehreren Display-Ebenen wird alles Mögliche ­angezeigt, in den eigentlichen ­Armaturen wie auch an der Mittelkonsole.

Opel Ampera Praxistest

Mannigfaltige Spielereien laden tatsächlich zum Spielen ein.

Ohne große Missverständnisse hervorzurufen, ist alles zusammen intuitiv zu begreifen, auch wenn man schon älter als fünfzehn ist. Das blaugrüne Farbenspiel mit sparsam eingesetzten akustischen Tönen soll uns wohl vermitteln, dass hier die Zukunft angebrochen ist.

Das Wesen des Ampera zum Abschluss auf den Punkt gebracht: Wir erleben ein Auto, das im Benzinbetrieb zwar ­keine Verbrauchsrekorde aufstellt, aber in der Lage ist, fünfzig Kilometer elektrisch zu fahren, und das auf anspruchsvolle Weise in jeder Hinsicht.

Opel Ampera Praxistest

Damit sind wir beim Preis, der uns mit 42.000 Euro im ersten Moment schon ein wenig erschreckt. Es hilft ja nichts, wenn wir eh wissen, dass Batterien sehr teuer sind, deswegen ändern sich unsere Maßstäbe im Kopf nicht gleich. Doch auf den zweiten Blick erscheint alles halb so schlimm, etwa angesichts eines Dreier-BMW, der, mit den nötigen ­Extras auf Ampera-Niveau hochgerüstet, auch schon in die Nähe von 40.000 Euro rückt.

Und in seinem Blog hat sich Kollege Rudolf Skarics mit den Kosten beschäftigt, die das Reisen mit einem Range-Extendeer tatsächlich verursacht.

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