Opel Ampera Motorblog Reisetagebuch Rechnung
 

Opel Ampera – Elektromechanisches Reisetagebuch

Was der Ampera kann, wie weit man mit ihm kommt und wie viel das tatsächlich kostet.

25.12.2011 Autorevue Magazin

Die Ankündigung klingt verlockend: Man fährt billig mit Strom, und wenn die Batterie leer ist, lädt ein Benzinmotor den Saft wieder nach, womit sich eine Reichweite von über 500 Kilometern ergibt. Dass sich dies technisch nicht ganz so simpel darstellt, haben wir ja schon erkannt. Nun aber wollten wir noch ­wissen, wie sich der Opel Ampera im wahren Leben anfühlt.

Der Opel Ampera in der Innenstadt

Wir fuhren die Wiener Ringstraße im Stopp-and-Go-Verkehr im Elektromodus, bis sich der Benzinmotor dazuschaltete: Nach 56,4 Kilometern und etwas mehr als zehn Runden war Schluss.

Fazit:
Im Stopp-and-Go ist eine etwas höhere elektrische Reichweite realisierbar als in der normalen Großstadthektik. Das elektrische Fahren ist hier zweifellos komfortabler als mit herkömmlichem Antrieb.

Kosten:

Eine Batterie-Vollladung (10 kWh) kommt an der heimischen Steckdose auf € 2,–*. Bedient man sich einer Stromtankstelle von Wien-Energie, kommt man für die gleiche Energiemenge auf € 3,90. Dort wird die Ladezeit (in unserem Fall 4:43 Stunden) im Stundentakt
abgerechnet (à € 0,78).

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Der Opel Ampera auf der Fernreise

Wir fahren elektrisch los, mit vollen Batterien und vollem Benzintank. Das Display verspricht eine Reichweite von 47 Kilometern im Elektromodus. Wir wursteln uns durch die Stadt, legen am östlichen Speckgürtel noch eine Foto-Session ein, fahren wieder in die Stadt zurück und dann definitiv westwärts. Erste Zwischenbilanz am Stadtrand in Auhof: Wir hatten 44,8 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt, bis sich der Benzinmotor zuschaltete, danach waren noch 51,6 Kilometer im Benzinbetrieb gefolgt. Dann: West­autobahn bis Ansfelden und zurück bis Abfahrt Neulengbach. Auf dem Weg in Richtung Tulln schrumpft die Reichweite auf 70 Kilometer, und weil wir sehr vorsichtig sind, tanken wir in einem Ort mit dem hübschen Namen Einsiedl. Das Display zeigte nun folgende Daten: 44,8 Kilometer elektrisch mit einem Energieverbrauch von 10,2 Kilowattstunden. 372,6 Kilometer waren wir im Benzinmodus unterwegs und haben 27,5 Liter verbraucht, ergibt einen Schnitt von 7,4 l/100 km.

Fazit:
Ein Verbrauch von 7,4 l/100 km mit weitaus überwiegender Autobahnbenützung bei vorschriftsmäßigen 130 km/h ist eine gewohnte Größe. Auf der Langstrecke ergibt sich kein nennenswerter Vorteil der neuen Technik, aber sicher auch kein Nachteil.

Kosten:
27,5 Liter Benzin zu € 1,38 macht € 38,– plus eine Batteriefüllung (privat) € 2,–. ­Ergibt € 40,– für 417,4 km. So könnte eine Tagesetappe einer Urlaubsreise aussehen.

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Mit dem Opel Ampera auf Sonntagsausflug

Dieses Szenario war insgesamt am aufschlussreichsten, ließ es uns doch am deutlichsten den wahren Charakter des Antriebs erkennen, zumal wir die Möglichkeit nutzten, den Batteriestrom nicht auf der Autobahn zu vergeuden. Wir fuhren also in Wien elektrisch los und schalteten in Wiener Neudorf auf „Hold“. Dabei wird der Batteriestrom aufgespart. Die Funktionsweise des Antriebs entspricht nun einem Hybridauto. Es wird zwar Strom rekuperiert und zum Teil mit Strom gefahren, aber der Motor läuft die meiste Zeit. Die restliche elektrische Reichweite bleibt erhalten. In Wöllersdorf bogen wir ins Piestingtal ab und schalteten wieder auf E-Betrieb. So kamen wir bis Gutenstein. Dann war die Batterie leer und der Benzinmotor übernahm wieder die Last des Antriebs über den Rohrer Sattel bis nach Rohr im Gebirge.

Im Hotel Kaiser Franz Josef luden wir die Batterie wieder auf. Eine kleine Wanderung und ein vorzügliches Gansl später, also knapp drei Stunden nach Eintreffen, zeigte das Display eine Reichweite von 36 Kilometern. Dann ging es wieder zurück. Bis zur Passhöhe des Rohrer Sattels schrumpfte unsere Reichweite um 13 Kilo­meter, bis Gutenstein stieg die Reichweite aber wieder auf 31. Das heißt, wir haben nur für 5 Kilometer Strom verbraucht, obwohl wir 14 Kilometer gefahren sind. Dieses Wunder lässt sich leicht erklären. Gutenstein liegt um mehr als 200 ­Höhenmeter tiefer, was nebenbei der Nachweis dafür ist, dass die Energierückgewinnung durch den Generator eine ernst zu nehmende Größe darstellt. Die weitere Reise erfolgte in gewohnter Manier: Benzinbetrieb auf der Autobahn, Strom für die letzten Kilometer in der Stadt. Die Bilanz des Ausflugs lautet: 102 km elektrisch zurückgelegt, dabei 18,2 kWh verbraucht, 91,3 km mit Benzin, Verbrauch: 6,9 Liter.

Fazit:
Überland liegt der Benzin­verbrauch bei 7 l/100 km. Das Nachtanken von Strom bedeutet meist einen organisatorischen Klimmzug, da es sich bei den über 3000 Stromtankstellen laut „elektrotankstellen.net“ überwiegend um halböffentliche ­Anschlüsse handelt, oft mit stark eingeschränkter Verfügbarkeit (Öffnungszeiten Gemeindeamt etc.). Das Fahren selbst
ist höchst vergnüglich, sowohl im reinen Elektro- als auch im Hybrid-Modus.

Kosten:
102 km elektrisch mit 18,2 kWh Verbrauch macht € 3,64. Dazu kommen 6,88 Liter Benzin ( à € 1,38) für 91,3 km Fahrstrecke im Benzinmodus. Ergibt € 6,53. So lagen die Kraftstoffkosten für den benzinelektrischen Wochenendausflug insgesamt bei € 10,17 für knapp 200 km Fahrstrecke.

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