Porsche 944 Oldtimer 1981 Test Seitenansicht
Mit ausgeklappten Scheinwerfern gewinnt der 944 immerhin an Charakter.
 

Porsche 944: Whispering Eighties

Erst als der 924 zum 944 mit halbiertem V8-Motor gebürstet wurde, kamen die Fans, und sie kommen gerade wieder!

05.06.2014 Autorevue Magazin

Natürlich hört man den Motor, aber das Motorengeräusch ist nicht aufsehenerregend, sondern ein unaufgeregtes Murmeln, die pragmatische Grundlinie des Motorsounds. Er spricht motorentechnisches Esperanto, aber nicht PORSCHE – kein Sägen, Brüllen, Kreischen kräuselt das Nackenhaar.

Erst mit dem hausgemachten Vierzylinder gelang es der Modellreihe, als ECHTER Porsche wahrgenommen zu werden. Und weil seine Karosserie verzinkt ist, ein extrem rares Feature in den frühen 80ern, ist bis heute auch nichts von seinem Charakter zerbröselt.

Was aber macht einen Sportwagen zum ECHTEN PORSCHE?

Charme, Image, sportlicher Ernst, Straßenlage, Bedienung, Haptik, Solidität – alles Merkmale, die heutzutage die Youngtimer-Begehrlichkeit fördern. Und trotzdem: Der Porsche 944 ist noch immer schwer verkannt – aber das wird gerade, man wird es an dramatischen Preissteigerungen in den nächsten Jahren ablesen ­können. (Unser Fotomodell-Auto ist übrigens zu haben, ­Näheres steht im Datenkasten.)

Porsche 944 Oldtimer 1981 Test Scheinwerfer Schlafaugen

Dass es den Porsche 944 überhaupt gibt, liegt am 1975 präsentierten Vorgänger 924, der unter luftgekühlten Fans als unvollendet galt. Man muss den heutigen Glanz beiseiteschieben, um einen realistischen Blick auf die Firma Porsche der 70er Jahre zu bekommen: Es gab den 911, mit Heckmotor schon ein ­wenig aus dem Fokus der Zukunft gerutscht. Und es gab den VW-Porsche 914, unentschlossen zwischen bürgerlicher Existenz mit Brille und eilig antrainierter Sportlichkeit: Die Vierzylinder-Boxer wurden bei VW gebaut, die wenigen Sechszylinder bei Porsche, der 914 ersetzte den VW Karmann Ghia glaub­würdig, war aber etwas hilflos beim Aufsammeln junger ­Porsche-Einsteiger.

Der Nachfolger 924 basierte auf einem ähnlichen Geschäftsmodell, war eigentlich für VW entwickelt worden.

Dort wäre der Zweiliter-Vierzylinder aus dem Audi 100 und dem Transporter VW LT auch nicht ehren­rührig gewesen, aber VW wollte sich im Abspann der Energiekrise doch nicht über einen Sportwagen drüber­trau­en, sondern über den ­Scirocco. Als der 924 als Porsche debütierte, war der Motor den angepeilten Käufern fremd. 125 PS und 2,0 ­Liter waren ­mager, die ­Bedienelemente aus dem VW/Audi-Programm auch. Die Gleichteilstrategie war aber noch weiter vorgedrungen – der Kühlwasser-Aus­gleichs­behälter kam vom VW K70, der ganze 924er war in keiner Faser ein Symbol für Sportliches.

Innovativ am 924 war die Transaxle-Bauweise mit dem Getriebe an der Hinterachse, damit war die Gewichtsverteilung fein ausbalanciert, die Straßenlage hätte sich bestenfalls breitere Reifen gewünscht. Die aber wären aus den schlanken Radkästen gequollen, lediglich der in 409 Exemplaren gefertigte 924 Carrera GT bekam sehr plakativ angenietete Verbreiterungen aus Kunststoff und Alu.

Porsche 944 Oldtimer 1981 Test Heck

Nach fünf Jahren Bauzeit beschloss Porsche, den 924 zum tatsächlich echten Porsche zu verfeinern. Die Verkaufszahlen brummten zwar auf beruhigendem Niveau, aber der Motor war mittlerweile selbst bei VW/Audi zum Auslaufmodell degradiert. Also entwickelte Porsche einen ­eigenen.

Porsche 944: Basis war der V8 des Porsche 928, der in der Mitte halbiert wurde.

Was hier nach einfacher Operation klingt, glich einer komplexen Neukonstruktion des Aggregats, lediglich die Zylinderköpfe waren weitgehend ident, mehr als rund 50 Gleichteile ließen sich nicht realisieren. Der ruppige Lauf des halbierten V8 war nämlich nur durch zwei Ausgleichswellen zu glätten, dann allerdings glich die Geschmeidigkeit der eines Sechszylinders. Dass diese beiden Wellen nach einem Mitsubishi-Patent rotierten, war gewiss eine schwierige Entscheidung für Porsche, aber immerhin war davor sogar erwogen worden, bei Peugeot/Renault/Volvo um den Euro-V6 anzuklopfen.

Der neue Motor wurde gleich ordentlich getestet, nämlich in Le Mans, mit ­einem Turbolader drauf und mit ­Walter Röhrl am Steuer. Die unbeirrbare Zuverlässigkeit brachte Porsche den Preis für die geringste Reparaturzeit ein, der offiziell 924 GTP genannte Technologieträger fuhr auf den siebenten Gesamtrang, und Porsche konnte mit der Werbung für das neue Modell beginnen.

Porsche 944 Oldtimer 1981 Test Innenraum Interieur

Die Produktion des 944 lief Ende 1981 an, die 163 PS aus 2479 ccm waren nach Art des Hauses (wenngleich ein wenig unter dem 924 Turbo, für den der alte Motor auf 177 PS gezwirbelt wurde), die Kraft kam aus dem Keller, was in Auto­revue 12/1981 anschaulich beschrieben wurde: „Der Motor hat die Kraft an derselben Stelle wie Popeye der Seemann, in den Unterarmen, und das gibt ja bekanntlich einen besonders kräftigen Schlag.“

Außen hatte der 944 das Grund-Layout mit dem 924 gemein, die Design-Evolution war ebenfalls höchst fachkundig in der Autorevue zusammengefasst: „Der 944 sieht aus wie ein 924, der sich als Superman verkleidet hat.“ Oder, in der Sprache der Techniker: Der 944 übernahm volley die Form des 924 Carrera GT mit seinen Verbreiterungen, die waren allerdings jetzt aus Stahlblech und in die Karosserie integriert.

Heute ist ein früher 944 so typisch 80er Jahre, wie ein Auto 80er Jahre nur sein kann.

Der Innenraum ist mit Kunststoff ausgeschlagen, die Farbgebung (braun und dunkelgrün in unserem Fotomodell) gleicht jener damaliger Badezimmerfliesen, der Stoff erinnert jene an Juckreiz, die damals ihre Jugend in ähnlich gewebten Hosen verbringen mussten, die Instrumente und Bedienknopferln sind noch schlank und übersichtlich. Wie lange 1981 tatsächlich zurückliegt, erkennt man an den Fensterkurbeln. Auch wenn Porsche aus Gewichtsgründen lange daran festgehalten hat: Im frühen 944 sind sie auf so selbstverständliche Art vollwertig, da wird deutlich, wie fettfrei Sportwagenfahren einst war. Und auch frei von Servolenkungen, weshalb man im Porsche 944 nach alter Väter Sitte einparkt: Wer lenken mag, sollte auch dezent rollen, sonst hängt er schwer am Lenkrad.

Porsche entwickelte den 944 ständig weiter.

Der 944 Turbo mit 220 PS stand 1985 am ­Genfer Salon und bald in den Schauräumen, für das ­Modelljahr 1987 kam der 944 S mit 16-Ventil-Zylinderkopf. 1989 vergrößerte Porsche den Motor für den S2 auf drei Liter Hubraum, damit war ihm der Rekord als größter ­Serien-Vierzylinder gewiss.

Im selben Jahr kam auch ein Cabrio, die Stoßstangen wurden harmonischer integriert. Schon 1985 erschien ein Armaturenbrett, das nicht mehr nach 70ern, sondern bereits nach den 90ern aussah, aber die durfte der 944 nur streifen: 1991 lief die Produktion aus.

Der 924 wurde übrigens bis 1988 parallel weitergebaut, Porsche hatte sich einen sehr großen Vorrat an VW-Motoren beiseite gelegt. Und der 1991 präsentierte 944-Nachfolger 968 basierte auf demselben Entwurf, hatte sich aber beim Frontdesign deutlich dem 911 angenähert. Als 1995 der letzte Trans­axle-Porsche ausgelaufen war, kam der Boxster. Er schrieb von Anfang an seine Erfolgs­geschichte. 

  • Schloegel

    Geiler Sportwagen für junge Einsteiger ins Porsche-Programm!
    Allein die Klapplichter sorgten schon für entsprechende Aufmerksamkeit, wie überhaupt die Karosserie nachahmenswert war (siehe Mazda mit Wankelmotor!). Der Innenraum sah limousinenhaft elegant aus, die Bestühlung gab es zumindest in Teilleder. Das Platzangebot und das, was man Kofferraum nannte, war der damaligen C-Klasse von Mercedes überlegen: kein Spaß, ich konnte meinen klappbaren Kinderwagen im 190er Mercedes wirklich nicht im Kofferraum unterbringen.
    PS.: Die Fahreigenschaften im Winterbetrieb waren unglaublich, da staunten so manche im Alpenland, wo der 944 überall hinauffuhr.
    PPS.: Aus Nostalgie würde ich mir einen gut erhaltenen 944 vielleicht wieder anlachen, obwohl ich längst 911er in allen Varianten fahre; ein Panamera bleibt aber eine Überwindung!
    mfG RS

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