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Oh Lord, won’t you buy me?

Die ersten Generationen des Mercedes SL wurden zu Ikonen in der Roadsterwelt. Ein Kernmodell des Daimlerkonzerns, Designstück mit Stern, Aushängeschild für Mercedes. Doch mittlerweile ist der offene Zweisitzer nur noch ein Schatten seiner selbst. Was wird aus dem Mercedes SL?

17.03.2015 Press Inform

Wer an Mercedes denkt, dem kommt neben der E- oder S-Klasse unweigerlich auch der elegante Luxusroadster SL in den Sinn. Seit dem offenen 300 SL in den 50er Jahren ein elegantes Prachtmobil der Schönen und Reichen, die sich gleichermaßen gerne in Sonne und Öffentlichkeit sonnten. Der offene Mercedes 300er SL, vom spektakulären Flügeltürer abgeleitet, leitete eine Erfolgsgeschichte ein, die in der Luxus-Liga ihresgleichen sucht. Von 1971 bis 1989 erhob sich der offene SL der Baureihe R 107 selbst zur verchromtem Designikone – bis heute einer der schönsten Roadster der je produziert wurde, gekrönt mit den Topmodellen SL 500 und SL 560. Ebenso wie die viertürige Mercedes S-Klasse war der SL immer ein Zeichen seiner Zeit. So wie die kantige Baureihe R 129 mit dem unverwüstlichen Kunststoffcharme eines beplankten Panzers, der für die Ewigkeit kreiert wurde. Elegant und mit Hightech vollgestopft die Nachfolgegeneration des R 230, der insbesondere vor Einführung der Glasbaustein-Frontscheinwerfer seine Fans begeisterte.

AR 2012/09_OLDTIMER_ Mercedes 300 SL
© Bild: Andreas Riedmann

Mercedes SL heute

Die größte Innovation des aktuellen Mercedes SL der Serie R 231 war eine Scheiben-Waschanlage, im Design wirkt das Cabrio weniger sportlich als adipös – und die Verkaufszahlen dümpeln weltweit vor sich hin. Für Puristen begann der Abstieg bereits im Jahre 2002, als Mercedes den SL (Baureihe R 230) erstmals mit einem Variodach ausstattete. Das Klappdach, großer Trend der späten 90er und frühen 2000er Jahre, wird von vielen Cabrio- und Roadsterfans bis heute belächelt. Das allzu opulente Hinterteil des Mercedes SL konnte in der Generation des R 230 noch vernünftig überspielt. Jedoch wurde der SL im Laufe der Jahre mehr als 1,8 Tonnen schwer.

MERCEDES SL R107
© Bild: Mercedes-Benz

Ist der SL nicht mehr das, was er einmal war?

Der aktuelle SL, bei seiner Premiere Ende 2011 immerhin um rund 150 Kilogramm leichter geworden, hat mit den eleganten Augenweiden der vergangenen Jahrzehnte nur noch wenig gemein. Zu unauffällig, zu modisch sind die Linienführungen. Im aktuellen SL-Innenraum mag es eine perfekte Sitzposition geben, das elektrische Windschott, das jede Cabriofahrt virtualisiert und ein Frontbass-System, das nur den Innenraum und nicht die Außenwelt beschallt. Doch das Klappdach öffnet und schließt sich nach wie vor nur im Stand – unbrauchbar für den perfekten Auftritt oder eine schnelle Dachöffnung bei langsamer Fahrt in der City.

Der Mercedes SL R129

Neuausrichtung der SL-Klasse?

Zudem kommen genau die Emotionen zu kurz, von denen ein Roadster lebt. Wer für echtes Aufsehen sorgen will, ist mit dem aufreizend lauten Jaguar F-Type besser bedient, sportlicher geht es mit einem Porsche 911 und spektakulärer mit einem Aston Martin Vanquish Volante. Und Besserung ist eher nicht in Sicht, denn Daimler bringt mit einer offenen Mercedes S-Klasse und einem AMG GT Roadster zwei völlig neue Oben-ohne-Versionen, die genau die Kunden ansprechen werden, die sich ehemals in die SL-Versionen verliebten. Daran wird auch die bevorstehende Modellpflege kaum etwas ändern, auf die sich der SL in diesem Herbst freuen kann. Große Würfe sind hier kaum zu erwarten, vielmehr müsste es eine Neuausrichtung der Submarke SL geben. Gerade weil sich Mercedes mit Submarken wie AMG oder Maybach immer weiter im Luxussegment auffächert. Vielleicht wird der SL dereinst wieder ein echter Sportroadster, der seine Bezeichnung SL – Sport-Leicht – zurecht trägt?

Mercedes SL Baureihe R 231 mit Jürgen Weissinger

  • lowin

    Leider hat Daimler selbst an der „Abwertung“ der
    SL Baureihe die größte Schuld. Vom W198, W121, W198 II, W113 bis zum R107 hatte
    der SL ein markantes und eindeutiges Gesicht: EINE Chrom-Querstrebe. Diese eine
    Querstrebe oder sehr ähnliche findet man heute bei vielen Mercedes Fahrzeugen.
    Das hilft sicher kleine Klassen zu verkaufen. Es hat aber dem SL sein
    Alleinstellungsmerkmal bei Mercedes PKW genommen. Bei LKW war das
    überraschenderweise niemals problematisch.

  • Gast

    Zitate:
    unbrauchbar für den perfekten Auftritt…
    Wer für echtes Aufsehen sorgen will…
    Der Autor hat offenbar ein gravierendes Problem mit seiner Selbstdarstellung, da ist der SL tatsächlich das falsche Auto. Ich empfehle hierzu eine 72er Corvette, sehr schwülstig und etwas pubertär im Abgang.

  • Andreas

    ich habe vor, mein Auto-Revue Abo zu kündigen, dieser Beitrag bestärkt meinen Entschluss. Traurig, was aus diesem Vorzeige-Journal geworden ist.

  • Ölprinz

    Jeder neue SL soll quasi das Automobil neu erfinden. Da wird hier auf sehr hohem Level geraunzt.
    Der Porsche sieht seit gefühlten 50 Jahren gleich aus, trotzdem motzt hier keiner über seinen Käfer-Hintern.
    Der Jaguar ist laut aber wo sind seine tollen Innovationen?
    Der Aston ist in Relation zum Gebotenen und zum Mitbewerb einfach um vieles zu teuer.
    Der SL macht was er machen soll und das sehr gut, was soll da das Gerede mit „nur mehr der Schatten seiner selbst“ ?

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