© Bild: ÖAMTC
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ÖAMTC und ADAC: Testverfahren abseits der Norm

„Kompatibilitätscrash“ zeigt Optimierungsbedarf bei Knautschzonen

20.12.2013 APA

ÖAMTC und ADAC haben ein Testverfahren entwickelt, das es ermöglicht, auch Unfälle abseits der Norm nachzustellen und auszuwerten. Beim standardisierten EuroNCAP-Crashtest würden vom Standard abweichende Bedingungen zu wenig berücksichtigt. „Der Unfallgegner auf der Straße entspricht nicht immer dem Standard, er kann größer oder kleiner, leichter oder schwerer als das eigene Fahrzeug sein“, stellt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang fest. Mit dem sogenannten Kompatibilitätscrash wird untersucht, wie sich die Knautschzone eines Fahrzeuges bei einem Frontalaufprall gegen ein anderes Auto verhält. „Der aktuelle Test zeigt deutlich, dass gerade bei Streifkollisionen hinsichtlich der Knautschzone noch viel Optimierungsbedarf besteht“, so Lang.

Honda Accord erzielte gute Ergebnisse im Test

Dieses Jahr schickten die ÖAMTC-Experten einen Audi A4, einen Volvo S60 und die USA-Version eines Honda Accord, dessen Knautschzone für die US-Crashtests mit geringer Überdeckung ausgelegt wurde, auf den Prüfstand. „Die Knautschzonen dieser Fahrzeuge sind extrem unterschiedlich konstruiert“, berichtet Lang. Tatsächlich erreicht auch nur der Honda gute Werte im Test, die beiden anderen Fahrzeuge haben noch Nachholbedarf in der Kompatibilität.

Knautschzonen-Optimierungsbedarf bei Audi A4 und Volvo S60

„Die Knautschzone des Audi ist ungleichförmig aufgebaut. Es gibt sehr harte, aber auch sehr weiche Bereiche, die beide nicht gut geeignet sind, um beim Unfall Energie abzubauen“, so Lang. Die Knautschzone des A4 kann deshalb bei vom Standard abweichenden Unfallbedingungen nicht gut genutzt werden und zeigt daher in diesem Kompatibilitätscrashtest den größten Optimierungsbedarf. Beim Volvo kann durch die Strukturen außerhalb der Längsträger die Knautschzone bei Unfällen mit geringer Überdeckung effektiv genutzt werden. Die steife Konstruktion der Längsträger birgt aber ein großes Gefahrenpotenzial für den Unfallgegner und bringt daher eine Abwertung bei der Kompatibilität.“Im Vergleich zu diesen beiden Fahrzeugen verfügt der Honda Accord über eine Art Schutzschild, eine speziell großflächig konstruierte Fahrzeugfront“, analysiert der ÖAMTC-Cheftechniker das Ergebnis. „Dieses stellt sicher, dass die Energie des Aufpralls auch bei ungünstigen Unfallkonstellationen zu einem Großteil in der Knautschzone abgebaut werden kann.“ Dadurch werden auch leichtere oder kleinere Unfallgegner nicht überlastet.

EuroNCAP-Crashtest ist „gute Basis“ – weitere Anforderungen müssen berücksichtigt werden

„Selbstverständlich ist der EuroNCAP-Crashtest eine wichtige Basis für guten Insassenschutz“, fasst der ÖAMTC-Cheftechniker zusammen. „Dennoch zeigt der Kompatibilitätscrash deutlich, dass bei der Entwicklung von Fahrzeugen in Zukunft weitere Anforderungen berücksichtigt werden müssen, um die Knautschzonen zu optimieren.“ Einerseits durch eine Art „Schutzschild“ aus mehreren breiten Querträgern über die gesamte Fahrzeugfront, um die Aufprallenergie großflächig zu verteilen. Andererseits durch einen homogenen Aufbau des Vorbaus, der ein Maximum an Energie aufnehmen kann.

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