Vignette Österreich
ÖAMTC für Beibehaltung des Vignettensystems
 

ÖAMTC kritisiert EU-Vorstoß für Mautsysteme

Parlamentarier plädieren für ein EU-weit einheitliches kilometerabhängiges elektronisches Mautsystem.

12.06.2013 APA

Die Mautsysteme in Europa sind nach wie vor unterschiedlich geregelt. Einige Länder wie Österreich setzen Vignetten ein, während beispielsweise Italien kilometerabhängig abrechnet. Die EU hat nun einen Vorstoß in Richtung einheitlicher Mautsysteme getan: Die Parlamentarier fordern die Einführung eines kilometerabhängigen elektronischen Mautsystems für alle EU-Staaten. Eine entfernungsabhängige Verrechnung sei fairer als das derzeitige zum Beispiel in Österreich bestehende Vignettensystem, so die Argumentation.

„Kilometerabhängige elektronische Mautsysteme weder fair noch wirtschaftlich“

Der ÖAMTC spricht sich klar dagegen aus: Kilometerabhängige elektronische Mautsysteme seien weder fair noch wirtschaftlich, so Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Diese hätten bis zu dreimal höhere Systemkosten als Vignettensysteme – bis zu ein Viertel der Einnahmen müsse laut internationalen Studien alleine für den Betrieb aufgewendet werden. Der ÖAMTC befürchtet bei einer Einführung des von den EU-Parlamentariern geforderten Modells zudem einen Ausweich-Effekt auf die Landstraßen, der ein erhöhtes Unfallrisiko sowie massive Belastungen für Umwelt und Bevölkerung mit sich bringe. Darüber hinaus müssten bei Einführung einer kilometerabhängigen elektronischen Maut für Pendler und berufliche Vielfahrer neue komplizierte Fördersysteme geschaffen werden, so Wiesinger.

Ausreichende Alterantiven zur Jahresvignette in Österreich

Die Vergleichsrechnungen für Wenigfahrer, die für die Argumentation für die Einführung des neuen Mautsystems herangezogen werden, seien völlig irreführend, weil diese fast immer anhand der Jahresvignette erstellt würden. „In allen EU-Staaten mit Vignette gibt es Kurzzeitvignetten. Wenn man etwa davon ausgeht, dass ein Autofahrer, der lediglich 1.000 Kilometer auf österreichischen Autobahnen zurücklegt, eine 10-Tages-Vignette erwirbt, zahlt er fast genau denselben Kilometerpreis wie jemand mit 10.000 Autobahn-Kilometern und einer Jahresvignette“, rechnet Wiesinger vor.

Wenn in einem Land ein zeitbasiertes Mautsystem aufrecht erhalten wird, sollten laut den Abgeordneten auch Vignetten für kürzere Zeiträume – Tage oder Wochen – erhältlich sein. Diese Alternativen zur Jahresvignette seien in Österreich mit der 10-Tages- und 2-Monats-Vignette in zufriedenstellendem Ausmaß gegeben, so der Chef der ÖAMTC-Interessensvertretung. Auch Verkehrs- und Infrasturkturministerin Doris Bures habe sich im März bereits gegen ein kilometerabhängiges Mautsystem ausgesprochen.

Abschließend hält Wiesinger fest, dass es sich bei der Resolution des EU-Parlaments um keinen bindenden Vorschlag handle. Da das Vignettensystem in Österreich wie gefordert „diskriminierungsfrei für alle EU-Bürger“ sei, gäbe es keinen Grund, Änderungen an den bestehenden Regelungen vorzunehmen.

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  • Stromberger Heinz-Dieter

    Die liebe EU – Mautvereinheitlichung? Woran erinnert mich das bloß? Ach ja – da gab es die Banane, die Glühbirne – wieder eine tolle Idee. Manche Ideen dieser Damen und Herren in Brüssel deutet schwer daraufhin, dass diese Ideen zur Daseinsberechtigung eines aufgeblähten Verwaltungsapparats herhalten müssen. Ehrlich gesagt wäre es wünschenswerter, dass die verschiedenen Vorschriften zur Mitführung (Ersatzlampen, Warndreiecke und -westen etc.) gesamteuropäisch vereinheitlicht werden. Schätze aber, dass die Beamten in Brüssel mehr fliegen als mit dem Auto fahren und ihnen diese Dinge als nicht wichtig erscheinen. Früher fuhr man ins Ausland – heute fährt man innerhalb der EU und es scheint komplizierter zu sein als Seinerzeit.

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