BMW1er_2
Der neue 1er soll souveräner werden.
 

No Passing!

Der neue 1er – der erste BMW mit eingebautem Überholverbot (aufpreispflichtig).

07.06.2011 radical mag

Irgendwie mögen wir das ja. Dass jemand derart heftig an seinen Prinzipien festhält. BMW sagt: Hinterradantrieb. Also macht man auch Hinterradantrieb. Und zwar ausschließlich (die Allradmodelle darf man, wie Ferrari seinen FF, als hinterradgetriebene Autos mit zusätzlichem Frontantrieb sehen).

Auch beim Einsteigermodell, dem 1er. Gut, BMW hat mit dem Mini gezeigt, dass man in München auch beim Vorderradantrieb die Messlatte sehr, sehr hoch legen kann, aber BMW ist BMW und nicht Mini, also: alles nach hinten. Ob es nun Sinn ergibt oder auch nicht. Denn es gibt einen guten Grund für Frontantrieb: die Kosten. Hinten angetriebene Räder sind einfach teurer in der Konstruktion und in der Produktion. Das ist in der Oberklasse und der gehobenen Mittelklasse kein Problem, doch in der preissensiblen Golf-Klasse, da macht das schon etwas aus, da können ein paar Hundert Euro matchentscheidend sein.

Dazu kommt, dass es gerade in diesem hart umkämpften Segment mittlerweile schon auch ausgezeichnete Fronttriebler gibt. Den Namensgeber des Segments etwa, den davon abgeleiteten Audi, die Giulietta von Alfa, den DS4 von Citroën. Und trotzdem, und das ist gut so, bleibt BMW seinen Prinzipien auch bei der zweiten Generation des 1er treu. Wie gut das ist, das sieht man etwa beim 1er M Coupé. Das ist zwar erst ganz frisch auf dem Markt, gehört aber noch zur ersten Generation 1er, und ist trotzdem so etwas wie der Gipfel der Fahrfreude bei den Kleinen.

Komplett neu aufgelegt wird vorerst einmal die fünftürige Version des 1er. Der Dreitürer wird im Frühjahr folgen, und selbstverständlich werden auch Coupé und Cabrio bald nachgeschossen. Und als neu darf man die ganze Geschichte schon sehen: Der 1er ist heftig gewachsen. 8,5 Zentimeter in der Länge sind es (jetzt 4,32 Meter), der Radstand nimmt drei Zentimeter zu (auf 2,69 Meter), auch die Spur und die Breite (jetzt 1,77 Meter) werden erweitert.

Weil der Wagen aber gleich hoch bleibt (1,42 Meter), wirkt er nun gestreckter, hat den Anflug von Kastenwagen verloren, ist mehr ein Shooting Brake (und dieser Eindruck wird beim Dreitürer dann sicher noch verstärkt). Auch der Kofferraum ist gewachsen, das Volumen wurde um 30 auf 360 Liter erhöht – bei umgeklappten Rücksitzen sind es maximal 1200 Liter. Auch wenn die Gesamtanmutung des 1er sicher gewonnen hat, gibt es auch Betrachtungswinkel, wo wir etwas Mühe bekunden.

Schräg von vorne, da sieht er aus wie ein geschrumpfter 7er. Diese Mücken-Augen lassen ihn wie einen Außerirdischen erscheinen, der sich im bayrischen Hinterland verirrt hat. VW exerziert das ja gerade bis zu Exzess: Die einzelnen Familien-Mitglieder müssen sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Dieses Spiel praktizieren die Bayern auch schon länger. Den 5er kann man vom 7er kaum mehr unterscheiden. Unsere Begeisterung für dieses Konzept hält sich in Grenzen.

Gerade auf der Autobahn ist es doch wichtig, auf den ersten Blick erkennen zu können, was sich denn von hinten nähert – für einen 7er schafft man Raum, für einen 1er eher nicht. Zu Beginn seines Lebenszyklus gibt BMW seinem jüngsten Kind noch keine der ganz groben Motorisierungen mit auf den Weg.

So kennen wir die Bayern eigentlich gar nicht, aber es scheint ihnen richtig ernst zu sein mit der effizienten Fortbewegung. Keines der angebotenen Aggregate will mehr als 6 Liter verbrauchen. Sprich: Alle kommen auf einen CO2-Ausstoss von weniger als 140 Gramm.

Es gibt zwei Benziner, beide mit 1,6 Liter Hubraum, beide mit Twin-Turbo, variabler Ventilsteuerung und Doppel-Vanos, einmal mit 136 PS (max. Drehmoment 220 Nm), einmal mit 170 PS (max. Drehmoment 250 Nm). Dazu kommen drei Zweiliter-Diesel, alle ebenfalls mit Twin-Turbo, mit 116 PS (max. Drehmoment 260 Nm), mit 143 PS (max. Drehmoment 320 Nm) und mit 184 PS (max. Drehmoment 380 Nm). Wohl zum ersten Mal in der BMW-Geschichte ist ein Diesel nicht nur das kraftvollste Triebwerk im Modellprogramm, er bietet auch noch die besten Fahrleistungen.

Der 184-Pferderbeschleunigt in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und rennt bis 228 km/h schnell. Zu einem späteren Zeitpunkt will BMW den 116d (116 PS) dann noch als Efficient-Dynamics-Edition anbieten. Mit zusätzlichen verbrauchsreduzierenden Maßnahmen soll dieser Wagen dann nur noch 3,8 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen, was 99 Gramm CO2/km entspricht. Davor ziehen wir bereits jetzt mal den Hut.

Selbstverständlich ist auf BMW dem Wahn der Assistenzsysteme aufgesessen. Es gibt auch bei den Bayern, was derzeit erhältlich ist und sich auf der Aufpreisliste mit teilweise happigen Zuschlägen in Szene setzen kann: Fernlichtassistent, adaptives Kurvenlicht, Park-Assi, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent einschließlich Auffahrwarnung, Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion und Speed-Limit-Info einschließlich „No Passing“-Info. (Vorsicht Ironie: Ein BMW mit eingebautem Überholverbot, das ist doch einmal etwas ganz Neues.)

Eine Achtgang-Automatik gibt es übrigens auch noch. Damit steht der BMW in der Golf-Klasse so allein wie mit dem Heckantrieb. Ein Doppelkupplungs-Getriebe gibt es dafür nicht, ein Stopp/Start-System hingegen schon.

Vielen Dank an unsere eidgenössischen Partner von www.radical-mag.com

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