Nissan Qashqai+2 2,0 dCi Tekna 4WD Testbericht

Wie Pluszwei dafür sorgt, dass sich abgebrühte Kollegen dann doch um ein Auto anstellen.

01.09.2009 Autorevue Magazin

Qashqai ist der erfolgreichste Nissan, wobei man sagen muss: Es gibt definitiv zwei Qashqais. Denn der eine ohne Pluszwei ist ein Auto an der Grenze zwischen Kompakten und SUV, der andere aber, Pluszwei, ist ein SUV in Form, Größe, Aufführung und Philosophie. Da gibt es kein Entkommen.

Der Qashqai+2 hat zwei Sitze mehr als der normale Qashqai, ist um 21 Zentimeter länger, vier Zentimeter höher und 94 Kilo schwerer. Daraus ergeben sich Konsequenzen für das Fahrverhalten ebenso wie für das Platzangebot und damit die Brauchbarkeit des Autos, und zwar jeweils deutlich merkbare. Wer vorhat, seinen Qashqai gegen einen Pluszwei zu tauschen, damit er zwei Plätze mehr hat und sonst bleibt alles beim Alten, wird sich wundern (nichts bleibt beim Alten, und zwei Plätze mehr hat er auch nur unter besonderen Umständen, doch davon später).

Seit einem halben Jahr ist der Qashqai+2 in der Autorevue im Einsatz. An die 30.000 Kilometer wurden abgefertigt, die meisten davon in größeren Portionen: So ist denn auch der Verbrauch im Laufe der Monate von anfänglichen 9,2 auf 8,99 Liter gesunken. Abgesehen von einem kaputten Heckklappenschloss in den ersten Testtagen, das naturgemäß anstandslos und im Rahmen der Garantie repariert wurde, ist nichts passiert, das auf zukünftige Probleme hinweisen könnte. Der eine oder andere in dieser Redaktion baut gerade sein Haus um, und was sich dabei an notwendigen Fahrten mit allerhand schweren, schmutzigen oder kantigen Materialien ergeben mag, ergibt sich mit dem Nissan. Dass er bei diesem mehrmonatigen Möbelfakta-Test noch keine Verschleißerscheinungen zeigt, spricht für ihn.

Der Pluszwei fährt sich wie ein SUV, der Qashqai wie ein PKW. Pluszwei liegt satt auf der Straße, ist weich in der Kurve und beim Bremsen, schätzt halbwegs geruhsame Fahrweise, ist zum Kurvenwieseln völlig ungeeignet. Ein ideales Autobahnauto, auch, weil er leise ist. Wenig Windgeräusche, kaum Dieseltöne. Die Ledersitze sind nicht nur serienmäßig (in der Version tekna), sondern auch schön weich und bequem, die passende 1000-Kilometer-Sitzlandschaft. Gelenkt wird etwas schwergängiger als beim kurzen Qashqai, auch das ein Zeichen dafür, dass hier bei der Entwicklung kaum an ein Stadtauto gedacht wurde.

Die beiden Sitze wiederum, die den Qashqai+2 zum Siebensitzer machen, sind Erwachsenen natürlich nicht zumutbar, obwohl man sogar die zweite Sitzreihe längs verschieben kann: zu wenig Kniefreiheit, zu wenig Kopffreiheit, bequemer Zugang nur für Mungon, das mongolische Schlangenmädchen. Man kann natürlich fünf Erwachsene und zwei kleine Kinder in das Auto treiben, so man so viele Menschen zur Verfügung hat. Oder man hat vier bis fünf Kinder und bringt einmal pro Woche alle gemeinsam zum Eishockeytraining.

Genial einfach sind die Lehnen der zweiten und dritten Sitzreihe umzulegen. Einfach ein Hebelchen drücken oder ein Schlauferl ziehen, und schon liegt alles brettleben da oder steht wiederum leichterhand auf: Ein praktischer, voluminöser Laderaum tut sich auf. Die vier Zentimeter, die das Auto höher ist als der Qashqai, entscheiden auch in dieser Disziplin zuweilen gerade über geht und geht nicht. Beim Qashqai+2 geht viel, und die halbe Zeit liegen die Sitze darnieder.

Ein Glück, dass das große Glasdach Serie ist. Denn da es im Winter davon kalt herunterstrahlt und im Sommer die Sonne hindurchglüht, verwendet es niemand, und niemand wird sich je ärgern müssen, dafür einen Aufpreis bezahlt zu haben.

Was die Verarbeitungsqualität betrifft, wurden im Dauertest-Einstieg (AR 2/09) gewisse Zweifel formuliert. Nun sind 30.000 Kilometer noch kein Autoleben, aber zumindest diese Distanz wurde ohne Verschlechterung zurückgelegt: Man könnte den Qashqai nach gründlicher Reinigung ohne Weiteres als eigentlich neu ausgeben.

Was neben dem vielen Platz, der hohen Sitzqualität und dem nächsten Termin, an dem man sich den Qashqai+2 unter den Nagel reißen kann, außerdem lebhaft in den Redaktionsgängen diskutiert wird: Der vor allem nach einer kurzen Warmlaufphase schön kultivierte Motor. Wie vollkommen egal es ist, dass dieses Auto nur 183 km/h schnell ist, denn jenseits der 150 tut sich sowieso die Schere zwischen Können und Wollen auf. Und wie angenehm und unverzichtbar vor allem die Sechsgangautomatik ist. Wer schon über 30.000 Euro für ein Auto ausgibt und dann bei den 2.700 Euro für die Automatik spart, kann sich sein Leben lang hinten hineinbeißen, aber fix.

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