Nissan Navara Exterieur Dynamisch Seite Front
Neigungsgruppe Drifter.
 

Testbericht: Nissan Navara

Der Nissan Navara ist rustikale Kost für Feinspitze. Vor allem mit V6.

18.04.2011 Autorevue Magazin

Jedem Pickup haftet etwas Wildromantisches, etwas Hemdsärmeliges an. Da spielen sich bis in den Horizont reichende, verschlängelte Schotterstraßen vor dem ­geistigen Auge ab, die im wilden Starr­achsenritt durchmessen werden wollen. Mit dem Pickup jedoch beispielsweise vor der Oper aufzukreuzen, das mag nicht so recht ins Bild passen.

Nissan gibt mit dem Facelift des Navara den Anlass, solcherlei Vorurteile auszuräumen. War der Navara ohnehin stark dem PKWhaften verbunden, gibt’s jetzt die noble Evolutionsstufe mit dem konzernbekannten V6-Diesel.

Schon nach dem Starten gilt es, die Wahrnehmung neu zu kalibrieren. Wo man einen großvolumigen, stampfenden Vierzylinder erwarten würde, blubbert nun ein V6 mit der Intonation eines Schiffsdiesels, stets präsent, aber sauber weg­gedämmt. Zusammen mit der kaum fühlbar schaltenden Siebengang-Automatik ergibt das antriebsseitig ein untade­liges Team. Dass der Allrad­antrieb per Drehknopf zuschaltbar und auch eine Geländereduk­tion an Bord ist, ist beim ­Navara ohnehin Ehrensache. Wie das geht? Beachtlich hurtig. Eigentlich sollte es angesichts der 231 PS und 550 Nm nicht überraschen, ­allein: Die Wahrnehmung steht noch immer auf Pickup. (Auch das Exeku­tivorgan, dem hier für seine Verhandlungsbereitschaft gedankt sei, konnte die Bauart­geschwindigkeit im Zulassungsschein nicht glauben.)

Dass der Aufbau beim Fahren ein wenig wankt, gehört ebenso dazu wie eine Lenkung, die gerne etwas mehr gekurbelt werden will. Das hängt mit den rustikalen Genen zusammen (Leiterrahmen, Starr­achse hinten), die es dem ­Navara auch ermöglichen, etwas weiter ins Gelände vorzudringen als die meisten SUVs. Unterm Strich ist er anständig abgestimmt, lediglich die Bremse könnte ein wenig mehr Biss vertragen, immerhin gilt es, über zwei Tonnen zu bändigen.

Die Kultiviertheit des Antriebs setzt sich auch im Innenraum fort: Ledersitze? Selbstverständlich. Naviga­tionssystem? Klar! Bluetooth? Logisch. Da der V6-Diesel nur in der höchstmöglichen Ausstattungsvariante angeboten wird, kommt das alles serien­mäßig. Und es gibt eigentlich nichts, was uns abgegangen wäre. Besonders lobend sei die Multimediaeinheit erwähnt. Die Bedienbarkeit ist dank Touchscreen samt Steuerkreuz und zusätzlicher Lenkrad­fernbedienung ein Gedicht, der Klang dank BOSE-Lautsprechern ebenso. Auch die ­Anbindung an den iPod hat bislang kaum einer so frik­tionsfrei hingebracht.

Was den feinen Charakter weiters unterstreicht: die Verarbeitung des Cockpits. Das Hartplastik des Arbeitstiers blitzt nur noch an vereinzelten Stellen durch, der Rest ist optisch und haptisch okay.

Kommentare sind geschlossen.

pixel