Nissan Leaf Exterieur Dynamisch Front
Der Leaf wurde speziell für den Elektroantrieb entwickelt.
 

Vorstellung: Nissan Leaf

Nissan zeigt den Leaf, und der fährt elektrisch.

17.12.2010 Online Redaktion

Die Krux mit neuen Technologien ist, dass die Bastler und Ausderhüfteschießer meist schneller sind als die Big-Player. Deswegen hatte die Elektromobilität schnell den Ruf weg, ein charmebefreites Segment zu sein, das nur aus autoähnlichen Lego­vehikeln besteht. Das war, sieht man einmal vom Tesla ab, auch weitaus mehr als nur ein Vorurteil.

Jetzt kommt Nissan mit dem Leaf. Einem mehrheits­fähig eingepreisten Elektroauto, das auf der Straße nicht als Reblausporsche wahrgenommen wird. Mehrheits­fähig ­bedeutet, dass Kunden rund 30.000 Euro investieren müssen (was aber immerhin das Doppelte eines Tiida ist). Dafür schon in Topausstattung.

Preis, gutes Stichwort. Zwei Punkte sollen es den Japanern erleichtern, die (lebensbedrohliche) 5-Milliarden-Investition reinzuholen. Erstens die Stückzahlen. Die neue Technologie soll bis 2014 in vier Baureihen eingesetzt werden (der Leaf, ein leichtes Nutzfahrzeug, ein Infiniti-Modell sowie ein Auto, das nur als „nicht langweilig“ beschrieben wird). Punkt zwei sind die staatlichen Subven­tionen, nach denen sich auch die Markteinführung richtet. Je stärker ein Land die Elektromobilität fördert, desto früher bekommt es den Leaf. In Japan und den USA ist der Leaf schon ab Dezember zu haben. Im ersten Quartal 2011 in England, Holland und Portugal. Anschließend in Spanien und Frankreich. Gegen Ende des Jahres in Österreich und Deutschland. In England gibt es einen Zuschuss von umgerechnet 5000 Euro. In Österreich nicht. Ob jetzt der Kunde in Österreich diese Mehrkosten übernehmen muss oder ob man den Preis künstlich niedrig hält, um ein europaweites Niveau zu halten, ist noch nicht entschieden.

Nissan legt Wert darauf, dass es sich um das erste ­Elektroauto handelt, das tatsächlich für diesen Antrieb entwickelt wurde, und nicht um ein adaptiertes Fahrzeug, das ursprünglich mit Verbrennungsmotor arbeitete. Nicht einmal eine bestehende Plattform wurde verwendet. ­Nissan fing bei der Konstruktion von vorne an.
So gehen sich vier Türen, fünf Sitze und ein Kofferraum (330 bis 660 Liter) aus, weil die Batterien im Fahrzeugboden gelagert sind. Das drückt gleichzeitig den Schwerpunkt tiefer gen Straße, Federn und Dämpfer wurden entsprechend angepasst.

Aber Einspruch: wäre Nissan so streng vorgegangen, wäre der Kofferraum nicht einfach nur ein tiefes Loch. Für das Laden der Batterien braucht es ein Ladegerät. Das ist am Fahrzeugboden montiert, muss aber aufrecht stehen – auf der Höhe, wo der Kofferraum ­endet und die Rücksitzbank beginnt. Ebene Ladefläche? Nicht fragen.

Doch dass man auf diesem Niveau kritisieren muss, ist schon ein Zeichen von hoher Qualität. Fahrdynamisch gibt es keine Beanstandungen. Der Leaf bietet zwei Fahrmodi. Normal und Eco. Im Standard-Modus geht sich der Sprint auf Tempo 100 in 11,9 Sekunden aus, mit einem bitterbösen Antritt von unten raus. Der Leaf geht von der Ampel weg wie ein Sechszylinder-Benziner. Bei Tempo 150 ist Schluss mit der Beschleunigung.

In dieser Geschwindigkeit angekommen, lässt sich der Eco-Mode testen. Sofort nach Aktivierung rollt der Leaf bis Tempo 120 aus. Selbst bei Vollgas. Das ganze Fahrverhalten wird etwas schaumgebremst.

Sparsam unterwegs, reicht ein voller Akku in der Praxis für 110 bis 120 Kilometer. An einer normalen Haushaltssteckdose dauert der Lade­vorgang rund acht Stunden. Ein Schnellladevorgang an einem Kraftstromanschluss dauert dreißig Minuten und bringt achtzig Prozent der Kapazität.

Nissan gibt drei Jahre (oder 100.000 Kilometer) Garantie auf alle Bauteile. Ein neues Leasingkonzept soll den Absatz erleichtern. Man zahlt 15 Prozent an, dann eine geringe monatliche Rate, nach drei Jahren gibt man seinen alten Leaf ab und kriegt einen neuen. Ohne Mehrkosten. Das bindet Kunden.

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  • Die Batterien sind luftgekühlt. Ist der Leaf an einer Ladestation, lässt sich das Klima im Innenraum programmieren. Statt den Strom aus der Batterie zu verwenden wird der Strom dafür dann aus der Ladesäule gezogen. Das Aufwärmen und Abkühlen des Innenraums gleich nach Start ist deutlich Energie-intensiver als die Temperatur dann zu halten.
    Ich hoffe, das hat geholfen.

  • Das Auto konnten wir bei einer Präsentation in Portugal testen. Hierzulande kommt der Leaf Ende 2011. Wann die ersten Händler ein Probefahrzeug haben, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Einfach beim Nissan-Händler Ihres Vertrauens anklopfen. Was die Kühlung der Akkus und der Insassen muss ich aus dem Stegreif (Dienstag-Nacht) passen, werde mich aber drum kümmern.

  • lost14

    mit redlicher Verspätung darf ich anmerken:
    – wie heizt und kühlt das Ding (die Insassen und die Akkus)?
    – wo hatte die Redaktion das Ding her (ich will es nämlich auch ausprieren)?
    – und schlussendlich: bitte antwortet mir!
    Danke

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