Nissan Leaf im Alltag reichweite
Der Aktionsradius schaut oft hoffnungsvoll aus, manchmal aber plötzlich nicht mehr, was auch an den tiefen Temperaturen liegt.
 

Grenze erreicht

Elektrisch ins Ausland – was für ein pionierhafter Gedanke. Sogar bis in die ­benachbarte Landeshauptstadt wollten wir vordringen. Und danach wieder zurück.

10.04.2012 Autorevue Magazin

Die Theorie sah gut aus: Eine von ­sämtlichen Bord-Displays im Nissan Leaf angegebene Reichweite von 159 Kilometern sollte für die 75 Kilometer von Wien nach Bratislava und ­retour reichen. Für eine kleine Zwischen-Aufladung hatten wir eine Stromtankstelle in der ­Kucuricná 17 per Internet ausfindig gemacht, auf die Gefahr hin, dieser Art Atomstrom nach Österreich zu importieren.

Dagegen, dass es an diesem sonnigen Vormittag null Grad hatte, rüsteten wir uns mit Wintermantel, Thermowäsche und Handschuhen, denn wir wollten auf keinen Fall die Heizung strapazieren. Wir öffneten sogar die hinteren Türschlösser per Hand von innen, um einen zweiten Klick der Fernbedienung zu ersparen. Im Eco-Modus tasteten wir uns durch die Outskirts von Wien, ab Flughafen Schwechat klinkten wir uns in den Windschatten eines ungarischen Fern­lasters ein. Kein Radio. Geisterhafte Stille, nur das Rauschen des Windes und der Reifen. Wir hielten uns per Farbskala hart am vorgegebenen Sollverbrauch, fuhren Tempo 85, sehr zum ­Ärgernis nachfolgender LKWs.

Nissan Leaf im Alltag reichweite

Doch schon nach 35 Kilometern zeigt sich ein dramatischer Reichweiten-Abfall. Gerade 80 Kilometer haben wir noch gut. Nach 50 Kilometern, knapp vor der Staatsgrenze, sind es nur noch 32. Jetzt hilft nur eine schnelle Kehrtwendung im Niemandsland. In greifbarer Nähe ragen die Wohnblocks von Bratislava auf, wir könnten es dorthin schaffen, allerdings wissen wir nicht über die Beschaffenheit der dortigen Stromtankstelle Bescheid – ob sie samstags geöffnet ist und für die Normstecker des Profi-­Ladekabels geeignet. Denn, hier ein Geständnis, ich hatte den Leaf in der Redaktionsgarage vom Haushalts-Ladekabel getrennt und dieses einfach liegen gelassen. ­Warum haben Elektroautos denn auch keine fix montierten Ausziehkabel wie jeder Staubsauger?

Erst einmal einen Kaffee trinken. Nach zehn Minuten Pause ist die Reichweite von 29 auf 33 Kilometer gestiegen. Ob man daraus eine Strategie ableiten kann? Fünfzehn, zwanzig Kilometer ­weiter nähern wir uns dem Reserve-Modus. Als wären wir nicht ständig wie auf Reserve gefahren. Nur noch neun ­Kilometer Reichweite, und die Ziffern blinken alarmierend. Es gibt keinen Plan B (Abschleppen per Seil ist streng untersagt), nur einen Plan C: Wir fahren kurzerhand in Pachfurth ab, wo die Freunde vom Driving Camp zu Hause sind. Dort werden wir mit Gulaschsuppe gelabt und warten auf Wolfgang Hofbauer, der uns das ­Ladekabel aus Wien bringen wird. Nach elf Stunden Ladezeit, so zeigt das Display, wird der Nissan Leaf wieder einsatzbereit sein für 159 Kilometer. ­Theoretisch.

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