Das Autoterminal in Bremerhaven
Dennoch wird mit dem geringsten Absatz seit 20 Jahren gerechnet
 

Europas Automarkt kann noch nicht aufatmen

Im September konnte sich der europäische Automarkt leicht erholen. Die Neuzulassungen sind um 5,4 Prozent gestiegen. Dennoch wird mit dem geringsten Absatz seit 20 Jahren gerechnet.

16.10.2013 APA

 

Der europäische Automarkt muss weiterhin mit der Absatzkrise kämpfen, die Neuzulassungen sind zwar im September gestiegen, aber eine langfristige Erholung ist noch nicht in Sicht.

Im September stiegen die Neuzulassungen um 5,4 Prozent, wie der europäische Herstellerverband ACEA am Mittwoch mitteilte. Grund zum Jubeln haben die Autobauer aber nicht. Zum einen gab es in diesem Jahr einen Verkaufstag mehr als im Vorjahr, zum anderen war der vergangene Monat trotz der gestiegenen Autoverkäufe der zweitschlechteste September in der EU-27 seit Beginn der Aufzeichnungen 2003. Die Zahlen für Kroatien, das seit dem 1. Juli dieses Jahres 28. Mitglied der Europäischen Union ist, sind in der Statistik nicht enthalten.

Der September reicht nicht

Das Absatzplus im September reichte nicht aus, um die schlechten Geschäfte im bisherigen Jahresverlauf wettzumachen. In den ersten neun Monaten sanken die Neuzulassungen um 3,9 Prozent, wie der Verband weiter mitteilte.

Experten zuversichtlich

Dennoch glauben Experten, dass die Branche das Schlimmste hinter sich hat. „Der Absturz auf dem europäischen Automarkt scheint gebremst – weiter runter wird es wohl nicht gehen“, schrieb Peter Fuß, Partner von Ernst & Young. Die wichtigste Botschaft sei, dass die Branche in diesem Jahr voraussichtlich das Ende des Tunnels erreichen werde, ergänzte Analyst Carlos Da Silva von IHS Automotive. Die Lichtblicke häuften sich.

Keine nachhaltige Erholung

Von einer nachhaltigen Erholung sei der Markt jedoch noch weit entfernt, sagt Ernst & Young-Experte Fuß. Die Nachfrage sei weiter durch hohe Preisabschläge der Hersteller künstlich aufgebläht. Für das kommende Jahr rechnet er bestenfalls mit einem leichten Wachstum. Bis sich der Automarkt wirklich erhole, dürften noch mindestens zwei Jahre vergehen.

Renault als Gewinner

Größter Gewinner im September war der französische Hersteller Renault, der zusammen mit seiner Billigtochter Dacia gut ein Fünftel mehr Fahrzeuge losschlug als vor einem Jahr. Die Daimler-Nobelmarke Mercedes-Benz steigerte ihren Absatz dank mehrerer neuer Modelle um knapp 14 Prozent. Der Münchner Rivale BMW legte um 6,4 Prozent zu. Marktführer Volkswagen verbesserte sich um 5,8 Prozent und festigte seine Stellung, wobei diesmal vor allem die Töchter Seat und Skoda mit zweistelligen Zuwachsraten glänzten.

Peugeot verliert

Dagegen verlor Peugeot mit einem Minus von drei Prozent weiter an Boden zur Konkurrenz. Damit dürfte der Druck auf den angeschlagenen französischen Autobauer zunehmen, weitere Partner zu finden, um sein Überleben zu sichern. Bereits in der kommende Woche könnte der Aufsichtsrat den Weg für eine Kapitalerhöhung frei machen, über die sich Insidern zufolge der französische Staat und der staatliche chinesische Autobauer Dongfeng an Peugeot beteiligen wollen.

Fiat leidet

Auch für Fiat zeichnet sich ein Ende des Leidens noch nicht ab: Die Verkäufe schrumpften im September um 3,4 Prozent. Damit verschieben sich die Gewichte in der Automobilindustrie. „Die südeuropäischen Hersteller verlieren in einem stark schrumpfenden Markt Marktanteile, während der Absatz der deutschen Konzerne trotz Krise einigermaßen stabil bleibt“, erläutert Fuß. Europa bleibe vorerst eine Krisenregion – Werksschließungen und Personalabbau blieben auf der Tagesordnung.

Krise seit fünf Jahren

Der europäische Automarkt befindet sich seit fünf Jahren in der Krise, für 2013 rechnen Experten mit dem geringsten Absatz seit 20 Jahren. Die Hersteller hoffen seit Monaten inständig auf eine Erholung, doch bisher wurden erste Hoffnungsschimmer wieder zunichtegemacht. So schrumpften im Sommermonat August die Zulassungen um fünf Prozent, nachdem sie im Juli um den gleichen Prozentsatz gestiegen waren.

 

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