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Im Gespräch über den neuen Ford Focus RS

Treffen sich ein Deutscher und ein Schweizer und tauschen sich über den neuen Ford Focus RS aus. Klingt nach einem Witz, ist aber ein informatives Expertengespräch.

08.02.2016 radical mag

Der Fabian und der Peter waren bei bei der Fahrpräsentation des neuen Ford Focus RS in und um Valencia. Nicht zeitgleich, aber zeitnah. Da bietet es sich doch quasi an, dass sie sich ein wenig über ihre Erfahrungen und Eindrücke unterhalten.

Der Hauptdarsteller: der neue Ford Focus RS

Aber vielleicht zuerst ein paar Worte, um was es überhaupt geht: Ford Focus RS, das hatten wir schon erwähnt. 2,3-Liter-EcoBoost-Vierzylinder, die gleiche Maschine wie im Mustang, aber halt 350 statt nur 310 PS. Und 440 Nm maximales Drehmoment, schon ganz tief im Keller. Er will in 4,7 Sekunden auf 100 km/h sprinten und 266 km/h schnell sein, maximal. Und doch im Schnitt nur 7,4 Liter verbrauchen. Geschaltet wird manuell über 6 Gänge.

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Über das Driften

Peter: Und, hast Du es geschafft, das Drift-Zeugs? Zwei saubere Runden in beide Richtungen? Also ich kann das nicht. Und ich seh auch nicht so ganz ein, weshalb es sowas braucht.

Fabian: Ach, das mit dem Kreisel, das ging schon gut. Du musst ihn halt einmal würgen und aus dem Ruder laufen lassen, dann geht das mit den guten altbekannten Reflexen auch wieder. Auf dem Track brauchst das jetzt nicht, weil da ist er auf den Michelin-Cup2-Pneus einfach zu griffig. Da wärste blöd, wenn du ihn quer holst. Es sei denn, du musst die Mädels an der Boxenmauer beeindrucken.

Peter: Hatte bei uns keine… – mir hat der Track-Mode eh am besten gefallen, auch auf der Straße.

Fabian: Ja, dito. Wobei: die Dämpfer müssten jetzt nicht hart sein. Aber das kann man ja zum Glück wegklicken.

Peter: Die Normal-Stellung kannste eh rauchen. Die braucht es am Morgen, um die Nachbarn nicht zu erschrecken, sonst ist das gar nichts.

Fabian: Wobei laut «Mode-Übersicht» der Trackmode mit weichen Dämpfern eh bloß der Sportmodus ist. Der Entwickler sagte zwar, dass der Allrad anders verteilt, die Datenkarte sagt aber was anderes. Ja, der Normal-Modus ist komplett dämlich. Wie damals bei den ersten Alfa Mito, die sich immer wieder selbst in Normal geschaltet haben, nach dem Neustart. Da dachtest dann immer, dass jemand über Nacht den Turbo demontiert hat…

Übers digitale beim Focus RS

Peter: Aber anscheinend braucht es diese Spielereien. Hauptsache, man kann ein paar Knöpfchen drücken.

Fabian: Das ist schon unglaublich gut. Einfach so. Und gerade dabei finde ich, dass das nicht so digital ist. Er macht das so, wie man das von einem fein austarierten Sportler erwarten würde. Nur eben ohne die Nebenwirkungen, die Bissigkeit, den fiesen Gegenpendler.

Peter: Ich weiß jetzt halt nicht, von wegen digital: die 350 PS bringt man ja nur noch elektronisch auf die Straße.

Fabian: Wieso? ESP aus, Sport-Modus, da reguliert er nix mehr weg. Von der Leistung zumindest. Was er dann mit dem Drehmoment pro Rad macht, ja, mei – aber es funktioniert halt. Sehr gut sogar!

Peter: Andere Generation, sag ich doch.

Fabian: Pfff.

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© Bild: Werk

Über das Äußere

Fabian: Wie hat Dir das Ding denn gefallen, als es so da stand, am Flughafen?

Peter: Da sah ich halt ganz viele Autos. Die wirken dann nicht besonders. Und alle wollten einen blauen.

Fabian: Klar, am Schlüsselschalter alle ausbremsen und den Blauen von der Poleposition erwischt!

Peter: Ich find das Blau zu, äh, grob. Das wird Dir doch nach 15 Minuten langweilig.

Fabian: Gut, aber beim Alten kosten die Grünen heute auch gleich ein paar Tausender mehr als die tristen Zeugs. Und dieses Grundierungsgrau ist doch auch eher nix.

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© Bild: Werk

Über Sitze und Lüftungsdüsen

Peter: Das Zeug zu einem zukünftigen Klassiker hat er eh nicht, dafür wird es viel zu viele geben auf der Gasse.

Fabian: Ich fand halt die Sitze stramm, also das Seriengestühl, das ging schon an die Nieren. Ein Zeichen, dass ich tatsächlich mal ein bisserl Sport machen sollte?

Peter: Die Sitze find ich absolut ok. Auch die Schale. Und ich bin ja nun definitiv der mit dem Sport… – ne, das passt schon.

Fabian: Ja, die Schale finde ich auch top, gerade weil sie gefühlt etwas mehr Luft hat als dieses aufgeplusterte Ding mit den bunten Nähten!

Peter: Aber eigentlich ist er doch innen ganz nett – also, für den Preis.

Fabian: Mhmm, ich weiß nicht. Ich finde gerade die Lüftungsdüsen eine Katastrophe. Oder muss man das mit einem Fäustling bedienen können?

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© Bild: Werk

Über Schaltung und Sound

Peter: Das hab ich jetzt gar nicht bemerkt. liegt wohl daran, dass ich die Lüftungsdinger in den neuen Mercedes so grauenhaft finde, dass mir alles andere elegant erscheint daneben. Was mich aber nicht nur optisch gestört hat: der zu lange Schalthebel. Der dann auch einen zu langen Schaltweg verursacht. Im Vergleich mit dem Civic Type R, und der ist ja schon ein bisschen ein Konkurrent, hat da der Ford schon noch Luft nach oben.

Fabian: Das stimmt, das war im Alten auch etwas kürzer. Aber: Weltauto, wir haben vielleicht einfach die falschen Arme?

Peter: Andererseits: immerhin manuell. Und wir sollten jetzt da auch nicht jammern, sonst schaffen sie das gleich ab.

Fabian: Ansonsten ist die Schalterei aber okay. Getriebe ist fein übersetzt – wobei, bei dem Motor brauchst eh kaum schalten.

Peter: Yup, der Motor ist sehr anständig.

Fabian: Das sollten wir ohnehin anmerken: nur manuell! Vor lauter Driftschaum vorm Mund hat das noch gar niemand rausgekehrt. Vor allem: die ganze Drift-, Launch-Control und Chassis-Flipperei ohne einen Automaten, das ist schon sehr sehr lässig. Was sagst‘ zum Ton?

Peter: Für einen Vierzylinder-Turbo ist der Sound cool. Schön tief. Und die Popcorn-Maschine, wenn man vom Gas geht, das ist edel. Aber auch da: es ist alles klinisch. digital. Für mich ist das irgendwie ein Generationen-Problem. Auch das Driftzeugs, ich wurde halt noch so erzogen, dass Driften langsamer macht, man das vermeiden sollte, besser eine saubere Linie fährt. Ich lenk halt immer schon gegen, bevor das System reagiert. Und dann ist die ganze Reglerei fürn A****.

Digitaler Motorsound

Fabian: Zum Ton: sie haben sich da schon sehr Mühe gegeben. Das war ja wohl ein ganz schnelles «last minute»-Ding.

Peter: Was weißt Du über «last minute»?

Fabian: Der Chef wollte das so nicht abnehmen und sie mussten das Auspuffrotzen dann in ein paar Wochen reinfummeln.

Peter: Cooler hardcore-Chef…

Fabian: Die Auspuffjungs konnten die ganze Anlage wegwerfen und die Softwarejungs mussten weite Teile der Motorsteuerung neu schreiben. Und dann sind ihnen im Test gleich ein paar Kats durch die verursachten Vibrationen durch die Endrohre gebröselt. Was aber geil ist: es patscht nicht immer gleich.

Peter: Ist mir auch aufgefallen.

Fabian: Sie haben quasi zu jeder Situation gleich eine handvoll Patscher abgelegt, die dann nach dem Zufallsprinzip rausgehauen werden. Damit’s eben nicht zu langweilig und digital ist.

Peter: Digital gegen die digitale Langweile?

Fabian: Allein deshalb muss man es mögen. Außerdem kannste es eh wegklicken!

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© Bild: Werk

Quer aus dem Kreisverkehr

Peter: Sind das nicht immer alles Kompromisse dann? Andererseits: Jammern auf sehr hohem Niveau. Ich will gerne zugeben, dass ich ihn schon sehr scharf finde. Vor allem für die Kohle.

Fabian: Mir ist es halt noch nie passiert, dass ich ganz normal quer aus jedem Kreisverkehr ausbiege.

Peter: Böser Bub. Und der Polizist?

Fabian: Der hatte Siesta. Zumindest habe ich keinen gesehen.

Peter: Siesta in der Sierra beim Scorpio?

Fabian: Sierra 3-Türer dann, Fließheck – womit wir beim Thema wären: RS Turnier. Ich will so ein Ding. DAS wäre es. Und: sie haben schon gefummelt. Tyrone meinte: die Hinterachse passt so leicht nicht, da ist schon viel anders. Er wurde dann leicht verlegen, als ich meinte, dass er es nicht wüsste, wenn er nicht schon gefummelt hätte!

Preis des Ford Focus RS

Das Beste an diesem Wagen haben wir schon erwähnt und uns für den Schluss aufgespart: Der Preis ist wirklich heiß. In Österreich ist er ab 46.950 Euro, in der Schweiz ist er ab 48.900 Franken zu haben, in Deutschland ab 40.000 Euro. Die ersten Fahrzeuge sollten jetzt bereits bei den Händlern stehen.

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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