1/18
 

Porsche 911 GT3 Cup: 4.0 Liter! Sauger! Handgeschaltet!

Ein Rundgang mit geöffneten Augen auf dem Autosalon Paris 2016, und da steht er, der Porsche 911 GT3 Cup. Aber eigentlich ist es ganz einfach der nächste GT3. Feinste Technik.

03.10.2016 radical mag

Stell’ Dir vor: der neue GT3 ist da – und keiner bekommt es mit. Was unglaublich klingt, ist in Paris dieser Tage passiert. Denn wo die ganze Weltöffentlichkeit von ID, EQ, Amperä und der Rettung der Automobils im Allgemeinen spricht, musste man wohl auch bei Porsche kräftig ins Nachhaltigkeitshorn stoßen. Deshalb gehörte die große Bühne dem Panamera e-Hybrid. Ein bisschen elektrischer, ein bisschen stärker, ein bisschen sparsamer, ein bisschen infotainmender – was zu erwarten war.

Der neue Porsche 911 GT3 Cup, unterm Tisch

Spannender indes: abseits im Schatten des Messestandes parkte der neue 911 GT3 Cup. Immerhin das meistverkaufte Motorsport-Fahrzeug aller Zeiten. 3.031 Stück haben sie seit 1998 ausgeliefert, notierte die Pressemitteilung, in der der Rennwagen immerhin einen eigenen Absatz für sich beanspruchen durfte, während er in der Pressekonferenz des neuen Chefs Blume komplett unter den Tisch fiel. Warum seine Präsentation aber so wichtig ist? Weil es ganz normal der neue Straßen-GT3 ist.

porsche-991-mk2-gt3-cup-5

Die frohe Kunde

Und die frohe Kunde ist nicht, dass wir schon ein paar Tage früher das neue Design des Serienautos sehen dürfen, der die montierten Stoßfänger des 911 Cup unverändert übernehmen wird, nein: es ist der Antrieb.

4.0 Liter. Sauger. Handgeschaltet.

Also all’ das, wo beim 911R aktuell je nach Spezifikation bis zu einer dreiviertel Million Euro gezahlt wird. Nur wird der GT3 eben für jeden zu kaufen sein und nicht bloß an handverlesenes Wunschpublikum.

porsche-991-mk2-gt3-cup-13

Wunderbare Daten

Die technischen Daten lesen sich derweil feinst. 3.996 Kubikzentimeter Hubraum, erspielt aus 102mm Bohrung und 81.5mm Hub. Bekannt von den mächtigen Brüdern, doch: mehr Drehmoment. 480 Nm weist das Datenblatt für den 911 Cup aus, das sind immerhin 20 Nm mehr als bei GT3 RS und 911R. Die Spitzenleistung ist derweil auf 485 PS gesunken, irgendeinen Kompromiss muss es beim Nockenprofil trotz ein- wie auslassseitiger Verstellmöglichkeit schließlich geben.

Ein weiterer Grund

Erklärbar ist das sicher auch mit dem Drehzahlniveau. 8.500 Touren sind es, die der neue Motor drehen darf, die Spitzenleistung wird gar schon bei 7.500 Umdrehungen erreicht. Zur Erinnerung: der alte 4.0er durfte 8.800-mal pro Minute und gipfelte bei 8.250, ebenda auch der kleine 3.8er aus dem Standard-Straßen-GT3, der allerdings dank des kleineren Hubs die magische 9.000er-Marke feiern durfte.

porsche-991-mk2-gt3-cup-16

Der stabilste und reibungsärmste Wasserboxer

Ein möglicher Schlüssel abseits eines anderen Nockenprofils durfte eine massive Verbesserung der Reibleistung sein. Im Ventiltrieb finden sich erstmals seit sehr langer Zeit wieder starre Schlepphebel. Diese sind dazu noch DLC-beschichtet, was sich mit «diamantgleichem Kohlenstoff» übersetzen lässt und nicht nur unfassbar glatt, sondern ebenso widerstandsfähig ist. Dazu kommt ein neues Verfahren der Laufbahnbeschichtung des Aluminiumblocks. Man vertraut erstmals bei den GT3-Motoren auf ein neues PTWA-Verfahren, das zur Gattung des thermischen Plasmaspritzens gehört: RSW, also «rotating single wire», bei dem ein rotierender Draht unter der Hitzeeinwirkung eines Gasplasmas verflüssigt wird und unter Druck auf die Zylinderwand gespritzt wird. Wer hier jetzt nicht mehr genau folgen konnte, dem sei gesagt: es ist der stabilste und dabei reibungsärmste Wasserboxer, der je die Werkshallen in Zuffenhausen verlassen hat.

Weitere Neuerungen

Neu außerdem ist die Kurbelwelle mit zentraler Öleinspeisung, eine Zentrifuge zur besseren Entschäumung und damit weniger Panschverlusten im Kurbelgehäuse, eine optimierte Ölabsaugung in den Köpfen und eine mechanische Druckregelung der Ölpumpe.

Die wichtigsten Faken

Ach ja, die wunderbar breite Vorderachse des GT3 RS bekommt übrigens tatsächlich nur der Cup-Renner. Die Straßenversion bleibt bei der bekannten 1.551mm breiten Spurweite vorne. Doch das macht gar nichts, schließlich wiederholen wir die wichtigsten Fakten der wichtigsten Neuvorstellung in Paris gerne noch einmal: 4.0 Liter. Sauger. Handgeschaltet.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

pixel