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Lamborghini Huracan RWD Spyder und die Sache mit Audi

Es geht hier nicht nur um den Lamborghini Huracan RWD Spyder und die Vereinfachung seines Namens, sondern fast noch mehr um Audi.

19.11.2016 radical mag

So richtig wild ist das nun auch wieder nicht, dass Lamborghini auf der Los Angeles Auto Show den nur heckgetriebenen Huracan Spyder vorgestellt hat; es war zu erwarten. Und doch fallen ein paar Sachen auf. Da wäre zum Beispiel die Benamsung: nichts ist mehr mit LP580-2, es heißt jetzt simpel RWD. Und dann die Tatsache, dass der Hecktriebler mit 580 PS auskommen muss – die 610-PS-Variante bleibt dem 4×4 und dem Audi R8 plus, den es ja seit kurzem ebenfalls offen gibt, vorbehalten. Wobei: es würde uns mangels neuer Modelle aus Sant’Agata nicht weiter wundern, wenn es da dann auch für den RWD noch Zuwachs geben würde. Einfach noch dies, für den Kenner und Liebhaber: 5,2-Liter-V10 freisaugend, 580 PS, 540 Nm maximales Drehmoment bei 6.500/min, 1.509 Kilo leer, in 3,6 Sekunden auf 100 km/h, auch offen 319 km/h schnell. Der Lamborghini Huracan RWD Spyder steht ab Jänner 2017 im Verkauf.

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© Bild: Werk

Veränderungen bei Lamborghini

Doch man darf sich in diesem Zusammenhang schon auch noch ein, zwei Gedanken zu Lamborghini machen. Denn Sant’Agata ist sehr heftig betroffen von #wastegate, dem sich immer noch ausweitenden Abgasskandal im VW-Konzern. Nicht direkt, selbstverständlich, aber die Probleme von Audi, die immer dramatischer werden, schlagen natürlich auch in der Emilia-Romagna ein. Zwar soll beschlossen gewesen sein, dass Lamborghini einen sportlichen Bruder des unsäglichen Bentley Bentayga auf Basis des Audi Q7 bauen wird, aber dieses schon sehr weit fortgeschrittene Projekt soll nun auf der Kippe stehen. Unter dem neuen Chef Stefano Domenicali weht auch ein deutlich rauerer Wind durch das Werk, die Stimmung soll so richtig prächtig nicht sein – und man hört auch, dass Audi den Ressourcenfluss nach Italien eingeschränkt hat. Vielleicht wird der Italiener Domenicali in Ingolstadt/Wolfsburg auch nicht ganz so gut verstanden wie sein Vorgänger, der unterdessen bei Audi aufgeschlagene Deutsche Winkelmann.

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© Bild: Werk

Anekdoten und Gerüchte

Dass Audi ganz andere Baustellen hat als den Selbstläufer Lamborghini, hat sich in den vergangenen Tagen immer mehr verdeutlicht. Die Vorwürfe aus den USA sind happig – und sollte sich bewahrheiten, dass Audi auch nach dem Big-Bang im vergangenen Jahr noch Autos mit zumindest fragwürdiger Software ausgeliefert hat, dann wird es – zu Recht – sehr, sehr bitter. Und richtig teuer. Die Gerüchte, dass Audi-Chef Rupert Stadler allein schon deshalb nicht mehr haltbar sei, werden immer lauter; es soll auch bereits ein Nachfolger in den Startlöchern stehen, der noch amtierende Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Wie sehr Audi der Sinn für die Realität abhandengekommen scheint, zeigt auch folgende Anekdote. Es sollte die internationale Pressevorstellung des neuen Audi Q5 in diesen Tagen in Malibu, Kalifornien stattfinden – nach dem alten Prinzip, dass, wer nicht so viel zu berichten hat, die Journalisten möglichst weit anreisen lässt. Nun haben die amerikanischen Behörden aber gesagt: nix da. Zuerst wollen wir genau wissen, was da an Software und Abgasen und überhaupt in diesen Fahrzeugen drin ist, vorher gibt es keine Freigabe. Das ist so ein bisschen wie ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Ingolstadt. Und so musste Audi die Präsentation sehr kurzfristig nach Mexiko verlagern. Nein, das hat eigentlich alles nichts mit dem Lamborghini Huracan RWD Spyder zu tun – oder vielleicht doch so ein bisschen?

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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