mv agusta f4 tokyo motorcycle show 2013
Das Hinterteil der MV Agusta F4. Die Rivale 800 kommt im September.
 

MV Agusta mit ehrgeizigen Zielen

Die Italiener wollen verstärkt auf den ausländischen Märkten mitmischen. Derzeit wird über den Börsengang nachgedacht und neue Modelle rollen an.

19.07.2013 APA

Der italienische Automobilmarkt – ähnlich wie der westeuropäische Markt – stagniert, der Absatz von Motorrädern ist von diesem Umstand nicht ausgeschlossen. Dennoch hat es der Motorradhersteller MV Agusta geschafft seinen Umsatz, im Vergleich zu 2011, zu verdoppeln. Die Italiener wollen auf dem Heimmarkt, mit ihren Marken MV Agusta und Cagiva, bis Ende 2015 die Produktion von 8.500 auf 12.000 Einheiten erhöhen.

Hochleistungsmotorräder für mittlere bis gehobene Käuferschicht

Ziel ist danach, die Schwelle von 15.000 Motorrädern zu erreichen. Das Unternehmen will in der Marktnische der Hochleistungsmotorräder für eine mittlere bis gehobene Käuferschicht wachsen und seine internationale Expansion forcieren. Dabei steht auch Österreich im Visier.

Künftig verstärkt im Ausland tätig

„Obwohl wir bereits 74 Prozent unserer Produktion exportieren, wollen wir im Ausland weiter wachsen. Unser Ziel ist, vor allem unser Vertriebsnetz auszubauen. Österreich und Deutschland zusammen sind unser zweitstärkster Markt und wir sehen dort großes Wachstumspotenzial. Auch in den USA und in Großbritannien wollen wir weiter expandieren. Zurzeit liegt unsere Stärke jedoch noch in Italien. Hier kontrollieren wir einen 12-prozentigen Marktanteil“, berichtet Präsident Giovanni Castiglioni im Gespräch mit der APA. Der 33-Jährige hat von seinem vor zwei Jahren verstorbenen Vater, Firmengründer Claudio Castiglioni, das Unternehmen übernommen.

Umsatzwachstum in schwierigen Zeiten

Trotz der Rezession auf dem Heimmarkt Italien, wo die Motorradbranche wegen der schweren Rezession einen 25-prozentigen Umsatzeinbruch meldete, konnte MV Agusta im vergangenen Jahr einen Umsatz von 70 Mio. Euro verzeichnen, das bedeutet ein Plus von 50 Prozent gegenüber 2011. Damit steht die Marke aus Varese auf einem der vordersten Plätze innerhalb des Panoramas italienischer Motorradhersteller. In diesem Jahr ist mit weiterem Wachstum zu rechnen. Bis 2015 sollte der Umsatz auf voraussichtlich 120 Mio. Euro steigen, was sich auch positiv auf die Beschäftigung auswirken würde. Weitere 30 Personen werden demnächst angestellt, womit die Zahl der Mitarbeiter auf 240 steigt.

Börsengang möglich

Um das Wachstum voranzutreiben, denkt das Unternehmen an den Börsengang. „Das ist eine Möglichkeit, die wir zurzeit überprüfen. Wir würden als Familie aber die Kontrollmehrheit an der Firma behalten.“

Hilfe von einem erfahrenen Manager

Mit den Einnahmen wären wir dann in der Lage, die weitere Expansion von MV Agusta selbst zu finanzieren“, meint Castiglioni. Vor wenigen Wochen hat der Firmenpräsident den Manager Giorgio Girelli zum Executive Vice President des Konzerns ernannt. Girelli, der von 2000 bis 2012 als Präsident die Banca Generali geführt und im Jahr 2006 deren Börsengang vorbereitet hatte, könnte jetzt auch bei MV Agusta die Weichen für den Börsengang stellen. „Der Eintritt von Giorgio Girelli in den Aufsichtsrat von MV Agusta ist der Beginn eines auf weiteres Wachstum ausgerichteten Prozesses, vor allem in Bezug auf die ausländischen Märkte mit deren hohem Potential“, meint Castiglioni.

MV Agusta expandiert

Das Unternehmen will mit einer Erweiterung der Produktpalette wachsen. Im September rollt die neu gestylte MV Agusta Rivale 800 an. Das von einem 800er Dreizylinder angetriebenen Naked Bike basiert auf dem modern designten Mittelklasse-Modell Brutale. Das Modell F3 675 soll zum neuen Marktführer in der Kategorie Supersport aufrücken.

Husqvarna soll künftig nach Mattighofen

Zu den Firmenmarken des MV Agusta-Konzerns gehörte bis 2006 auch die schwedische Marke Husqvarna, die die Familie Castiglioni vor sechs Jahren an BMW verkauft hat. Der Chef des oberösterreichischen Motorradherstellers KTM, Stefan Pierer, hatte im Jänner über seine Pierer Industrie AG Husqvarna zu 100 Prozent von der BMW Group übernommen. Pierer will die Husqvarna Produktion nach Mattighofen verlegen, 212 der 240 Husqvarna-Mitarbeiter in Cassinetta di Biandronno bei Mailand sind bereits auf Kurzarbeit gestellt worden. In Biandronno soll lediglich ein Ersatzteillager bleiben. Die Gewerkschaften kämpfen gegen die Schließung des Werks. „Husqvarna ist eine solide Marke. Wir hätten sie gern von BMW wiedergekauft, doch Pierer ist uns zuvorgekommen“, sagt Castiglioni.

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