Modularer Querbaukasten
 

Alles im Kasten

Wie Volkswagen Prozesse vereinfacht, Kosten spart und die Modellpalette entwirrt (war auch Zeit).

07.03.2012 Autorevue Magazin

Volkswagen kann kaum noch gehen vor lauter groß. Das betrifft einerseits die reine Dimension des Konzerns, andererseits auch die Modellpalette. Man denke: An mehr als 90 Produktionsstandorten werden von 448.000 Mitarbeitern 220 verschiedene Modelle produziert.

Baukästen und markenübergreifende Verwendungen haben bei VW, und nicht nur da, mittlerweile ihren fixen Platz. Aber der Modulare Querbaukasten (MQB) geht deutlich weiter als alle bisherigen Strategien. Querbaukasten deswegen, weil er in allen Konzernmodellen mit quer eingebautem Motor Verwendung finden wird, das betrifft zum Beispiel bei VW Autos vom Polo bis zum Passat und Sharan. Der Längsbaukasten betrifft die größeren Audis, der Sportbaukasten vor allem Porsches. Das erste Auto mit MQB wird der Audi A3 sein, außerdem der technisch baugleiche Golf, beide kommen, wenn die Äpfel süß sind.

Der MQB ist nun keine einfache Bodengruppe, sondern ein komplettes Konzept zur Standardisierung von Komponenten und Fertigungsprozessen. Viele Gleichteile über die Modellpalette hinweg senken Kosten und helfen dem Konzern beim Geldverdienen (oder, wie die offizielle Version lautet: „So werden nachhaltige Technologien auch für die Neuwagenkäufer in den Schwellenländern erschwinglich.“)

Wichtige Konstante im MQB ist der Abstand von der Pedalerie zur Mitte der Vorderräder bei deren gleichzeitiger Vorverlegung um 40 Millimeter. Dieser Abstand wird, wie auch andere Maße, immer gleich sein. Andere Größen wie Radstände, Spurbreiten oder Rädergrößen sind variabel. Theoretisch können alle Modelle, die auf dem MQB basieren, auf der gleichen Fertigungslinie gebaut werden. Auch Modelle unterschiedlicher Marken.

Eine wichtige Rolle spielt auch die vereinheitlichte Lage der Otto- und Dieselmotoren mit der Ansaugseite vorne und der Abgasanlage hinten. Auch der Einbau alternativer Antriebskomponenten (Erdgas, Hybrid, Elektro) ist berücksichtigt und mit wenig Anpassung möglich. Die einheitliche Einbaulage erlaubt erstmals ein einheitliches Motor-Getriebe-Flanschbild und damit die Nutzung gleicher Getriebe für alle Motorenfamilien in jeder Drehmomentklasse. In die MQB-Strategie wurde auch gleich die Entwicklung neuer Benzin- und Dieselmotoren integriert, darunter auf der Ottoseite Vierzylinder mit Zylinderabschaltung.

Im Zusammengehen mit MQB-basiertem Leichtbau erwartet sich VW durchgreifende Flottenverbrauchssenkungen. Und was die Vereinfachung der Produk­tion betrifft: Die Motor-Getriebe-Varianten werden um fast 90 Prozent reduziert.
In der neuen, vereinheitlichten MQB-Welt werden auch Assistenz- und Sicherheitssysteme in Autos der Kompaktklasse einsickern, etwa der Spurhalteassi oder die Verkehrszeichenerkennung und ganz neu die elektronisch geregelte Vorderachsquersperre oder eine Progressiv­lenkung. Und freilich wird auch das Infotainment erfasst. Massives Gleichteile­verwenden wird hier noch einiges an Demokratisierung sehen lassen.

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