Mitsubishi Pajero Rallye Offroad Generation Drivestyle Gebrauchtwagen
Der Schnorchel, also die Höher­legung der Luft­ansaugung, wurde in den Überrollkäig integriert.
 

Hoch die Wand

Wo kann man besser fahren lernen als im Grenzbereich? Nirgends. Deswegen tat Thomas Bieber (17) genau das. Fahrschule eines Allrad-Aficionados.

29.01.2013 Online Redaktion

Dem Erfinder des Kabelbinders sollte ein Denkmal gebaut werden. Gleich neben der ­Statue, die den Entwickler von Duct-Tape ehren sollte. Wer sein Auto nicht mit Kabelbinder oder Duct-Tape reparieren kann, der benutzt zu wenig davon. Thomas Bieber würde zu diesen Ehrenplätzen pilgern. Irgendwo in Rumänien steckte im vergangenen Jahr sein ­Mitsubishi Pajero in einem Wasserloch. Ernst, sein Vater und Rallye-Beifahrer, sagte: Gas geben. Ein Baumstamm machte sich im Wasser unsichtbar. Die Motoraufhängung riss, das Getriebe blieb zwar am Auto, aber nicht an der Stelle, die dafür vorgesehen war. Thomas und Ernst fixierten alles mit Gurten und ­Kabelbinder und fuhren die Rallye fertig.

Thomas war damals erst 16 Jahre alt und hatte noch nicht einmal einen Führerschein, den gab es erst vor drei Monaten. Die Rallyeveranstalter ­interessierte das nicht.
Seit zwei Jahren macht ­Thomas eine Lehre als Mecha­troniker. Damals begann auch das Projekt Mitsubishi Pajero. Es war ein Geschenk von Vater Ernst. Geschenk und Bürde. Denn zu diesem Zeitpunkt war das Auto ein Totalschaden. Ernst hatte das Auto auf einer Rallye umgeworfen.

250 Arbeitsstunden brauchte es, um einen Überrollkäfig zu bauen und zu montieren. Es folgte ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse, das über Druckluft bedient wird. Eine Seilwinde. Australische Zusatzscheinwerfer auf dem Dach. Neue Sitze. Nichts davon ein Poser-Tool, alles ernst gemeinte Rallyewaffen. Nur die Lkw-Hupe, die auch mit Druckluft funktioniert, die ist ein Gadget. Seitdem steht niemand mehr im Weg.

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Derart ausgerüstet gingen Team Sohn und Vater zur One Trophy, zur Superkarpata und zur Transilvania – drei Hardcore-Geländerennen im schlammigen Nirgendwo ­Rumäniens. Platz neun, zwölf und zwei sprangen dabei heraus.

Sein erstes echtes Auto fuhr Thomas im Alter von zehn ­Jahren – einen Jeep Grand Cherokee hetzte er durch ein kleines Wasserloch. So wird bei Kindern Allradbegeisterung geweckt. Und der heimische Garten ist groß. Groß ­genug für solche Spieltriebe. Hinter dem kleinen Teich gibt es noch eine eigene Motocross-Strecke. Die Nachbarn sind geduldig. Außerdem wohnt Thomas an der Hohen Wand. Im Winter fährt man einen Allradler … oder gar nicht.

Ursprünglich sollte es ein Subaru Impreza werden. Zwei seiner Freunde haben einen WRX STI. Aber dafür hat das Geld nicht gereicht. Im zivilen Leben, also abseits des Absei­tigen, fährt Thomas einen ­Mitsubishi Galant, der aber verkauft werden soll. 181.000 Kilometer. 2500 Euro. Interessenten bitte melden – vom Geld will sich Thomas noch einen Offroader holen.

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