Mitsubishi IMiev Sonderedition
Wir unterteilen die Welt nicht in häßlich oder schön. Zu banal.
 

Mitsubishi i-MiEV – Schau nicht so dumm, komm mit

Die Welt soll staunen, unseren Auftritt bewundern. Wir kreieren keinen Stil, wir erfinden das Wort komplett neu.

08.05.2011 Online Redaktion

Zäh, klebrig, unschön und geschmacklos wie ein ausgelutschter Kaugummi zog sich dieser Tag. Man wollte gar nicht mit ihm in Kontakt kommen, am Ende könnte etwas davon an einem hängenbleiben. Bäh, wer will das schon? Die Zeit mäanderte durch das triste und graue Wien. Eine Stadt im Würgegriff der Kälte des frühen Frühlings, in dem sich die gleichnamigen Gefühle noch im Winterschlaf befinden, noch keine Blumen blühen und die Bäume kahl sind. Hier und da nieselte es. In der Hölle, so überspitzt man leise in sich hinein, wäre es wenigstens warm.

Das kann so nicht weitergehen. „Darf ich Ausschnitt zeigen?“ Der erste Satz eines Anrufs, dessen direkte Folgen diesem Tag endlich das ersehnte Flair verleihen würden. Aber nicht nur mir. Der ganzen Stadt. Vor allem aber der Nische der Elektrofahrzeuge, die es ebenso bitter nötig hat wie dieser Tag. „Natürlich Baby.“

Baby, das ist Sybille Klement. Sängerin der Elektro-Trashband „Licking Lashes“. Einerseits. Dadurch andererseits, zumindest in Wien, Stilikone. Bekannt und angezogen wie ein, Vorsicht Floskelalarm, bunter Hund. Sie wird durch die Nacht chauffiert. Mit ihr am Beifahrersitz soll hier gelingen, woran Hollywood-Granden in Los Angeles scheiterten: der Welt beweisen, dass ein Elektroauto, selbst wenn es einen Namen wie MiEV trägt, geil ist.

Wir geleiten ein, mit Verlaub, ausgeflipptes Testimonial durch die Nacht, das eine Generation erreicht, die sich gar nicht oder noch nicht für Autos interessiert. Sybille und dieser, nun, spezielle MiEV sollen verhindern, dass die Gutmenschen und Tristessler – die sich sonst um Elektroautos scharen wie Fliegen um Stoffwechselprodukte – diesem Nachwuchs die Chance einer neuen, coolen Freiheit und Selbstdarstellung rauben.

Das mit dem Ausschnitt hatte sich dann doch erledigt. Das ursprünglich ­gewählte Kleid passte zu gut zur Hose, sorgte also für zu wenig Kontrast, und irgendwas war wegen der Korsage … ist ja auch egal.

Sybille steigt am Heldenplatz zu. Eine Grundsatzentscheidung. Bombastisch erstreckt sich die Hofburg ins kalte Schwarz, im Hintergrund leuchtet das Rathaus seine Wichtigkeit in den Himmel, und Fiaker warten hier auf Fahr­gäste. So wie wir. Nur eben auf einen ­bestimmten. Eine Szene, die geradezu nach mehr Witz schreit.

Touristen zittern sich durch den Abend. Deswegen lagen wir mit der Wahl dieses Ortes richtig. So ein Auto. Dazu ein Chauffeur. Und eine Frau, die berühmt sein muss, so wie sie aussieht. ­Augen weiten sich, Fotoapparate blitzen. So wird eine Geschichte nach Fernost ­exportiert. Erweiterung eines lokal ­beschränkten Seins. Und war das nicht die Idee? Eine Coolness-Lieferung. Der strenge Glaube an Grenzen und Entfernungen verschwimmt zur Banalität.
Sybille steigt zu, und es folgt ein Sprachkurs. „Extrem peinlich“, sei das Interieur. Wir sind perplex. Sagte gerade eine Frau, die in einem Lied Michael Knight (David Hasselhoff in Knight ­Rider) anschmachtet und sich mit wasweißich wie viel Zentimeter langen, ­perlenbesetzten Wimpern durch Wien chauffieren lässt, unser so was von oranger Sitzbezug sei peinlich?

Nein. Oberösterreichischer Jugendsprech. Das Wort peinlich bedeutet dort im richtigen Kontext so viel wie arg, unglaublich, geil. Hoffentlich setzt sich das auch in Wien durch. Wir wären gerüstet.

Wir kommen am Brut an. Gegenüber vom Karlsplatz. Hier feierten die Licking Lashes vor kurzem ihren bislang größten Auftritt. Ausverkauftes Haus bei der Gendercrash-Party. Optisch geht es darum, modische Geschmacklosigkeiten und Übertreibungen so lange zu kombinieren, bis ein neuer Stil entsteht. Was ja irgendwie auch das Grundkonzept unseres MiEV ist. Gut so. Denn die exaltierte Optik von Fahrzeug und Beifahrerin schreckt die sonst omnipräsente Exekutive ab. Dabei hätten wir einen Strafzettel verdient. Uns geht es einfach zu gut in diesem Auto, in dieser Stadt, für so einen Tag.

Wieder werden Kameras gezückt. Staunen. Fragen stellen traut sich niemand. Wir sind deswegen nicht böse oder enttäuscht. Ein Blick sagt mehr als tausend Worte, und irgendwie würde die Frage nach dem Preis ja auch unsere Mission gefährden.

Weiter geht es ins Marea Alta auf der Gumpendorferstraße. Eine Bar mit Konzertkeller. Wir treffen zufällig Martina Winkler – musikalisch weit gefächert, prinzipiell aber grenzgeniale Akkordeon-Spielerin bei Mika Vember, der Sterzinger Experience und Pop:sch. Sie findet unser Auto ebenfalls peinlich. Das freut uns. Ein bekannter DJ hört am Nachbartisch noch mit. Der Ruf des Elektroautos, unseres Elektroautos, wird sich wie ein Lauffeuer in der Szene verbreiten. Und das zu Recht.

Der MiEV und ich chauffieren Sybille und Martina ins Gartenbaukino zur Eröffnungsparty des Animationsfilmfestivals „Tricky Women“. Rund hundert Gäste, die draußen rauchen müssen, sehen uns während der Parkplatzsuche vorbeidefilieren. Blickt man durch die orange folier­­­­ten Scheiben, werden sie in eine ­zumindest uns wärmende Atmosphäre getaucht. Das neue Lichtspektrum wirkt, als wären wir auf einer Marsmission, bei der wir die Außerirdischen sind. So werden wir auch begutachtet. Sybille kommt gleich in ­Erklärungsnot. Was heißt Not? Sie gibt ja gerne und bereitwillig Auskunft. Wieder eine Szene geentert und für uns und den MiEV gewonnen.

Dass der Abend im Market endet, wo auch der Morgen beginnt, weil dort nämlich die Party „White Trash Bash“ stattfindet, war irgendwie abzusehen, und nähere Details sollen verschwiegen werden.

Langsam, so lässt uns das überschwängliche Feedback glauben, sollten wir daran denken, uns höheren Weihen zu widmen. Fashionweek. Mailand. Paris. Designpreise. Hollywood. George Clooney, dem grauen Möchtegern-Öko, ­würden wir zeigen, wie das wirklich geht. Das ­Leben ist zu kurz, um unbeachtet zu ­bleiben.

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