Mitsubishi iMiev Sondermodell
Der Cyberspace ist eine Märchenwelt...
 

Mitsubishi i-MiEV – Style My Pride!

Eine kleine Schöpfungsgeschichte.

06.05.2011 Autorevue Magazin

Wenn man das göttliche Schöpfungs-Urmanöver als referenzielle Zeitleiste an ein generelles Schaffen anlegt, also 7 Tage = 1 Welt, stehen wir bei der Neuerfindung unseres Fortkommens auf Strombasis derzeit ungefähr bei Montag, halb vier Uhr in der Früh. Die ganze Sache ist eben erst losgegangen.

So richtig groovy freilich lässt sich die Chose noch nicht an: Wir probieren hier die Zukunft, aber die E-Autos schauen immer noch aus wie ganz normale Autos. Man bedient sich hüllentechnisch aus Vorsicht auch noch in der Konsensabteilung der einfach gestrickten Kleinwagen und malt zur besseren Unterscheidbarkeit von Zukunft und Vergangenheit ein Kabel samt Stecker auf die Karosserie, was ungefähr so prickelnd ist wie das Foto eines pinkelnden Hundes, unter dem steht: pinkelnder Hund.

Mir persönlich gefällt, was der Mitsubishi i-Miev KANN: Seine Pi-mal-Daumen 100 Kilometer Reichweite, die beheizt mal weniger, im Windschatten hinter LKWs auch mal mehr ist. Seine geniale, ohrenschmeichlerische Geräuschlosigkeit, mit der er dahinrollt oder -pfitschi­pfeilt, je nachdem, wie herzhaft man Saft freilässt. Mir gefällt auch sein knappes 3,5-Meter-Maß, das sich gefällig in das dürftige Parkraumangebot der Stadt fügt. Und ich mag das gute Gefühl, an der Ampel zu stehen, einen Meter neben ­einem Kinderwagen mit einem paus­bäckigen Wonneproppen drin, und ich stinke ihn weder beim Halten noch beim Losfahren an.

Was mir nicht gefällt: Wie der Mitsubishi i-Miev AUSSIEHT. Nicht nur der i-Miev. Auch seine Brüder Citroën C-Zero und der auch bald anlandende Peugeot iOn. Ich will kein unterwürfig glubschäugiges ­Elektro-Ei fahren, über dessen Vorzüge ich mir den Mund fusselig reden muss, bis irgendjemand willens ist, Stromfahren vielleicht und unter Umständen cool zu finden. Ich will ein Stromauto, das für sich spricht. Ein Stromauto mit massivem Boah!-Effekt. Ein steiles Teil, das man mir am liebsten aus der Hand reißen und mit nach Hause nehmen möchte.

Geht das? Es geht. Wenn man Freunde hat, die verstehen, was gemeint ist mit: die Grenzen des Möglichen ausloten, ohne die Grenzen des Faktischen zu sprengen. „Was ein Auto nicht ist, kann man ihm anziehen“, sagt Johannes Ohlenschläger, ein junger Wiener Grafiker, der sich schon länger mit der Oberflächenausreizung von Fahrzeugen auseinandersetzt und sein Geld mit Grafikentwürfen für Computerspiele verdient. Der Cyberspace ist eine moderne Märchenwelt, wo die Idee von Leichtbau, Alternativ­antrieb und Style anderen, freieren Gesetzen gehorcht.

Auch schreckt sich dort niemand vor skelettöser Schrottbauweise und argen Mustern. In seiner Projektion wurde aus dem i-Miev ein fahrender Space-Fisch, der sofort in der Verfilmung von „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ mitspielen könnte. In seinem Parallel-Dasein wiegt er nur 99 Kilo, kostet in der Erhaltung bloß ein paar cardassianische Lek (für die zweitverwertbaren Deuterium-Brennstäbe) und parkt nächtens neben der eigenen Schlafstatt, um mit dem sanften Glimmen seiner Schuppen ein wohliges Nachtlicht abzugeben.

Zurück auf der Erde bringe ich Johannes’ Grafik-Entwürfe in eine der flinksten Folierwerkstätten des westlichen Kulturkreises, dessen Besitzer Rainer Ille ­(Adresse am Ende der Geschichte) ein begeisterungsfähiger Mensch ist, und lasse dem MiEV die zweite Haut überziehen.

Dann kommt der Innenraum dran, den ich auf eine Eingebung beim Anblick meines Badezimmerteppichs hin in den orangesten aller Orange-Zottelmonster-Stoffe hülle. Sechs Laufmeter gehen für Vordersitze und Rückbank drauf, ein Streifen wird fürs Lenkrad zurückbehalten, der neben einer erstaunlichen optischen Wirkung vor allem auf Zaungäste auch noch einen tieferen Sinn hat. Man heizt den i-Miev ja eher zurückhaltend. Wegen des Reichweitenverlustes, den das mit sich bringt. Und an kühlen Tagen in flauschweichen Plüsch zu greifen ist angenehmer, als kaltes Plastik zu fassen. Überhaupt kriegt das Innere etwas sehr Kuscheliges, jeder Sitzproband hat ein entspanntes ­Lächeln im Gesicht, was freilich auch mit der gemütserhellenden Wirkung der ­intensiven Farbgebung einhergeht.

Ein Thermosbehältnis für ein warmes Getränk muss noch mit an Bord, Grüntee passt übrigens am besten zur etwas grellen Seventies-Cyber-Atmosphäre, hab ich herausgefunden.

Bleibt noch, dem Mitsubishi i-Miev intelligenzmäßig etwas auf die Sprünge zu helfen, da sein Bordsystem außer Kilometer rauf- und runterzählen nicht viel kann. So ein iPad lässt sich per Saugnapf-Schwanenhals oder Gafferband prima an Windschutzscheibe oder Mittelkonsole befestigen (mir taugt die Klebestreifenlösung im selbst genähten Ambiente mehr, da trägt der Bildschirm nicht so affig auf), ein Navigationssystem ist schnell runtergeladen, im Stau erweisen sich dann E-Mail und Netzanbindung als nützlich. Und die gesamte Musik-Bibliothek hat man auch mit. „Boah! Echt Strom?“, hat grad einer im Vorbeigehen gesagt. Genau darauf wollte ich hinaus.

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