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Man könnte den Griff mit Driftwinkel-Skala ausstatten, so präzise lässt sich der Mini aushebeln. In direkter Relation lässt sich auch Davids breites Grinsen ablesen.
 

MINI Cooper S John Cooper Works Testbericht

Und wenn du denkst, es gibt nichts mehr, kommt neues Zubehör daher. Also rüstet man sich einen Top-Mini zurecht, den es noch gar nicht geben dürfte.

01.06.2009 Autorevue Magazin

Der serienmäßig stärkste Mini aller Zeiten wird eine Literleistung von 100 kW auf die Vorderräder bringen, also insgesamt 216 PS. Allerdings gilt das frühestens in einem halben Jahr, wenn der John Cooper Works GP vorgestellt und im Handel ist.

Bis dahin beschränkt man sich auf die fulminanten 192 PS des bisherigen Top-Mini, des bewährten Cooper S, kann sich aber auf dem Teilemarkt bereits alle anderen Talente der künftigen John-Cooper-Works-GP-Version einverleiben, bis hin zu Sportfahrwerk, Lackierung, Diffusor oder Heckspoiler (auch im nachträglichen Einbau. Man muss aber nicht.)

Schon mit den herkömmlichen 192 PS verfügt man über ein gewaltiges Leistungspotenzial, das sich völlig brauchbar über die Vorderräder abwickeln lässt dank Sperrdifferenzial und Regelelektronik DSC III. Der grundschnelle 1205-kg-Wagen hängt so leicht am Gas, dass selbst der personenwaagengroße Tacho kaum nachzukontrollieren ist, wobei sich der rote Zeiger ständig in Problemzonen versteigt.

Das extrasportliche Nachrüst-Fahrwerk macht ohnehin keinen Unterschied zwischen Schritttempo und Highspeed – man wird immer hart abgefertigt. (Auch finanziell: 1.425 Euro stehen in der Liste.) Was stört, sind hier so besonders unpassende Dämlichkeiten wie Start-Stopp-Automatik (leider Teil der Grundausstattung, und sie  muss immer wieder deaktiviert werden) oder der über das Gaspedal hinaufrutschende Bodenteppich.

Auch dass die tollen Sportsitze (€ 3.648,–) nach Vorklappen nicht mehr in die pedantisch einregulierte Position zurückfinden, ist ein lästiger Mangel. Der Dach-Heckspoiler (€ 745,–) mag eine wichtige Aufgabe erfüllen – dass er uns wegen seiner Fragilität die Fahrt in die Waschstraße versagt, ist ein arger Mangel im wirklichen Leben. (Zum Konzept eines schnellen Autos gehört auch die schnelle Reinigung.) Ähnlich lebensfern ist diese jahrmarktschrille Disko-Lichtorgel (€ 272,–) südlich des Drehzahlmessers, ein Verbrauchs- und Schaltanzeige-Potenziometer, mit dem offenbar so eine Art „Gutes Benehmen am Gaspedal“ eingefordert werden soll. Die Leuchtdioden, die beim geringstem Beschleunigungsversuch hell nach links und rechts auffächern und dann hysterisch zu blinken beginnen, sind bei Nacht so ein Ärgernis, dass man am liebsten stehen bleiben und den Zug nehmen würde. Schließlich, bis schwarzes Isolierband zur Hand ist, findet man eine Lenkposition, bei der man mittels Unterarm die Blendung verhindert. Seltsame Botschaft: Mini liefert das volle Spaßpotenzial, aber der Fahrer möge sich gefälligst zurücknehmen. Vielleicht gehört die dämpfende Fußmatte überm Pedal auch zu dieser Strategie.

Großer Vorteil gegenüber dem künftigen Original-Works:

All diese Unnötigkeiten lassen sich einzeln einsparen. Sonst: Reine Freude, reines Autofahren, Mini pur, jede Situation wirkt beherrschbar, und der Handbremshebel ist ein zuverlässiger Driftwinkel-Indikator auf losem Terrain. Lenkung, Sitze, Sechsgang-Schaltung, die phantastischen Bremsen, der kraftvolle Sound und das knochentrockene Fahrwerk verdichten das Minifahren zum Pakt mit Fahrbahn und Geschwindigkeit. Man ist stets wachsam, aufmerksam und kontrolliert, denn zum reinen Dahinrollen gibt es passenderes Gestühl. Auch das Einparken gerät zur gehobenen Disziplin, denn eine der brünierten 500-Euro-Felgen ist schnell zerkratzt. (Das Cut rechts vorne war schon, bitte!)

Der Beifahrer dankt für Schalensitz und Handgriff, die Fondpassagiere dafür, dass sie überhaupt mit dabei sein dürfen. Denn im künftigen Works gibt es hier nur noch Gewichtseinsparung, nicht einmal Sitzmulden.

Noch etwas Signifikantes, fast ein bisschen peinlich zu vermelden: Der Lookalike gefällt Mädchen und jungen Frauen besonders gut. Drehen sich danach um, kichern oder lächeln, je nach Reifegrad und Schulbildung. Vielleicht liegt es aber nur daran, dass sich Mini-Piloten immer den Hals so komisch ausrenken unter der Ampel – diese britische Art von weit vorgezogenem Dach haben Mini- mit Land-Rover-Fahrern gemeinsam zu meistern.

Mehr zum Thema
  • Steve McQueen

    Hallo,
    bin zufälligüber den Bericht des Mini vom Jahre 2009 gestossen:
    Was haben Sie denn überhaupt hier getestet – 192 PS konnte ich nirgends bei einem Mini Modell vorfinden? Warum wurde nicht der stärkste Mini (Works; 211 PS) erwähnt, den es zu dieser Zeit schon 3 Jahre (2006) auf dem Markt gab?

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