Mercedes-Benz Oldtimer Roadster 190 SL 230 SL Baureihe 107
 

Die sentimentalen Roadster

Ausflug in die Mercedes-Historie: 190 SL, 230 SL, Baureihe 107.

27.11.2012 Autorevue Magazin

Wirtschaftswunder unterwegs

Mercedes-Benz 190 SL – Der Limousinentyp W 120/W 121, umgangssprachlich als Ponton bezeichnet, war der erste Mercedes mit selbsttragender Karosserie. Davon abgeleitet wurde der Roadster 190 SL, ein Entwurf zwischen Schlichtheit und Glamour. Mit einem eigenständigen 1,9-Liter-Vierzylinder ausgerüstet, kam der 190 SL nie über 105 PS ­hinaus, was ihn kaum schneller als 170 km/h machte. Er sollte gegenüber dem zeitgleich erschienenen 300 SL ein Trostprogramm für minder Wohlhabende darstellen – fast 26.000 gebaute Exemplare gaben ihm Recht. Zu den berühmtesten 190-SL-Besitzern zählen Gina Lollobrigida, Toni Sailer, Alfred Hitchcock, Ringo Starr, Grace Kelly und die Frankfurter ­Nobelprostituierte Rosemarie Nitribitt, deren ­gewaltsamer Tod nie aufgeklärt worden ist.

Mercedes-Benz Oldtimer Roadster 190 SL 230 SL Baureihe 107

Ode an die Pagode

Mercedes-Benz 230 SL ff. – Bald als „Pagodendach“ bekannt, ersetzte der W 113 die W 198 SL-Klasse ab 1963 und wurde 1971 durch den Typ R107 SL abgelöst. Alle Modelle hatten den Reihensechszylinder mit Multi-Port-Benzineinspritzung, ein von den Dieselmotoren adaptiertes System. Die meisten frühen Modelle wurden als ­„Coupé/Roadster“ Konfiguration verkauft, also mit abnehmbarem ­Hardtop plus Softtop. Um ­Gewicht zu sparen, wurden Motor- und Kofferraumdeckel, Stauraumdeckel und die äußeren Türpaneele aus Aluminium gefertigt. Die Produk­tion begann 1963 mit dem 2,3-Liter-230 SL. Der 250 SL wurde nur 1967 gebaut, somit ist er der seltenste der Baureihe W 113. Zum 2,5-Liter-­Motor kamen Scheibenbremsen zusätzlich an die Hinterräder. Wie der 230 SL leistete er 150 PS, hatte aber ­höheres Drehmoment. 1968 kam dann der auf 170  PS erstarkte 280 SL heraus.

Mercedes-Benz Oldtimer Roadster 190 SL 230 SL Baureihe 107

Benzilität statt Sensibilität

Mercedes-Benz Baureihe 107 – Abgelöst wurde das, was viele für den letzten schönen Mercedes-Roadster halten, 1971 von der Baureihe 107, die die Modelle 450 SLC, 450 SLC 5.0 und 500 SLC und somit 18 Jahre Bauzeit überspannte. Markante Merkmale: Breitband-Scheinwerfer, geriffelte große Heckleuchten, leichte Keilform. Zwei Notsitze gegen Aufpreis. Verantwortlich für das Design war abermals ­Friedrich Geiger, der bereits den 300 SL (Coupé und Roadster) gezeichnet hatte sowie die Coupéversion des W111-Heckflossers. Auch die erste S-Klasse entstand nach seinem Entwurf. Sein Nachfolger: Bruno Sacco, der ab 1989 die Bau­reihe R 129 verantwortete. Aber das sind dann schon ganz andere Geschichten.

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