Mercedes SLK 350 Exterieur Dynamisch Front
Mehr spielzeug als der ernste, große SL, das Profil deutet das schon an.
 

Testbericht: Mercedes-Benz SLK 350

Näher am SL war SLK noch nie.

25.05.2011 Autorevue Magazin

Der Sechszylinder röhrt, wie er röhren muss, der Körper ist optimal in Weltklassesitze eingepasst, der Nacken wird warm behaucht, vor den Augen prangen die runden Luftdüsen, die so Jetset sind, weiter vorne gibt die lange Motorhaube ihre archaischen Schlüsselreize an die Umgebung ab, ein Tapser aufs Gaspedal provoziert wuchtigen Schub und wirft zugleich die Frage auf: Ist denn jetzt der SLK – zumindest in seiner Vollendung als 350 – der sinnvollste, stimmigste Mercedes-Roadster? Ist nicht mehr der SL das Maß der Dinge?

Der SLK 350 mit 306 PS ist um fast 40.000 Euro günstiger als der Einstiegs-SL 300 mit kleinerem Sechszylinder, nur 231 PS und deutlich schwächeren Fahrleistungen (Null auf Hundert dauert mehr als zwei Sekunden länger). Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müssen da trotzdem Welten dazwischen liegen. Fragt sich nur, woraus diese Welten zusammengesetzt sind. Also: Da ist auf jeden Fall die Größe, der SL ist um 40 Zentimeter länger (aber nur um einen breiter! Die Länge geht vor allem in Motorhaube und Heck.) Ein Blick ins Cockpit genügt ferner, um die echte Luxusklasse zu erkennen. Das Gewicht: Der SL ist um 400 Kilo schwerer. Der SLK hat mit „7G-Tronic plus“ das modernere Getriebe, außerdem serienmäßig Start-Stopp-Automatik. Und er verbraucht deutlich weniger: 7,1 gegen 9,3 Liter im MVEG-Schnitt (Blue-Efficiency-Maßnahmen). Beide haben vorne innenbelüftete Bremsscheiben. Die Kofferraumvolumina sind nahezu identisch.

Andererseits verfügt der SL über ungehinderten Zugriff auf die ganz große Mythoskiste mitsamt Historie. Für den SLK bemühen sie den 190 SL von 1955 als Ahn, was aber mehr angestrengt als sonstwas ist. Der kleine Roadster hat sich seinen Ruf von Anfang an als Frauenversteher in eine bestimmte Richtung gedreht, wie das für einen SL nie in Betracht käme. SL ist in jeder Hinsicht unangepatzt. Der gewaltige Preisunterschied ist vielleicht nicht in allen technischen Details erklärbar, aber wer beide Autos gewärtig hat, weiß: Man fühlt es irgendwie.

Darum ist der SLK nicht der gescheitere SL und sollte ihn auch bei niemandem ersetzen. Wer es sich leisten kann, wird auch weiterhin zum SL gehen und das komplette Reichtumspaket bekommen. Wer nicht, kann eh nicht frei entscheiden.

Und bekommt trotzdem einen Roadster praktisch ohne Fehl und Tadel – Lichtjahre entfernt vom SLK der ersten Generation, der wahrlich nicht das Gelbe vom Ei war. Wir finden mehrfach den SLS zitiert, bei den Luftauslässen, den Kiemen an den vorderen Flanken und überhaupt am ganzen Kühlergrill. Das zeigt den gestiegenen Anspruch des Autos.

Durch das geringere Gewicht fährt sich der SLK – und da führt er wirklich – lustiger und unbeschwerter als der ­große Bruder. Er ist wesentlich mehr Spielzeug, mehr Stimmungskanone – fein gewichtsverteilt und für das meiste, was die Landstraße hergibt, ausreichend verwindungsresistent. Ratsam für unseren SLK 350 ist der Griff zum Fahrdynamikpaket: Tieferlegung um ­einen Zentimeter, Direkt­lenkung, Torque Vectoring-Bremse (das ESP bremst bei drohendem Untersteuern das kurveninnere Hinterrad kurz ab) und vor allem die Sport-Taste für die Dämpfer verbessern das Handling, ohne spürbar am Komfort zu zwacken.

Um den SLK wirklich zu einem kleinen Luxusschlitten zu formen, muss entsprechend investiert werden. Unser Testwagen etwa wurde um 23.000 Euro aufmunitioniert, es gibt Parktronic mit Parkführung, Abstandsregeltempomat, ­Multimediasystem mit Navi und Internet, AMG-Sport­paket und etliches Kleinzeug.

Und es gibt drei Dach­varianten. Das Blickdichte ohne Aufpreis ist super. Magic Sky Control, das sich bei Sonne selbst verdunkelt (2.689 Euro) ist auch gut. Das getönte Variodach (538 Euro) aber lässt einen Großteil der Sonne durch und macht das Auto bei Schönwetter zur Folterkammer.

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