Mercedes-Benz SLK 350 Testbericht

Die souveräne Art des Roadsterfahrens ist auch ohne AMG sehr intensiv.

01.05.2008 Autorevue Magazin

Gebrauchsanleitung für die perfekte kleine Flucht aus dem Alltag: Vor dem Sonnenaufgang aufstehen, raus in die Garage, das Gerät anwerfen. Dach auf, freie Sicht auf den morgengrauen Himmel – Start zum Early-Morning-Ride auf verlassenen Straßen. Allein: Wie passt das zusammen? Ein komfortabler SLK, noch dazu mit Automatik, für die Reinigung der automobilen Sinne?

Funktioniert aber. Das Thema Fahrdynamik ist auch bei Mercedes daheim. Bei den AMG-Versionen schon länger, nun auch nahezu vorbehaltlos im SLK 350 – ohne dabei das klassische, schwere Mercedesfeeling zu zerstören.

Der SLK fängt dich mit perfekten Sitzen auf und gefällt dort mit genau jenem Maß an Enge, das man braucht, um die beim Roadsterfahren durchaus erwünschte Spannung aufzubauen. Das geht los bei der Kraft und der Akustik des 3,5-Liter-V6, der durch eine Dramatisierung der Leistungskurve 33 PS und ein packendes Ansprechverhalten dazugewann und sich deshalb nun Sportmotor nennen darf (diese Version des 350ers ist für SL und SLK reserviert).

Im Stand klingt der Motor praktisch nach nix, erst wenn man ihn mit Hilfe der Schaltpaddles aufgitzt, erhebt er seine kehlige Stimme. So lässt es sich je nach Bedarf über die Boulevards schleichen oder brüllend durch kurviges Geläuf hetzen. Apropos hetzen: Großen Anteil an der Agilität hat die neue, direkt übersetzte Lenkung, die Richtungswechsel unverzüglich, nicht aber fahrig an die Vorderachse weitergibt. Einziges Zugeständnis an alte Mercedes-Gewohnheiten: Manchem wird das griffige Lenkrad nach wie vor zu groß sein (und das ESP nicht abschaltbar genug).

Zweiflern, die immer noch der Meinung sind, eine Automatik habe in einem Sportwagen nichts verloren, sei hier gesagt: Die 7-G-Tronic ist im Moment eines der besten Automatikgetriebe auf dem Markt. Schaltvorgänge sind meist nur durch eine Veränderung am Drehzahlmesser merkbar, auch Abstimmung und Schaltzeiten im manuellen Modus passen. Wem das nicht genügt, der wird spätestens von den Zwischengas-Stößen beim Zurückschalten gefrommt.

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