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Mercedes-Benz S 400 Hybrid Testbericht

Das Paket ist geschnürt. Sparen auf Oberklasse-Niveau. Und das Wichtigste: Auch dieser Mercedes bleibt ein Mercedes.

01.09.2009 Autorevue Magazin

Der erste wichtige Schritt ist getan. Mercedes hat die Hybridtechnik nun erstmals in die S-Klasse eingeschleust. Das System ist weniger aufwendig als bei Lexus, zeigt aber durchaus Wirkung. Der Elektromotor/Generator unterstützt den Benzinmotor beim Beschleunigen und ist in der Lage, im Schiebebetrieb und beim Bremsen Energie zurückzugewinnen. Damit ist der Spagat aus guten Fahrleistungen und weniger Verbrauch grundsätzlich einmal gelungen, denn ohne diese Maßnahme wären Verbräuche unter 10 Liter auf 100 km bei einer benzinbetriebenen 2-Tonnen-Oberklasselimousine nicht zu schaffen.

Allerdings: Wunder werden wohl noch etwas länger dauern. Die Wirkungsweise der kleinen Lithium-Ionen-Batterie hat Grenzen und verlangt auch eine Anpassung des Fahrstils. Wer weiterhin den Gasfuß nach Belieben drückt, wird kaum Vorteile lukrieren können, die exzellenten Verbrauchswerte mit einem CO2-Ausstoß unter 200 g/km bleiben dann auf das Papier beschränkt. Sagen wir es so: Der Wagen gibt dem Fahrer die Möglichkeit, an seiner Aufgabe zu wachsen. Der Unterschied zwischen sparsamer Überlandfahrt (rund 8,5 l/100 km) und Kurzstrecken-Stadtverkehr (13 l/100 km) ist deutlich größer als bei einem Diesel. Trotzdem gilt: Hoher Reisekomfort ohne Verzicht, und man darf sich bei allen überdurchschnittlichen Ansprüchen als vernünftiger Mensch fühlen.

Die Technik macht insgesamt einen soliden und ausgereiften Eindruck, was man von Mercedes wohl auch erwarten durfte. Kleine Unschärfen sind noch beim Übergang zwischen Rekuperation des Generators und Bremseingriff zu spüren, etwa, wenn man sich einer roten Ampel nähert, in Form von leichten Bewegungen im Bremspedal. Der V6-Motor läuft so ruhig, dass man schmerzlos auf einen V8 verzichten kann. Wir sehen hier aber auch: Ein direkter Vergleich mit dem Lexus LS 600 h, dem einzigen Hybrid-Mitbewerber auf dem Markt, macht eigentlich wenig Sinn. Mit dem V8 und dem mächtigen Elektromotor agiert dieser doch in der nächsthöheren Liga.

Preislich ist der S 400 Hybrid überraschend attraktiv platziert. Er kostet nur rund 2000 Euro mehr als der billigste Benziner. Einstiegsmodell und eindeutige Sparvariante bleibt bei der S-Klasse allerdings der Diesel. Es gibt natürlich noch zahlreiche Möglichkeiten, den Preis mit den jüngsten Errungenschaften auf dem Gebiet der Assistenzsysteme ordentlich hinaufzuschrauben.

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