mercedes-benz s-klasse 2014 seite vorne front
Plötzlich wirkt alles irgendwie ... asiatisch. Als hätten Koreaner die S-Klasse für sich interpretiert.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz S-Klasse

Die neue S-Klasse zeigt ihre Größe in einer Unzahl differenzierter Perfektionismen, deren Summe garantiert mehr als ein Auto ergibt.

10.12.2013 Autorevue Magazin

Wenn das Beste Auto der Welt wieder einmal nachgebestet wird, finden wir immer auch ein neues Vokabelheft vor, worin der gehobenen Begrifflichkeit nachzugehen ist zwecks kongenialer Erfassung der Güte.

Kapitale Schwerkraftfelder wie Intelligent Drive, Efficient Technology oder Essence of Luxury machen klar: Wir haben es mit dem neuen deutschen Spitzenprodukt zu tun. Doch wer sich in den Schwankungsbereichen zwischen Werbung und Wirklichkeit auf ­wackeligem Terrain fühlt, dem sei fürs Erste ein handfester Aspekt von Zukunft überreicht: Die neue S-Klasse ist das erste Automobil ohne eine einzige Glühlampe. Komplett LED fortan, zirka fünfhundert ­Dioden pro Wagen.

mercedes-benz s-klasse 2014 heck hinten seite

Wenn nur alles so einfach kompliziert wäre.

Selbst die Karosserie ist nicht auf einen Blick zu erfassen, so komplex erscheint das Zusammenspiel der Formen und Strukturen. Wie sieht der Hersteller selbst eigentlich in die Materie? „Durch die fein gezeichnete konvex-konkave Bewegung der gesamten Flanke entsteht ein sehr kraftvoller und gestreckter Wagenkörper, der zugleich Spannung und Gelassenheit demonstriert. (…) Die positiv überspannten Flächen und Linien der Seitenwand der neuen S-Klasse ­fließen mit spannungsvollem Einzug in das Heck.“

Zumal spannenderweise von zweierlei S-Klasse die Rede ist, der Normal- und der um 13 Zentimeter gestreckten Langversion. Der Markt ist das Gesetz: Erstmals (als Hinwendung an die klassische chinesische Oberschicht) ging man bei Design und Konstruktion ­direkt vom Chauffeurwagen aus, also von der Langversion (mit individuell ausgestaltbarem First-Class-Fond samt liegefähigem Executive-Sitz samt Cushion-Airbag gegen Sub­marining, plus Thermotronic plus, plus, plus. Telefongespräche können vom Fahrer nach hinten vermittelt werden: „Ich seh mal nach, ob der Chef da ist.“)

mercedes-benz s-klasse 2014 innenraum

Der Sound ist von Burmester und soll alles Bisherige übertreffen.

Wahrlich, man hat es sich nicht leicht gemacht, zumal es nicht mehr genügt, das Auto einfach anzuschauen. Denn es schaut zurück, tags und nachts, mit Stereo-Kamera in 3D, mit 360-Grad-Rundumblick und Nachtsicht-Assistent Plus (wobei wir aber schon wieder tief in die richtig aufpreispflichtigen Regionen geraten). Es schaut auf Tiere, die es per ­Infrarot-Kamera erkennt, es schaut auf Fußgänger, die ­warnend lichtbehupt werden mitten in der Nacht, es sieht den Querverkehr und den Längsverkehr mit wissendem Auge, bis hin zur Notabbremsung in letzten Momenten.

Ein Blick ins Vokabelheft:

BAS PLUS mit Kreuzungs-­Assistent, DISTRONIC PLUS mit Lenk-Assistent sowie PRE-­SAFE PLUS. Und weil wir gerade so schön am Blättern sind: Seitenwind-Assistent, Air Balance-Paket mit Ionisation und Beduftung, Energizing Massagefunktion und beleuchteter Gurtschlossbringer. Ein Zielkonflikt war es, Sicherheit und Komfort in Einklang zu bringen. Freilich kann es passieren, dass man losfährt und der ­Wagen wird nicht schneller als Tempo 60 auf der Autobahn. Dann hat garantiert jemand versehentlich die aktive Speed Control aktiviert, was ungeahnte Peinlichkeiten zeitigen kann. Ja, man muss seine S-Klasse schon ausreichend studiert haben. Um beispielsweise zu wissen, dass Pre-Safe-Plus dank Stereo-Kamera plus jetzt auch Fußgänger erkennen kann, und zwar so gut, dass Dummys schon sehr täuschend gemacht werden müssen, um nicht als solche erkannt und niedergerannt zu werden.

mercedes-benz s-klasse 2014 comand

Wie von selbst fallen Fingerspitzen auf die Telefontastatur in der Mittelkonsole.

Zurück zum Basisvokabular:

Intelligent Drive bündelt alle neuen Komfort- und Sicherheitsfeatures (rund um Pre-Safe und Distronic). Unter dem Begriff Efficient Technology findet man die Maßnahmen zur massiven Verbrauchsreduktion vermittelt, zum ­Beispiel dank deutlich reduziertem Luftwiderstandsbeiwert (0,24 statt zuvor 0,26). ­Innerhalb von zehn Jahren, so Mercedes, habe man den Verbrauch in der 200-PS-­Leistungsklasse nahezu halbiert: Der S 300 BlueTec ­Hybrid kommt dank E-Motor-Unterstützung mit 4,4 Liter/100 km durch den Zyklus.

Zwei Hybride, ein Benziner sowie ein Diesel stehen im ­Gestehungsjahr zur Wahl. Aber auch die 585-PS-AMG-Ver­sion soll noch im Herbst in die Verkaufslokale, erstmals auch mit 4matic im S 63 AMG: vierkommanull auf hundert. Tempofreigabe per Aufpreis.

mercedes-benz s-klasse 2014 cockpit innen innenraum

Zurück ins Ambiente:

Zwei große Monitore decken den Bereich bis über die Dashboard-Mitte ab, sie schweben auf einer hinterleuchteten ­Tafel, der so genannten Corona, die in wahlweise sieben Farben hintergrundbeleuchtet werden kann. Das Armaturen-Display ahmt beide Rund­instrumente täuschend nach, Chromreflexionen inklusive, doch von der Beifahrerseite her sieht Trompe-l’œil eigenartig aus. Der ­Info-Vielfalt sind kaum Grenzen ­ge­setzt, genau wie auf dem Zentraldisplay, das grundsätzlich der Navi­gation gewidmet ist, aber für jede Bedieneinheit ihr Sub­menü zwecks Darstellung und Interaktion bietet.

Was also bringt uns die neue Mercedes S-Klasse?

Man bekommt es mit einer unüberschaubaren Informations- und Bedienmenge zu tun, was uns eigentlich an die Anfänge des Autofahrens zurückführt, als Chauffeure das Auto wirklich von Grund auf kennen und verstehen mussten. Waren es einst Schmiernippel, die versorgt werden mussten, so sind es jetzt Connected-Drive-Funktionen, ­Comand Online oder die via WLAN operierende iPhone/Android-App, mittels derer die Rücksitze verstellt werden können.

„Mist, wir haben einen Kurzschluss da drinnen!“ „Nein, Chef, das ist nur die Armlehnenheizung.“

mercedes-benz s-klasse 2014 innen innenraum

Wie gehabt und doch verbessert: Sitzversteller im Türpaneel.

Neue Werte, neue Worte

Schauen wir uns hier die wichtigsten Neuerungen gegenüber der bisherigen S-Klasse an

Assistenzsysteme: Distronic Plus mit Lenkassistent und Stop&Go-Pilot. BAS Plus (Bremsassistent) mit Kreuzungsassistent. Adaptiver Fernlicht-­Assistent Plus. Nachtsicht-­Assistent. Aktiver Spurhalte-Assistent. 360°-­Kamera. Aktiver Parkassistent mit Park­tronic. Pre-Safe Plus zum Schutz bei Heckaufprall. Pre-Safe-Bremse mit Fußgängererkennung und Stadtbremsfunktion

Sicherheit: Gurtschlossbringer ­(aktives Gurtschloss). Adaptive Airbagauslegung (Active Vent). Beltbag für äußere Fondsitze (bläst sich auf drei­fache Gurtbreite auf).

Sound: Burmester High-End 3D-­Surround-Soundsystem. Frontbass.

Fahrwerk: Magic Body Control. ­Airmatic mit stufenloser Dämpfungs­regelung

Antrieb: Hybrid für Dieselmotoren.

Telematik: COMAND Online (NTG 5). Individual Entertainment im Fond. ­Mercedes-Benz COMAND Control App für das iPhone.

Gepäckraum: Hands-Free-Access (Wedeln mit dem Fuß).

Sitzkomfort: First-Class Fond (inklusive temperiertem Cupholder). Easy Adjust Komfortkopfstütze. Executive Sitz auf Beifahrerseite mit Beinauflage. Energizing Massagefunktion („Hot-Stone“-Effekt). Sitzklimatisierung/Sitzkühlung. Chauffeurstellung Beifahrersitz.

Klimakomfort: Beduftung, Ionisa­tion. Armlehnenheizung (Panel Heating). Vorklimatisierung für Hybride (der ­Motorraum ist thermisch gekapselt).

Licht und Sichtsysteme: Ausschließlich LED als Leuchtmittel. Magic Vision Control (Präzise Scheibenreinigung). Ambientebeleuchtung (erweiterter Umfang auf 7 Farben).

mercedes-benz s-klasse 2014 motor

 

  • vvt

    Ein tolles Auto der neue S. Was ich problematisch finde und mir auch schon öfter aufgefallen ist, sind die LED Leuchten. Im Winter wenn es schneit bedeckt der Schnee die Lichter.
    Bei Glühlampen erwärmt sich das Licht und der Schnee schmilzt zumindest ein bisschen und man sieht was vom Licht. LED Lichter bleiben kalt und verschwinden unterm Schnee.

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