Mercedes-Benz ML350 CDI Bluetec
Spätestens mit der M-Klasse hat die neue Designlinie ganz zu sich selbst gefunden.
 

Testbericht: Mercedes-Benz ML 250 CDI

Bescheidenheit ist bekanntlich eine Zier – aber das muss ja nicht gleich jedem auffallen.

26.09.2012 Autorevue Magazin

Wenn eh fast alles passt im ­Leben – Familie friedlich, ­Karriere intakt usw. –, kann sich die Autofrage heutzutage auf einen schlichten Satz reduzieren: Wie viel will ich mir gönnen? Es ist ja nicht mehr so, dass jeder einfach fährt, was er gerne hätte. Man muss seine Entscheidung vor der ­Familie rechtfertigen, dem ­eigenen ­Gewissen, den Nachbarn, den Mitarbeitern gegenüber, und wenn es blöd läuft, wird man auch noch an der Ampel schräg angequatscht.

Insofern ist dieser ML 250 CDI eine ganz schlechte Wahl. Weil er deutlich mehr scheint, als er tatsächlich ist – und zwar in vielerlei Beziehung. Das beginnt mit dem Vierzylinder unter der Haube und setzt sich beim Preis fort: An der Basis und ausstattungsbereinigt liegt so ein ML exakt auf dem Preislevel eines gleichwertig motorisierten E-Klasse Kombi ­(Verzeihung, T-Modell heißt das natürlich), obwohl sein Auftreten klar markiert, dass hier das ganz große Rad ­gedreht wird. Man schaut ja selbst auf einen Porsche ­Cayenne noch runter.

Richtig bescheiden wird der ML 250 CDI aber erst an der Tankstelle. Wir wollen hier nur sagen: 7,6 Liter. Das war unser Bestwert auf der Heimfahrt-Normrunde mit Autobahn, Landstraße und ein bissl Stadtverkehr. Zugegeben alles total legal, ausnahmsweise sogar ­betont defensiv gefahren. Aber Letzteres ist auch der M-Klasse gutzuschreiben, denn die schiere Größe und das strikt komfortable, nahezu US-weiche Fahrwerk legen sich wie ein schweres Beruhigungs­mittel aufs Gemüt des Fahrers.

Aus den 7,6 Litern wurden im Testschnitt zwar doch noch 8,5 Liter, aber auch das ist mehr als okay für so ein Haus von Auto. Der Verbrauchs­vorteil gegenüber den sonst üblichen Sechszylindern in dieser Klasse (die man natürlich auch bei Mercedes kriegen kann) beträgt etwa 1,5 Liter.
Der Gutmotor ist jener 2,2-Liter-Vierzylinder in seiner höchsten Aufladungsstufe mit 204 PS, der in Kombination mit einer fehlerlosen Siebengang-Automatik inzwischen die Universalwaffe der Marke darstellt, heimisch in allen erwachsenen Baureihen von C bis S. Natürlich wird der Vierzylinder von der 2,2 Tonnen schweren, dazu mächtig hohen, breiten und langen M-Klasse vor eine ordentliche Aufgabe gestellt, aber er packt sie. Immerhin 500 Nm (mehr als beim V6-Touareg!) fallen ­bereits knapp über Leerlaufdrehzahl an, das reicht, um die M-Klasse angemessen zu bewegen. Natürlich ist die Kombination dem Sechszylinder in Laufkultur und Beschleunigungssouveränität unterlegen, aber wie meinen die Briten dazu: You can’t have your cake and eat it too. Außerdem führt deutliche Mehrleistung die M-Klasse noch früher an die Grenzen der betont weichen Abstimmung. Die Fuhre kann nämlich bergab in engen, vielleicht auch noch hängenden Kurven eine durchaus über­raschende Eigendynamik entwickeln. Was man aber schnell akzeptieren lernt, weil die bevorzugte Gangart der M-Klasse eben das völlig stressbefreite Cruisen ist. Dazu passt auch das gesamte Innenleben, das ohne viel Aufpreis-Schnick­schnack einen extrem hochwertigen und funktionalen Eindruck vermittelt.

Kommen wir aber noch einmal zum Kernthema des ML 250 CDI: Großes SUV mit sparsamem Motor. Siebenkommasechs liegen jedenfalls ganz scharf an jenem Bereich, wo sich jede Öko-Diskussion ad absurdum führt. Man ist mit dem ML 250 CDI logisch, moralisch und überhaupt auf der richtigen Seite. Denn es braucht wirklich nicht viel Übermut, um mit einem ­politisch korrekten Klein­wagen à la VW up! auf ähnliche Werte zu kommen. Allerdings muss man damit um­gehen lernen, dass niemand da draußen die frohe Öko-­Botschaft auch nur ahnt.

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