Mercedes-Benz M stat vorne
Das Überauto, das Dinge kann, die in dieser Klasse bisher undenkbar waren.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz M-Klasse

Mercedes rüstet sein Erfolgs-SUV zum Überauto auf.

30.07.2011 Autorevue Magazin

Während man in den Elektro-Labors der Daimler AG konzentriert am Verständnis dafür arbeitet, wie wenig Reichweite wir im Auto-Alltag eigentlich tatsächlich brauchen, verwöhnt die Alles-ist-möglich-Abteilung des Konzerns unser Vorstellungsvermögen jetzt mit neuen Rekordmöglichkeiten: Göteborg, Neapel und Newcastle – all diese 1300-km-Ziele ließen sich mit nur einer Tankfüllung der M-Klasse erreichen, heißt es, soferne man sich für einen 93-Liter-Tank entschieden hat, der eines der vielen Extras ist, die die pralle Wunderwelt über bisher für unüberwindbar erachtete Grenzen hinauswachsen lassen. „Es mag eben nicht jeder Tofu“, meint Entwicklungsvorstand Thomas Weber dazu und bietet den nach Verträglichkeit strebenden Mobilitätsgourmets die M-Klasse als neues alter­natives Design-Nahrungs­mittel an.

Mercedes hat in der dritten Generation seine M-Klasse massiv umgekrempelt. Einer Fahrzeugklasse, die mit ihrer Bauhöhe an sich der Aerodynamik zuwiderhandelt, wurde ein Windschlüpfigkeitswert von 0,32 abgerungen. Das ist ein Klassen-Bestwert, mit dem sich Mercedes zum Chef der SUV-Armada macht. Eine wichtige Position, denn mit SUVs lässt sich gutes Geld verdienen, weniger in unseren Breiten vielleicht, aber in Nordamerika und Asien, wohin die Daimler AG alleine je ein Drittel der M-Klasse verkauft. Das Motorenprogramm wurde downgesized und überall im System der Energiekonsum drastisch einschränkt. Per Start-Stopp-Automatik, zum Beispiel, 7-Gang-Automatik mit spritsparendem Wandler, optimiertem Achsgetriebe und der erstmals in einem Mercedes verbauten elektrischen ­Servolenkung.

Zum verblüffendsten Ergebnis haben all diese Maßnahmen beim ML 250 BlueTec geführt: Der Vierzylinder-Diesel mit 204 PS verbraucht in der M-Klasse im Testzyklus gesamt nur 6,0 Liter auf 100 km, ein weiterer Never-heard-of-Wert in der SUV-Gemeinde. Auch die beiden Sechszylinder (als Diesel und Benziner) ­schreiben artige Verbräuche an, die jene Lügen strafen sollen, die fürderhin SUVs noch Sauftiere schimpfen. Auch der verbesserte Fußgängerschutz durch eine serienmäßige aktive Motorhaube wird ­neben ­effektiver Schadens­dezimierung imagemäßige ­Bonuspunkte bringen.

Die raffinierteren Karosserielinien und das stark in Richtung gehobenes Wohnraum-Design veränderte Interieur der M-Klasse sind einer ganz neuen Stilrichtung zuzurechnen, die Lichtjahre vom kan­tigen Zweckbau der ersten ­Generation entfernt ist. Materialgroßartigkeiten wie offenporige Holzoberflächen und rautengesteppte Ledersitze, die intuitiv an englischen Auto-Luxus erinnern, sind hier zu finden, gegen Aufpreis versteht sich. Gleiches trifft auch auf die technischen Aufrüstposten zu, von der Luftfederung über das Active Curve System, bei dem per aktive Drehstäbe die Wankneigung ausgeglichen wird, bis zum On&Offroad-Paket mit sechs Fahrprogrammen. Letzteres macht die M-Klasse dann auch fahrerisch zu einem ernsthaften Universal-Tool. Es gibt zum Beispiel ein Sportprogamm, bei dem der ML unter anderem zehn Millimeter tiefer gelegt wird, und zwei Offroad-Modi, in denen Getriebeuntersetzung, Längsdifferenzialsperre und Bergabfahrhilfe zum Einsatz kommen. Mit 100 Prozent Steigfähigkeit, 285 mm Bodenfreiheit und 600 mm Wattiefe geht sich dann auch ein Trip durch ­Namibia aus, wie Mercedes mit einer Erprobungsfahrt ­bewiesen hat.

Wobei Fahrer und Passagiere von der harten Arbeit, die der ML leistet, möglichst wenig mitbekommen sollen. Mercedes hat darum die Karosserie zehn Prozent steifer gemacht und neue Methoden bei der Geräuschdämmung angewendet. Kennfeldgesteuerte Hydraulik-Motorlager und eine neue Getriebebrücke aus Alu verhindern das Eindringen von Lärm und Vibrationen aus dem Motorraum, und die hochdämmende Windschutzscheibe verbietet sogar dem Wind, das Wohlbefinden der Reisenden zu stören.

Kaufverträge für die M-Klasse liegen ab 11. Juli beim Mercedes-Händler, die Auslieferung beginnt im November. Wegen der viel günstigeren NoVA-Sätze kostet der neue ML übrigens weniger  als sein Vorgänger.

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