mercedes benz gla 2014 vorne front seite
Die Aufholjagd geht in die nächste Runde.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz GLA

Mercedes bringt endlich sein kompaktes Lifestyle-SUV-Modell, das man heutzutage als Premiumhersteller von Welt braucht.

29.03.2014 Autorevue Magazin

Während in einem kleinen Canyon an den Ausläufern der Sierra Nevada gerade die ersten GLAs die Klettereigenschaft ihres Allradantriebs im Offroad-Modus unter Beweis stellen, zeichnet Dieter Zetsche im 2000 Kilometer entfernten Stuttgart eine neue Rahmenhandlung für das gebotene Schauspiel: Zetsches Modell-Strategie hat gegriffen, es ist jetzt amtlich. Acht Prozent hat Mercedes weltweit im letzten Jahr zugelegt, verkündet der Daimler-Chef bei der Bilanzpräsentation, 1,57 Millionen Autos sind das beste Ergebnis der Markengeschichte. 10.000 Autos mehr, und Mercedes wäre im Ranking der Premiummarken auf Platz zwei ­gelandet. Die Aufholjagd hat ­dramatisch an Momentum gewonnen, für das kommende Jahr stehen die Chancen gut, Audi über­holen zu können.

mercedes benz gla 2014 vorne front weiß

Der GLA ist für Mercedes ein wichtiges Auto.

Wo BMW mit dem X1 und Audi mit dem Q3 stark aufgestellt sind, klaffte bisher im Angebot der Stuttgarter eine peinliche Lücke. Obwohl spät, kommt der GLA jetzt zu einem guten Zeitpunkt. Der Wachstumsmarkt USA ist durch den CLA gut vorbereitet, dort wird der GLA der neue Einstiegs-Mercedes sein. Und auch am anderen Ende der Welt kommt er gelegen – dass die Chinesen auf SUVs abfahren, ist ja kein Geheimnis. Das Auto, trocken vermessen: Mit 4,4 Meter Länge ist der GLA etwas länger als der Q3 und der X1, bietet im Vergleich aber weniger Kofferraum (max. 1235 l; X1: 1350 l; Q3: 1365 l), was insofern ein schöner Zug ist, da der GLA mehr Wert darauf legt, elegant und windschnittig aufzutreten. Der geringe Luftwiderstandsbeiwert von 0,29 gibt dem ­geschmacklichen Empfinden eine gute argumentative Grundlage.

 

mercedes benz gla 2014 innenraum cockpit interieur display

SAG A Eindeutige A-Klassen-Stilistik im Innenraum. Lüftungsdüsen wie ein Luftwaffengeschwader. Und Holz in Traditionsverbundenheit. Eine von vielen Möglichkeiten.

Front- und Allradantrieb

Angeboten wird der GLA mit Frontantrieb oder Allrad, ohne den Unterschied zwischen den Antriebsarten ­äußerlich dramatisch herauszustreichen. Die leise Tonart ist angenehm. Man hat zum Marktstart die Wahl zwischen zwei Benzinern (156 und 211 PS) und zwei Diesel-Modellen (136 und 170 PS), wobei die jeweils schwächeren 2WD-­Varianten per Hand geschaltet werden, alle anderen kommen mit 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik. Für alle Motoren gilt: Vierzylinder, Turboaufladung, Abgasklasse Euro 6 und serienmäßiges Start-Stopp-­System. Der sparsamste Motor (200 CDI) bringt es auf einen Zyklusverbrauch von 4,3 Litern. Der GLA gehört zur erweiterten Familie der A-Klasse, er rechnet quasi die Lifestyle-Ambitionen eines CLA zur sanften Geländegängigkeit hoch, und man könnte zu Recht fragen: Wozu?, zieht die Frage aber beim Blick auf die Verkaufsstatistik gleich wieder zurück. Der Markt will es eben so. Mercedes hat einen gefälligen Wunschpunsch gemischt. Der GLA sieht nicht offensiv SUV-mäßig aus, ohne unmittelbaren Vergleich fühlt und denkt man ihn sich als neutrale, eigenständige Kategorie, eher in Richtung Sportcoupé und gar nicht nutzwertbelastet. Aber scharf abgegrenzte Formate gibt es in der Autowelt ohnehin nirgends mehr. Es geht um eine reibungsfreie Verschleifung zwischen Ambition und breitgefächerten Talenten, abgesichert durch ein reiches Angebot an Assistenzsystemen und stilistischen ­Optimierungsmöglichkeiten. Darin ist der GLA gut, bietet vier Ausstattungslinien, 13 Räderdesigns, 11 Lackfarben, 16 Innenraum-Varianten, die sich zu einer gigantischen Vielfalt hochrechnen lassen. Und auch wenn wir es nicht gerne zugeben: Die erhöhte Sitzposition, die stets mit dem Argument der besseren Verkehrsübersicht untermauert wird, ist schlicht angenehm, vor allem beim ­­Ein- und Aussteigen. Trotzdem sitzt man sportlich in den ­Wagen gefügt mit der Karosseriekante in Schulternähe. Es stehen drei Fahrwerks­varianten zu Wahl. Das serienmäßige Komfortfahrwerk kann per Fahrdynamik-Paket um 15 Millimeter tiefer gelegt und um eine Sport-Direktlenkung verschärft werden. Oder man richtet sich mit dem Offroad-Komfortfahrwerk mehr Richtung Gelände aus.

mercedes benz gla 2014 mittelkonsole

DEZENT Das rote Licht neben der Sitzheizung heißt, dass es jetzt holprig wird.

Gelände ist ein gutes Stichwort:

Im südlichen Spanien blühen die Mandelbäume, der Weg durch den Canyon führt vorbei an Buschwerk, in dem noch die Granatäpfel des Vorjahres hängen. Der GLA klettert durch tief ausgewaschene Fahrtrinnen, über losen Untergrund und erdige Steilpassagen hinauf. Leichtes Gelände ist gut zu bewältigen, es reicht, eine unscheinbare Taste an der ­Instrumententafel zu drücken, wodurch Schaltpunkte und Gaskennlinie auf die Geländeanforderungen hin verändert werden. Den Antrieb verteilt die 4Matic vollvariabel über einen in das Doppelkupplungsgetriebe integrierten Neben­antrieb zur Hinterachse und ein Hinterachsgetriebe mit hydraulischer Lamellenkupplung. Für steile Bergabfahrten gibt es einen zweiten Schalter, auf dem DSR steht (Downhill Speed Regulation). Der Fahrer setzt per Tempomat manuell ein sehr geringes Tempo fest, sechs Stundenkilometer oder weniger, und kriecht so, von automatischen Bremseingriffen geführt, Steilhänge hinunter. Weil das alles so dezent und wie von selbst läuft, zaubert Mercedes jenen Fahrern, die sich das COMAND-System bestellt haben, ein bisschen Unterhaltung auf den Bildschirm. Man kann dort den genauen Radeinschlag ablesen, den Neigungswinkel des Fahrzeugs und wie viel Grad Steigung oder Gefälle haben. Ob das im Alltag zwischen Palo Alto und Qingdao entsprechend Einsatz finden wird, sei jetzt einmal dahingestellt. Dort, wo Berge sind, im Winter Schnee liegt und entsprechend Wohlstand herrscht (bei uns zum Beispiel), werden solche Talente willkommen sein.

GLA 200: Grundpreis € 31.900,–, Steuer jährlich € 694,44,–, Motor/Zylinder/Hubraum Benzin/4/1595 ccm, Leistung/Drehmoment kW (PS)/Nm, Spitze km/h 0-100 km/h (sec), Normverbrauch Stadt/Land/gesamt, CO2-Ausstoß 137 g/km

GLA 250: Grundpreis € 38.020,–, Steuer jährlich € 1.054,44,–, Motor/Zylinder/Hubraum Benzin/4/1991 ccm, Leistung/Drehmoment 155 kW (211 PS)/350 Nm, Spitze 235 km/h 0-100 km/h 7,2 sec, Normverbrauch Stadt 8,3/Land 4,7/gesamt 6,0, CO2-Ausstoß 141 g/km

GLA 200 CDI: Grundpreis € 33.500,–, Steuer jährlich € 570,24,–, Motor/Zylinder/Hubraum Diesel/4/2143 ccm, Leistung/Drehmoment 100 kW (136 PS)/300 Nm, Spitze 205 km/h 0-100 km/h 10,0 sec, Normverbrauch Stadt 5,4/Land 3,7/gesamt 4,3, CO2-Ausstoß 114 g/km

GLA 220 CDI: Grundpreis € 39.500,–, Steuer jährlich € 784,44,–, Motor/Zylinder/Hubraum Diesel/4/2143 ccm, Leistung/Drehmoment 125 kW (170 PS)/350 Nm, Spitze 215 km/h 0-100 km/h 8,3 sec, Normverbrauch Stadt 5,3/Land 3,9/gesamt 4,4, CO2-Ausstoß 115 g/km

  • Manfred Grasserbauer

    Sierra Nevada-Stuttgart 20.000km????? Wohl 2.000. Solche Fehler, die auch in anderen Qualitätsmedien (wie der Presse) durchaus häufig vorkommen, fordern die Frage nach einer existierenden Qualitätskontrolle in den Printmedien heraus.

    • Susanne Hofbauer

      In der Printausgabe der Autorevue (AR 3/14) sind es 2000 km, muss bei der Übertragung ins Netz passiert sein. Wird umgehend ausgebessert.

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