Mercedes-Benz Gl AMG SUV
In den USA führt der GL überlegen die Abteilung der Luxus-SUVs an.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz GL

In zweiter Generation kommt der GL auch als AMG-Version.

28.11.2012 Autorevue Magazin

Als gälte zweierlei Maß: Während sich in Europa ein Riegel von 5,12 Meter Länge nicht leicht in die doch eher beengten Verhältnisse schmiegt, wirkt er im Mutterland der High-and-Mighty-Autos so normal wie nur etwas (und anderswo auch, sagen wir: in China oder in den Arabischen Emiraten). Dort erregt ein Mercedes GL punkto Größe nicht das geringste Aufsehen. Es gibt genug Platz und entsprechende Referenzgrößen – das Verhältnis passt. Was am GL herausragend ist, ist seine Stellung: Mit 30 Prozent Marktanteil ist er zum Beispiel in den USA mit Abstand das meist­gekaufte Luxus-SUV und die Daimler AG den amerikanischen Herstellern um ein Hauseck überlegen, was die stückzahlmäßige Entsendung von hohen Geldbeträgen ins freie Gelände betrifft. Auch die Investment-Branche hat schließlich Familie und gelegentlich Rekreationsbedürfnis.

Im Bewusstsein dieser starken außereuropäischen Rolle hat Mercedes den GL der zweiten Generation noch luxuriöser gemacht. Am deutlichsten nimmt man dies übrigens ­akustisch wahr. Der Riesen-Innenraum, auf dem drei Sitzreihen und 680 Liter Kofferraum untergebracht sind, fühlt sich für die Ohren wie eine S-Klasse an. Sogar im Geländebetrieb. Das ist eine ziemliche Leistung für Mercedes gewesen, weil sich die innere Weite gefühlsmäßig in ihrer Hör- bzw. Nicht-Hörbarkeit schwer disziplinieren lässt. Das relevante Stichwort heißt: Psychoakustik. Man soll einen argumentativen Einwand von ganz rechts hinten auch einwand- und missverständ­nisfrei verstehen und dabei ­Vivaldis Streicher konzertsaalklar hören können, während man zum Beispiel einen steilen, ausgewaschenen Trail in den Rocky Mountains entlangrumpelt oder mit Höchstgeschwindigkeit auf dem Highway dahinglüht (was in Amerika zwar direkt in den Knast führen ­würde, in Russland aber vielleicht in die Regierung).

Von den Mitteln, mit denen Mercedes das insgesamt hohe Komfortmaß beim GL erreicht hat (bei gleichzeitiger Gewichtsersparnis), kennt man einige schon aus der M-Klasse: Die speziellen Isolierungen etwa (Motorträger aus Kunststoff, spritzbare Dämmstoffe), die hochklassige Extras wie die B&O High-End-Sound­anlage besonders gut zur Geltung kommen lassen. 14 Lautsprecher und 1200 Watt ­Musik-Leistung kriegt man für knapp 6.000 Euro. Mit PS kann man ja heute nicht mehr ausreichend reüssieren.

Mercedes-Benz Gl AMG SUV

90 Kilo wurden beim Mercedes GL eingespart, unter anderem durch Alu-Einsatz an der ­Karosserie, Magnesium-Quer­träger im Cockpit, gewichtsreduzierende Elektrolenkung und elektrische Feststellbremse. Dem stehen zwar immer noch mindestens 2445 Kilo gegenüber, diese bewegen sich aber von allen Assistenz-Engeln des Daimler-Universums begleitet und fühlen sich damit keineswegs beschwerlich an. Serienmäßig gibt es Luftfederung und Allrad mit zuschaltbaren Gelände-Funktionen und ­gegen Aufpreis ein ernsthaftes On- und Offroad-Paket mit Geländeuntersetzung, Differen­zialsperre und mehr Bodenfreiheit (306 mm).

Auch das Sicherheits-Portfolio ist reichhaltig. Serienmäßig verfügt der GL zum verbesserten Fußgängerschutz über eine aktive Motorhaube (wie die M-Klasse) und bekämpft – ganz neu – Seitenwind-­Attacken über gezielte Bremseingriffe an den windzugewandten Rädern. Natürlich findet man auch den mittlerweile obligatorischen Müdigkeitswarner im GL. Und optionale Extras sonder Zahl: Vom adaptiven Fernlicht-Assistenten über die Nachtsicht-Hilfe bis zum 360°-Kamera-Equipment und der aktiven Einparkhilfe, die den nun 21 mm längeren GL von alleine in die Lücke führt.

Mercedes-Benz Gl AMG SUV

Wie weit der gesellschaftliche Horizont des GL reicht, zeigt am deutlichsten aber eine Neuerung übergeordneter ­Dimension: Erstmals wird das 1,85 Meter hohe Dickschiff auch als AMG-Version angeboten (auch bei uns, neben einem Dreiliter-Diesel mit 258 PS und dem V8-Modell GL 500). Als V8-Biturbo ist er mit seinen 557 PS und 760 Nm Drehmoment auch nach außen hin eine mächtige Erscheinung, die mit den extrabreiten Kotflügeln für seine 21-Zöller und den beleuchteten Trittbrettern in der Luftigkeit des amerikanischen Verkehrsgeflechts mehr Sympathie erwecken wird als im emotional ohnehin schon aufgeheizten Westeuropa.

Wem diese Optik zusagt, der muss aber nicht notwen­digerweise 161.000 Euro für einen AMG auf den Tisch ­legen, sondern kann sich ein verbrauchsgünstigeres GL-­Modell per AMG-Paket aufmotzen (um 5.668 Euro für den GLS 350 bzw. 5.227 Euro für den GL 500). Atmosphärisch werden wir es verkraften. Bei 70 verkauften GL gesamt in Österreich pro Jahr.

Trailer von Mercedes zur neuen GL-Klasse:

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