Intelligent Drive Experience with the Mercedes-Benz research car F 015 Luxury in Motion in San Francisco 2015
 

Mercedes-Benz F 015: Wenn’s doch schon morgen wär‘

Es wird nichts mehr so sein wie es war. Nicht mehr die kühlen Entwickler, die lieber evolutionieren statt revolutionieren. Zukunftsforscher sind an der Reihe. Und sie, nun ja, forschen eben an der Zukunft. Dort zählen weder Leistung, noch Geschwindigkeit oder Querbeschleunigung.

12.04.2015 Online Redaktion

Es zählt der Mensch, nicht die Maschine. Und er muss sich behaupten. In einer Welt, die später noch vernetzter, schnelllebiger und kompakter sein wird als die, die wir jetzt schon kennen. Raum und Zeit sind die Werte, die uns dort Luxus werden sollen.

Die Denker sind es deshalb, die das Auto der Zukunft geschaffen haben, nicht die Lenker. Weil das Lenkrad sowieso niemand vermisst, wenn man kollektiv stausteht anstatt zu fahren. Dass die Möglichkeiten grenzenlos sind, wenn man sich von den bisher gekannten Raumformeln lösen kann, zeigt der F 015 schon im Stand.

Intelligent Drive Experience with the Mercedes-Benz research car F 015 Luxury in Motion in San Francisco 2015

Lautlos, die kalifornische Sonne auf der metallisch funkelnden Karosserie gleißend widerspiegelnd, rollt er dir von seinem schattigen Parkplatz entgegen. Mit leisem Surren schwingen die großen gegenläufigen Portale auf. Es präsentiert sich ein Boden aus großzügig verlegtem offenporigem Holz, darauf montiert: vier drehbare Sessel aus gefrästem Aluminium, bespannt mit feinstem weißem Leder. Dazu gibt es jede Menge Glas. Das Armaturenbrett, oder das, was man in einem Auto als solches wertet, besteht aus einem breiten Display, dazu kommt ein großer Monitor in jeder Tür, ein noch größerer hinter den beiden Sitzen in der zweiten Reihe, sowie einer in der Auflagefläche des elektrisch ausfahrbaren Tisches.

Wenn Möbeldesign den automobilen Innenraum inspiriert.

Man braucht die Anzeigefläche, denn Mercedes-Benz zieht mit dem F 015 derart viele Connectivity-Entertainment-Cloudcomputing-Tricks, dass einem fast die Anglizismen ausgehen. Es ist ein Fest, wirklich! Neben Unwichtigkeiten wie Geschwindigkeit, Außentemperatur, Akkuladestand und Reichweite werden feine Dinge gezeigt. Die sich entlang der Route aufhaltenden Freunde etwa, die man per Fingerwisch anrufen und videotelefonierend überlebensgroß ins Fahrzeug beamen kann. Dazu natürlich noch sämtliche Sehenswürdigkeiten, die man auf dem Weg besuchen könnte mit Informationen, Öffnungszeiten und Parkmöglichkeiten. Restaurants mit Speisekarten und Reservierung? Kein Problem. Ebensowenig: Konzertvenues.

Intelligent Drive Experience with the Mercedes-Benz research car F 015 Luxury in Motion in San Francisco 2015

Wer aber keine Informationen aus der echten Welt möchte, der kann sich Partikelströme anzeigen lassen. Relaxation nennen sie das. Ablenkung, Abschirmung, Ausruhen. Oder einen Schritt weiter: wenn man durch einen Tunnel fährt zeigt dir der Benz ganz normal die Umgebung außerhalb an. Im 360-Grad-Surround. Historiker werden sich daran erfreuen, dass man sich wahlweise auch anstelle der modernen Häuserschluchten das New York der Gründerzeit anzeigen lassen kann. Der F 015 macht dir die Welt, wie sie dir gefällt.

Alles kann, nichts muss. Der F 015 ist eine Idee.

Was sonst so geht? Alles. Schachspielen auf dem Tischmonitor. Eh klar. Skat, Scrabble und Sudoku natürlich auch. Es gibt keine Grenzen. Gut, nicht ganz. So braucht es heute eine gigantische Rechnerleistung, um die Ideen und Visionen der Entwickler tatsächlich darstellen zu können. Ein gutes Dutzend potenter Apple-Rechner schuftet in einem Cluster zusammengeschaltet daran, die 4K auflösenden Grafiken flüssig und ansehnlich darstellen zu können.

Intelligent Drive Experience with the Mercedes-Benz research car F 015 Luxury in Motion in San Francisco 2015

Hier schlägt die Realität mit Wucht zu. Denn der reale F 015 hat nicht viel von dem an Bord, was es zum autonomen Fahren braucht. Computer-Hardware, Leitungsstränge und die dazugehörige Kühlung nehmen so viel Bauraum in dem mit einem zweistelligen Millionenbetrag versicherten Prototypen ein, dass kein Platz für die Sensoren, Kameras und Steuergeräte bleibt, die ihn alleine fahren lassen würden. Stattdessen werden wir von ein paar Kollegen, die abseits des alten Flugfeldes in einem schwarzen Mercedes Sprinter sitzen, ferngesteuert. Auch der Brennstoffzellen-Plugin-Hybrid-Antrieb ist nicht an Bord. So steht das Einzelstück aus Carbon und Aluminium auf dem verstärkten Chassis einer aktuellen E-Klasse, für den Antrieb sorgt ein halbes SLS Electric Drive-System und die Energie kommt aus zwei gekoppelten Smart ED-Akkus.

Zum Festhalten: ein Lenkrad wird es immer geben.

Doch der F 015 ist eben eine Studie für das Jahr 2030. Wenn sie bei Mercedes-Benz heute schon autonom und in der virtuellen Welt fahren könnten, dann würden sie es. Es geht darum aufzuzeigen, welche Möglichkeiten das selbstfahrende Auto bringt, welche Erlebnisse uns begeistern werden, wenn es nicht mehr das Fahren alleine ist. Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

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Eines war ihnen am Ende der Präsentation dann aber doch noch sehr wichtig: „In einem Mercedes-Benz werde es immer ein Lenkrad geben“. Denn die Freude am Fahren soll haben wer mag, schließlich ist auch der größte Stau einmal vorüber und die letzte Mail bearbeitet.

Weiterführend ein ausführliches Video zum zukünftigen Fahren unserer werten Freunde von fünfkommasechs:

 

 

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