Mercedes E-T2
Mit der Ruhe und der Flächigkeit ist es vorbei, E-Klasse hat einen gut definierten Körper und strahlt fast zornige Athletik aus: aber ohne jede primitive Kraftmeierei.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz E T-Modell

Der Kombi an sich vom Mercedes an sich – theoretisch das ideale Auto. In der Realität wohl auch. Worauf sollen wir uns jetzt noch freuen?

01.11.2009 Autorevue Magazin

Neue E-Klasse ist allemal ein Ereignis. Aber erst, wenn Monate später der Kombi, T-Klasse genannt, kommt, ist das Ereignis vollständig. Die gebieterische Sinnhaftigkeit des Kombis und seine daraus schöpfende Überlegenheit der Limousine gegenüber stellt die etablierte Reihenfolge aber eigentlich in Frage, und bei weitem nicht nur, was Mercedes betrifft. Erst der Kombi für die Massen, dann die Limousine für die Abweichler, so wäre es senkrecht.

Weil warum: Eh schon nicht schlechte 540 Liter Laderaum in der Limousine stehen 695 Litern im Kombi gegenüber. In ersterer kann man natürlich was auf die Rücksitze legen. Im Kombi lässt sich der Laderaum aber auf fast 2000 Liter erweitern, es ergibt sich eine ebene Ladefläche von mehr als zwei Meter Länge. Außerdem sieht der Kombi mindestens so gut aus wie der Viertürer. Eigentlich besser, weil er auf eine sinnlose Stufe im Profil verzichtet.

Mercedes hat für das T-Modell das Wort Easy-Pack erfunden und wie folgt mit Inhalt gefüllt: Die Heckklappe öffnet auf Knopfdruck, dabei geht die Laderaumabdeckung ein Stück mit nach oben. Für die Monks unter uns gibt es eine Schutzmatte, die sie über die Edelstahl-Ladekante ziehen können, damit die keine Kratzer kriegt. Unter dem Kofferraum-Faltboden befindet sich eine Klappbox für kleinere Gegenstände.

Eine hochtechnische Innovation hat indirekt ebenfalls mit dem Laderaum zu tun: Das Bremssystem Pre-Safe löst bei einer Vollbremsung eine kleine Vorbremsung aus, die bewirkt, dass Gegenstände im Laderaum zur Rücksitzlehne rutschen und dann bei der gleich darauf folgenden Vollverzögerung nicht mit Schwung durchbrechen und den Insassen gewalttätig in den Rücken fallen.

Das wird, hat man zum Beispiel eine Druckerpresse geladen, vermutlich nicht funktionieren. Für sehr schwere Gegenstände hat das T-Modell aber auch was auf Lager: die automatische Niveauregulierung an der Hinterachse. Nichts sieht ja trauriger aus als ein vollbeladenes Auto, das hinten hinunterhängt (nämlich sieht es nach Steiermark, „Gastarbeiterroute“ 1973 aus, Autopanne bei strömendem Regen auf dem Weg nach Prijepolje).

Der Auftritt des Autos als Gesamtes ist ganz E-Klasse, also willensstark und souverän. Nichts lässt beim Fahren erkennen, dass man es mit einem Kombi zu tun hat. Nicht alle Motoren sind wirklich völlig unaufgeregt, vor allem den kleinvolumigen (200 und 250 CDI, 250 CGI) hört man die Kleinvolumigkeit auch an.

Die Serienausstattung hat sich weit von der einstigen Philosophie entfernt, nach welcher ein Mercedes nackt an der Grenze zur Erregung öffentlichen Ärgernisses daherkam. Jetzt, bei einem Startpreis von knapp 46.000 Euro, finden wir Tempomat, elektrisch verstellbare Vordersitze, Regensensor, Farbdisplay und ähnliche Fixstarter aus früheren Aufpreislisten an Bord.

Seit 30 Jahren gibt es nun den Kombi zur E-Klasse, und immer hat sich eine Minderheit für ihn entschieden. Zuletzt waren es an die 20 Prozent aller E-Klasse-Käufer, was einen Schwachpunkt libertärer Gesellschaften offenlegt, nämlich die Freiheit, das Falsche zu machen. Oder doch das nicht ganz Richtige.

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