Mercedes E 400 Cabriolet front
Das gesetzte Cabriolet an sich: So fährt man Cabrio, ohne Cabrio zu fahren.
 

Testbericht: Mercedes-Benz E 400 Cabriolet

Ein Geheimtipp von Motor plus die behutsame Überarbeitung eines künftigen Klassikers.

22.08.2013 Autorevue Magazin

Spielt man mit dem neuen E-400-Triebwerk Lustiges Zylinderraten, wird man nach dem ersten Anstarten ein wenig ratlos sein. Zuerst ist da nämlich nichts, oder besser: nur ein knöchelhoher Klangteppich aus Laufruhe. Das ändert sich auch nach dem Wegfahren und den ersten sanft dahingerollten Stadtkilometern nicht. Nahezu elektromotorische Stille und ebensolche Leistungsentfaltung. Gediegenheit pur also. So weit, so langweilig.

Das große Rätselraten im Mercedes E400: Wieviele Zylinder werken?

Dann will man es aber doch wissen, und was folgt ist: Schub, also wirklich ernsthafter Schub. Eine 480-Newtonmeter-Packung ab 1400 Touren, um genau zu sein. Und damit hat sich das Triebwerk dann leider verraten. V6-Biturbo. Denn nicht einmal der beste Achtzylinder-Sauger schiebt so lückenlos und bei Bedarf auch gewalttätig aus dem Drehzahlkeller an. Insofern kriegt man hier ein zweites Ich mitgeliefert, aber Vorsicht: Das Gute und das Böse liegen verdammt knapp beieinander.

Mercedes E 400 Cabriolet airscarf

Aber es besteht sogar die Gefahr, dass der E 400 ein ungehobener Schatz in der Preisliste bleibt. Denn weder das Datenblatt (+ 27 PS) noch der Aufpreis (+ 3000 Euro) drücken den Gewinn an Fahrspaß und/oder Leistungskomfort gegenüber dem E 350 (V6 Sauger) aus, und gefühlt ist der V6-Biturbo deutlich näher am 500er (der über 20.000 Euro teurer ist) dran als am 350. Insofern verdient der neue 400er eine dicke Empfehlung.

Was es sonst zu sagen gibt?

Nun, wir kennen kein einziges Mercedes-Cabrio, das es nicht in die Klassiker-Liga geschafft hat bzw. noch schaffen wird, und das aktuelle E-Cabrio wird hier keine Ausnahme machen. Die teils heftige Zuneigung der Döner-Fraktion zu älteren Dreier-Cabrios samt den daraus resultierenden Image-Kollateralschäden bleibt dem Mercedes-Cabrio-Besitzer erspart.

Zum Alltagswert gibt es zu sagen: Dank Aircap (einem ausfahrbaren Spoiler an der Windschutzscheibe) und Windschott lässt es sich bei geöffnetem Dach auch auf den Rücksitzen halbwegs aushalten. Das Kofferraumvolumen übertrifft Audi und BMW deutlich – nicht uninteressant für längere Sommerreisen, für die wir uns kaum einen angenehmeren Reisebegleiter vorstellen können.

Mit dem Facelift gelang eine weitere Zuschärfung von Eleganz und Alltagswert: Das Linienchaos am Heck wurde auch bei den sportlichen E-Modellen beseitigt und die Front kommt nun wieder sachlicher daher. Bei den Assistenzsystemen wurde schwer aufgerüstet – für alle, die das interessiert.

Mehr zum Thema
  • Der Schwedenkönig

    Bei einem Auto dieser machart würde ich mich über eine wenigstens kurze Dartellung des Federungskomforts freuen.
    Der Vorfacelift-E350, den ich selbst ausprobieren konnte, war nämlich trotz Standardfahrwerk und -Bereifung sportwagenmässig hart – unpassend, für eine grosses Daimlercabrio, wie ich finde.

  • Patrick Plein

    „die Döner-Fraktion“ ;)

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