mercedes-benz e350 bluetec 2014 silber vorne front seite
Der König fährt selbst
 

Der König fährt selbst: Mercedes-Benz E 350 BlueTec

Ein Auto, das seinen Fahrer über den Alltagsstress erhebt und ihm all die lästige Kleinstarbeit abnimmt. Schweben im Radarzeitalter: Mercedes E 350 BlueTec.

19.06.2014 Online Redaktion

Der erste Eindruck, das erste Gefühl, ja die ganze Wahrnehmung an sich, entscheidet sich bei diesem Auto noch weit vor dem ersten Türöffnen. Nämlich beim Kampf mit Preisliste. Die E-Klasse ist schon historisch ein Auto, dass viele Käufergruppen miteinander verbindet. Diejenigen, die Jahrzehntelang auf ein Einstiegsmodell sparen, um sich zum Geburtstag, zur Pensionierung, Scheidung, goldenen Hochzeit oder sonst einem feierlichen Anlass etwas außergewöhnliches zu gönnen. Jenen, die es geschafft haben und mitten im Leben stehen und sich auch ein paar Extras leisten können, ohne auf den Euro genau zu kalkulieren. Und jene, die sich ärgern, noch nicht weit genug oben für eine S-Klasse zu sein.

mercedes-benz e 350 bluetec 2014 silber hinten heck seite heckleuchten

Der hier getestete Mercedes E 350 BlueTec ist ein Modell für jene, die es geschafft haben. Soll heißen: 89.141 Euro stehen unter dem Strich. Davon gehen 18.795 Euro an die Finanz. Der Nettopreis setzt sich zusammen aus 46.526 Euro für das Auto und 23.085 Euro für Extras.

Erstmals: 9G-Tronic im Mercedes E 350 BlueTec

Bereits serienmäßig dabei ist die neue 9G-Tronic. Die erste Wandlerautomatik mit neun Schaltstufen. Für die Premiere dieser Technik hat sich die Marke das richtige Auto ausgesucht. Mit einem Mercedes E 350 BlueTec möchte niemand rasen. So bleiben große Schaltsprünge aus und das Getriebe muss sich nicht permanent sortieren. Selbst wenn man es mit dem E 350 etwas sportlicher angehen lässt, gerät das Getriebe nicht in hektische Betriebsamkeit. Alles bleibt entspannt.

Mercedes-Benz E 350 Bluetec 2014 innenraum cockpit innen armaturen

Unverzichtbar um die E-Klasse standesgemäß zu bewegen sind die beiden Features Fahrassistenz-Paket-PLUS um 2.345 Euro und die Airmatic für 1.775 Euro – beide Preise sind netto zu verstehen, die Steuer haben wir ja oben schon aufgeführt.

Die Airmatic lässt die E-Klasse schweben. Verstehen Sie mich nicht falsch: das ist keine Übertreibung und kein Euphemismus für „butterweiches Fahrwerk“. Vier verschiedene Fahrmodi stimmen sich mit der Niveauregulierung ab und werten eine Vielzahl von Parametern aus (Beschleunigung, Fahrbahnzustand…). Natürlich funktioniert das fantastisch. Freilich unter der Prämisse, dass eine E-Klasse mit Dieselmotor eher selten auf der Rennstrecke oder beim Autoslalom gesichtet wird. Es ist ein Pendlerauto, ein Kilometerfresser, ein Autobahnfreund.

Extras und kein Ende im Mercedes E 350 BlueTec

Deswegen sollte ja auch das Assistenz-Paket geordert werden. Man kann nun verschiedener Meinung sein, ob diese Technik den Verkehr sicherer oder unsicherer macht. Ob sie schlechte Fahrer besser oder gute Fahrer schlechter macht. Unbestritten ist aber die Bequemlichkeit, die ein Spurhalteassistent samt radargestützten Tempomat und die Lenkunterstützung bringen. Daran gewöhnt hat sich der Fahrer nach wenigen Minuten. Vor allem, weil die Technik von Mercedes sehr realitätsnah arbeitet, was den Abstand und die Beschleunigung angehen.

Mercedes-Benz E 350 Bluetec mittelkonsole interieur

Weitere Preistreiber betreffen ausschließlich das Interieur. Das A-Edition-Paket-Plus mit bequemen Leder Lugano Sitzen (5.080 Euro) und die Ausstattungslinie Avantgarde (2.005 Euro). Beides zusammen verziert den Innenraum mit Leder, Chrom und Holz, dass der Fahrer gar nicht anders kann als sich wohl zu fühlen. Dazu kommen zwei Kleinigkeiten, deren beruhigende Wirkung nicht im Innenraum nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Sie machen den Unterschied im Ambiente. Auch und vor allem, weil andere Hersteller sie vernachlässigen.

Kleinigkeiten entscheiden das Gesamtbild

Erstens wären da die Bedienelemente. Irgendwann wurde die Demarkationslinie zwischen Kostendruck und Luxusambiente zu stark belastet und das Interieur kippte ins Plastikhafte. Zugegeben: mittlerweile ist es schönes Plastik, aber eben doch Plastik. Käufer von Premium-Modelle um 90.000 Euro, Fahrer von Sportwagen um 150.000 Euro und Insassen von Superautos um 250.000 Euro müssen sich mit Hebeln, Schaltern und Knöpfen aus Plastik begnügen. Eine Unart, bei der Mercedes kräftig Boden gut macht. Einzelne Bedienelemente sind tatsächlich aus Metall, bei anderen versucht Mercedes wenigstens die Plastik-Haptik zu umgehen.

Mercedes-Benz E 350 Bluetec slots anschlüsse

Der zweite Punkt sind die Lüftungsdüsen. In der getesteten E-Klasse ließen sie sich in ihren jeweiligen Öffnungen zentrieren. Soll heißen: mit wenigen Klicks sind die Lüftungsdüsen auf einmal symmetrisch angeordnet. So banal sich das ließt, so eine beruhigende Wirkung hat dieser Effekt.

Dieselbär E350: 252 PS, 620 Newtonmeter

Ist das Auto entsprechend ausgestattet, gewinnt es den ersten Eindruck. Tür öffnen, reinsetzen, Tür schließen, Plopp. Wohl fühlen. Einziges Manko: während des Tests war es kühl und feucht. Die ersten fünf Minuten grummelte der Motor nach Kaltstart etwas. Das ist, zugegeben, Jammern auf hohem Niveau. Nach diesen fünf Minuten hat sich der Dieselbär warm gelaufen und ist in deutlich besserer Stimmung.

252 PS und satte 620 Newtonmeter fahren sich dann auch, wie man es von einem Auto mit diesem Standing erwartet. Satt. Mit Reserven in jeder Lebenslage. Die neue 9G-Tronic hat keine die Kraft auszuverhandeln. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 250 begrenzt. Elektronisch, nicht physikalisch. Weswegen der Mercedes E 350 BlueTec nie aus seiner Rolle als Souverän fällt.

 

Zum Dauertest-Einstieg: Mercedes-Benz TE 250 CDI 4matic
Zum Testbericht: Mercedes-Benz E 300 BlueTec Hybrid
Zum Testbericht: Mercedes-Benz TE 350 BlueTEC 4MATIC

Mehr zum Thema
  • H. Pullmann

    Sie schreiben „So banal sich das ließt…“
    Es müsste aber „liest“ heißen. ;-)

pixel