mercedes e 300 bluetec hybrid heck
„Es geht nichts über einen ausgewachsenen Oberklasse-Kombi“
 

Testbericht: Mercedes-Benz E 300 BlueTec Hybrid

Warum Hybrid immer Sinn macht – eine 4000-km-Erfahrung auf die harte Tour.

11.09.2013 Autorevue Magazin

Es gibt Momente im Leben ­eines Oldtimer-Restaurierers, da muss man einfach mal schnell nach England, hat aber eigentlich keine Zeit. Am Ende stehen dann nach zwei Tagen rund 4000 km mehr auf dem Tacho, und man weiß nicht nur alles über seinen Weggefährten, sondern fühlt sich auch irgendwie verwachsen mit ihm – und zwar nicht nur im übertragenen Sinne.

Warum gerade der E 300 Hybrid?

Zugegeben, die Reiseentscheidung wurde auch davon beeinflusst, dass sich gerade dieses E 300 Hybrid T-Modell in der Garage befand. Wir kennen die E-Klasse als ein über alle Zweifel erhabenes Reise­auto, auch die 1905 Liter Kofferraum klangen für diese Art von Kommandounternehmen beruhigend. Mal unter uns: Pfeif auf den SUV-Boom, auf der ­langen Strecke geht nichts über einen schönen, ausgewachsenen Oberklasse-Kombi, denn spätestens mit deutschen Autobahnschnitten stehen sich die dicken Dinger nur selber im Weg.

Die 231 PS des E 300 ­Hybrid sollten ausreichen, auch wenn es nur 204 aus ­einem Diesel-Vierzylinder plus 27 Elektropferde sind. Und jetzt noch mal unter uns: Mercedes bietet ums nahezu gleiche Geld (+ 2.000 Euro) einen V6-Diesel mit gleicher Leistung, der hätte – ganz Old School – vor Reiseantritt unsere volle Sympathie gehabt. Nach unserer Rückkehr wundern wir uns, warum der V6 noch im Programm ist.

mercedes e 300 bluetec hybrid front

Prinzipiell ist die Sinn­diskussion Diesel-Hybrid ja eine schwierige, da das Hybridpaket immer nur einen Prozentsatz des ursprünglichen Verbrauchs wegknabbern kann, und da besteht beim Benziner einfach mehr Potenzial, die Mehrkosten sind aber dieselben. Andererseits kann man nur mit dem Diesel-Hybrid die Vorteile aus beiden Systemen ziehen und zu letztgültigen Verbrauchsrekorden kommen. Im Fall des E 300 Hybrid bedeutet das auf dem Papier beeindruckende 4,4 l im Norm­zyklusschnitt, aus denen dann im Redaktionsalltag immer noch achtbare 6,2 Liter wurden.

Speziell in der Stadt spielt der Hybrid voll seine Vorzüge aus.

Da man stets mit Elektro-Unterstützung wegfährt, passiert dies entweder lautlos oder mit gummibandartiger Beschleunigung. Letzteres wird aber kaum vorkommen, denn der erzieherische Effekt des ­Antriebs ist enorm. Vielmehr tut einem jedes Zehntel Mehr­verbrauch auf dem Bordcomputer körperlich weh, hilfreich bei der Schmerzvermeidung ist eine Anzeige, die zeigt, wie viel Gas man geben kann, ohne dass der Motor anspringt. Ein nettes Spiel, das allerdings zuweilen zur Kolonnenbildung im Heckbereich sorgt. Deshalb würden wir uns dringend ­einen Hauch mehr Antriebskraft bzw. Batterieleistung wünschen, denn es fehlt nicht viel, um diskussionsfrei elek­trisch im Verkehr mitschwimmen zu können. Perfekt geeignet ist der Hybridantrieb übrigens für die dahinschleichenden Megastaus auf deutschen Autobahnen.

Auf Reisen begibt man sich am besten ganz in die Hände der Elektronik:

Ohne Eile ist das Zusammenspiel aus Abstandstempomat und Hybridantrieb perfekt, weil so die Freilauf-Funktion – also das Segeln – und die Bremsenergierückgewinnung optimal genützt werden. Zwischenstand nach einem flotten 125er-Schnitt quer durch Deutschland (was bekanntlich min­destens Tacho 140 bedeutet): 7,4 Liter, also mehr als okay für ein Auto dieser Kategorie, wenn es ordentlich in Fahrt ist.

PS: Wenn Sie heute eine E-Klasse bestellen, dann wird die nicht so ausgeliefert werden, wie sie auf unseren Bildern zu sehen ist – und das ist kein Fehler. Ab März kommen nämlich bereits die modellgepflegten Modelle zu den Händlern, mit bereinigtem und glatt poliertem Linienspiel bei gleichzeitig zugeschärfter Optik. Der Auftritt der E-Klasse wird jedenfalls enorm gewinnen, und ein paar Technik-Goodies gibt’s obendrauf, Fahrbericht in der nächsten Ausgabe. Im Datenkasten finden Sie bereits die Daten des neuen Modells.

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