Mercedes-Benz E Testbericht

Aufgepasst, das neue Synonym für eine saubere Umwelt heißt „Blau“. Mercedes bringt unter dem Begriff Bluetec den saubersten Diesel der Welt.

01.05.2008 Autorevue Magazin

Es sieht so aus, als wäre da zuerst ein Begriff geprägt worden, der nun schön langsam mit Sinn gefüllt wird: Bluetec. Dahinter steckt im Wesentlichen nur eines: Die Einhaltung von Abgasgrenzwerten wird vor allem für Dieselautos immer schwieriger und teurer. All diese Mühsal und Anstrengung muss folglich einen Namen kriegen und als Vorteil verkauft werden. Mercedes wollte für diese Technologie Lizenzen an VW/Audi und BMW vergeben, die machen aber nicht mit, gehen ihre eigenen Wege, und prompt hat sich Audi auch schon in einen Patentstreit verstrickt.

Um ein Dieselauto sauber zu bekommen, braucht man nicht viel Fantasie, es ist bloß viel Aufwand. Zuerst ist ein Oxidationskatalysator notwendig, um Kohlenwasserstoffe im Abgas zu oxidieren. Das haben Dieselautos seit den späten Achtzigern. Seit kurzem kommt bei fast allen ein Partikelfilter dazu. Aber da gibt es noch ein Riesenproblem: die Stickoxide. Man muss sie reduzieren, und das geht nur mit einem Katalysator, der zuerst den Stickstoff speichert und dann in regelmäßigen Abständen durch Eingriffe ins Motormanagement reduziert. Das ist wie das Abbrennen des Rußes im Rußfilter, nur irgendwie umgekehrt.

Dies allein reicht aber noch nicht, um wirklich niedrige Stickoxidwerte zu erzielen. So hängt man bei Bedarf noch einen so genannten SCR-Kat an. Das ist ein Reduktionskatalysator, der durch Beigabe von Harnstoff auch die letzten Stickoxide wegputzt – bei Lastwagen bereits Stand der Technik. Die Beigabe von Harnstoff findet allerdings nur bei den US-Varianten statt, wo noch viel strengere Abgaslimits gelten, als sie für Europa zu erwarten sind (Euro5, Euro6). Dieser E 300 Bluetec besitzt zwar einen SCR-Kat, aber man erspart sich das Beigeben von Harnstoff. Eine gewisse Menge Harnstoff entsteht auch, wenn man die vorgeschalteten Katalysatoren gezielt ungenau arbeiten lässt. Man macht sich hier ein uraltes Phänomen zunutze: Früher roch das Abgas bei kaputtem Katalysator manchmal unangenehm nach Urin.

Die aufwändige Abgasreinigung erfordert höchste Disziplin beim Motormanagement, daraus ergibt sich auch ein sensationell geschmeidiger Lauf in perfektem Zusammenspiel mit der Siebengang-Automatik.

Mehr zum Thema
pixel