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Vorstellung: Mercedes-Benz E-Cabrio

Per Knopfdruck auf die Terrasse und wieder ­zurück ins Wohnzimmer. Ein Cabrio für Frischluftverweigerer.

01.04.2010 Online Redaktion

Gute Nachricht aus Stuttgart: „Sie müssen die Luft ja nicht aussperren.“ Bei einem Cabriolet von Mercedes ist ein gewisser Interessenkonflikt vorprogrammiert. Schließlich liegt das Hauptaugenmerk des Herstellers stets darauf, das satte Gefühl beim Einsteigen, dieses wohlige, heimelige Sofa-Empfinden, zu erhalten. Obere Mittelklasse mit Stern. So auch beim E-Klasse Cabriolet (der Name CLK ist Geschichte).

Für die Frischluft-Minimierung sorgen der bekannte Airscarf (616 Euro, jetzt auch mit verstellbaren Luftdüsen), also eine Nackenheizung unterhalb der Kopfstütze, und das neue Aircap (924 Euro). Damit ist ein Windabweiser oberhalb der Frontscheibe gemeint, der auf Knopfdruck hochfährt und so, vereinfacht gesprochen, die aerodynamische Wirkung der Frontscheibe höher legt. Das befreit vor allem die Fondpassagiere von stärkerem Luftzug. Wer vorne sitzt, muss damit leben, dass die Windschutzscheibe wegen des Bauteils säuselt und aussieht, als hätte sie eine Uni-Augenbraue. Jetzt noch die Scheiben hoch, und oben schwirrt die Frühlingsluft, während man unten in einem mehr oder weniger windstillen „Wärmesee“ sitzt, so der Mercedes-Sprech.

Derart ausgestattet war bisher kein Cabrio weniger Cabrio. Es wirkt fast ein wenig zwanghaft, wie Mercedes gegen die Insignien einer Fahrzeugkategorie kämpft. Immerhin kategorisiert man diese Gimmicks als Nice-To-Have, nicht als Must-Have. Man kann, wenn man will. Den Airscarf ordert man dann doch, weil man sich einreden kann, dass er einem den warmen Sommerwind um die Ohren schmeichelt, das Aircap lassen wir aber beim Händler und
die Scheiben größtenteils unten. So sitzt man im Sommerbenchmark.

Das gilt auch für die Fondpassagiere des E-Klasse Cabrios, das als vollwertiger Viersitzer daherkommt. Solange das Dach offen ist – unendliche Kopffreiheit und einfaches Ein- und Aussteigen. Die Beinfreiheit ist zumindest verhandelbar, da sich die Vordersitze um mehr als 27 Zentimeter verstellen lassen. Bestmarke im Segment. Auf den Service, das Verdeck auch während der Fahrt zu betätigen, muss man zu viert allerdings verzichten, weil sich das Dach kurzfristig über die hinteren Kopflehnen faltet.

Vernachlässigbar. Wirklich oft wird man in diesem Auto nicht zu viert unterwegs sein, und man sitzt ohnehin lieber vorne. Dort gibt es bewährte Mercedes-Triebwerke zu steuern. Die Diesel geben sich akustisch nicht als solche zu erkennen und sind auch dynamisch der Oberklasse gewachsen, die Benziner verstrahlen die gewohnte Souveränität. Nur alles etwas schaumgebremst. Das leichteste E-Klasse Cabrio, der 200 CGI, wiegt 1685 Kilogramm ohne Zusatzausstattung. Das sind 110 Kilo mehr als das leichteste Coupé. Dazu ein Automatikgetriebe und diverse Nebenaggregate wie die unzähligen Heizungen, und man würde rund 20 Prozent weniger Leistung schätzen, als tatsächlich zur Verfügung stehen. Ein nagendes Gefühl, das mit der Zeit verschwindet, hat man einmal die Beschleunigung, die ersten Überholvorgänge und den Fahrtwind genossen. Mehr Straßenkontakt gibt es per Sportfahrwerk oder Fahrdynamik-Paket. Letzteres erlaubt die Fahrwerkseinstellungen Comfort und Sport und bringt einen, zumindest gefühlt, näher an die angegebene Leistung.

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