Mercedes BEnz CLS Shooting Brake AMG
Es geht um die Darstellung von Luxus.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz CLS Shooting Brake

Mal ehrlich: Wer hätte Mercedes so viel Mut zugetraut? Der neue Sportkombi segelt an der Kante der Welt entlang.

07.12.2012 Autorevue Magazin

Die bananoide Coupélimousine CLS, in sich schon eine erstaunliche, aber erfolgreiche Erscheinung, hat Zuladung erhalten. Gut, dass es den Begriff Shooting Brake in der Welt gibt, somit wird alles cool und klar. Sogar Marken wie Reliant (sonst bekannt durch umfallende Dreiradler) oder Volvo mit seinem berühmt missratenen Coupé P1800 konnten mittels Sportladeheck reüssieren; selbst hoffnungslose Fälle wie Simca Aronde (Ranch) oder Opel Manta (Sonder­karosserie von Klostermann) erreichten als Shooting Brake ungeahnte Höhen der Eleganz. Stilbildend voran lagen die Engländer: Aston Martin DB5 von Radford oder Vantage Shooting Brake zählen zur ­Extraklasse jagdlicher High Class. Auch Lotus gelang mit dem Elite ein raffinierter Beitrag zu den Heydays des JetSet.

Nun CLS. Erste Konzeptstudien (2008 in Paris, 2010 in Peking) machten offenbar genügend Mut, um die Nische in der Nische zu eröffnen. Stichworte der Gestaltwerdung: emotional und organisch. Ein Auto der Silhouette freilich; die zeigt ihre Ausdrucksstärke am besten in der Farbe Kaschmirweiß (also seidenmatt, wie wir in den 80ern unsere Türstöcke strichen): Lange Motorhaube, fast unmerklicher Ansatz der A-Säule, lange Dachstrecke, dann noch mehr Dach, das sich über die seitliche Glas­bogenlinie hinweg aufschwingt und erst durch den Heck­fenster-Abgang mühsam ­niedergestreckt wird, direkt ­hinein in den Stoßfänger. Ja, das dient auch dem Laderaum. Elektrisch hochfahrende Heckklappe. Aber was bettet man in solche Schatulle? Diese präsentiert sich am besten mit dem intarsierten amerikanischen Kirschbaumholz teurer Yachtdecks, freilich aufpreispflichtig (4.120 Euro netto), und bietet insgesamt 1550 Liter Stauraum, was eine rein akademische Zahl ist.

Denn im Grunde geht es ums Darstellen des Luxus und der Moden, was immer ein erfreulicher Zugang ist in Zeiten von Kleiderschürze und praktischer Kurzhaarfrisur.

Sonst CLS: Die Frontpartie ist ein Musterbeispiel gekonnter Zerklüftung. Dass diese ­aerodynamisch funktioniert und dass der Spruch „Länge läuft“ Berechtigung hat, zeigt der cw-Wert von 0,29. Das Fahrwerk, hinten ­serienmäßig mit Luftfederung, bekommt es mit rund sechzig Kilogramm höherem Eigengewicht gegenüber dem Coupé zu tun; der Innenraum samt Edel-Uhr stammt direkt aus dem CLS. Der Rest ist Aufpreisliste, die so dick ist, dass man fürchtet, bereits dafür zahlen zu müssen.

Fünf Motorisierungen werden vorerst angeboten, Basismodell ist der bereits überzeugende Vierzylinder-Diesel 250 CDI mit 204 PS, der größere V6-Diesel 350 CDI leistet 265 PS. Drei Benziner: der 350 mit sechs Zylindern und 306 PS, darüber rangiert mit dem 500er bereits der Achtzylinder mit 408 PS und obendrüber ragen die 525 PS der AMG-Version. In einer dem Serienmodell vorangestellten Sonderausführung „First Edition“ leistet die AMG-Variante sogar 557 PS.

Alle Modelle sind mit Siebengang-Automatik und ­Start-Stopp-System ausge­rüstet und können mit bis zu einem Dutzend Assistenzsystemen aufgerüstet werden, die im Zweifelsfall eher stören. Nur die Rückfahrkamera ist beinahe Pflicht, denn Heckaussicht ist wirklich nicht das Thema beim Shootingbraken.

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