Mercedes Benz CLS 350 CDI 4matic Front
Der CLS hat den Hüftknick von der E-Klasse übernommen, ansonsten wird eine deutlich flottere Linienführung geboten.
 

Testbericht: Mercedes-Benz CLS 350 CDI 4matic

Jeder Lebensabschnitt hat sein optimales Automobil. Glückwunsch, wenn Sie diesen hier erreicht haben.

08.05.2012 Autorevue Magazin

Es gibt Situationen, da wird der Neuwagenkauf zu einer höchst schlichten Angelegenheit, wenn man nur dem ­Ausschlussprinzip folgt. Geldsorgen? Nein, danke. Mercedes? Solange man denken kann.

Aber:
E-Klasse geht nicht, weil das hatte man schon, mehrmals.
S-Klasse geht nicht, weil zu … na ja … staatstragend.
M-Klasse geht nicht, weil den die Frau schon fährt.
SL geht nicht, weil man doch noch nicht ganz so weit ist.

Der CLS und sein Gefolge

Und schon ist der CLS so etwas wie das logische Automobil. Smarter als die Limousinen, individueller (und letztlich auch sympathischer) als ein SUV, kompromissbereiter und dezenter als ein Sport­wagen. Was wohl auch gleich die Erklärung für den Über­raschungserfolg des CLS liefert, der in der ersten Generation derart einschlug, dass er es nun in der zweiten Generation mit einem Haufen Epigonen von Audi A7 über BMW 6er Gran Coupé bis VW CC zu tun kriegt.

Der eigentliche Witz hat sich noch immer nicht abgenützt: Man fährt wie in einer Limousine, nur halt deutlich smarter. Einzige Zugeständnisse im Alltag sind das sechs Zentimeter niedrigere Dach (was aber auch irgendwie die Bandscheiben elastisch hält) und Unannehmlichkeiten beim Einstieg in den Fond. Aber Hand aufs Herz: Wann hat dort zuletzt jemand Platz genommen, seit die Kinder aus dem Haus sind?

Innen: Extra-Coolness

Das Cockpit-Ambiente ­bietet jene Extra-Coolness, die der E-Klasse inzwischen auch nicht schaden würde, ­ansonsten spielt es ohnehin die volle Breitseite an Luxus. Nein, selbst wenn man von einer ­S-Klasse kommt, wird einem nix abgehen. Und natürlich ist auch das komplette Assistenten-Heer (hier neu: aktiver Totwinkel- und aktiver Spurhalte-Assi) angetreten. Alles Dinge, für die man sich als mündiger Autofahrer langsam einen zentralen Ausschalter wünschen würde. Zu viel Verantwortungsabgabe an die Technik bringt nur noch unaufmerksamere Fahrer, die nach mehr Assistenten verlangen und so weiter.

Mercedes Benz CLS 350 CDI 4matic Heck

Dieser Antrieb, sonst nichts!

350 plus CDI plus 4matic ergibt unterm Strich einen ­derart souveränen Antrieb, dass man alles andere ruhig vergessen kann. Die aktuelle Version des Dreiliter-V6-CDI legt nun 265 PS und, noch wichtiger: 620 Nm knapp über Leerlauflevel vor. Bedeutet: In jeder nur denkbaren Fahr­situation quillt das Schmalz aus allen Ritzen, wird aber von der 4matic (mech. Grundverteilung der Kraft 45 zu 55 Prozent vorne/hinten) diskret ­verteilt. Und das Beste daran: Der V6-Diesel macht im Sound sogar ein bissl auf Benziner.

Im sicheren Bereich auch die Verbrauchswerte: Deutlich weniger als neun Liter sind für eine Luxusbeförderung mehr als okay. Wenn es ambitioniert wird, arbeitet die neue elektromechanische Lenkung mit beispielhafter Präzision. Das um einen Tick behäbigere Handling im Vergleich zu einem Audi A7 tauscht man gerne ­gegen den schlicht souveränen Federungskomfort ein.

Und zum Thema Allrad (nun erstmals im Mercedes CLS erhältlich) wäre ohnehin nur zu ­fragen: Warum nicht alle? Liegt doch der Aufpreis für die 4matic-Version nur knapp über dem, was für einen Satz zünftiger AMG-Felgen fällig wird. Dass Sie bei einem 75.000-Euro-plus-Auto die nicht einmal 4.000 Euro für Allrad gespart haben, werden Sie spätestens im Februar des ­ersten Winters verfluchen.

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