Mercedes-Benz CLS AMG Exterieur Dynamisch Heck Seite
Die investion soll natürlich auch von außen wahrgenommen werden.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz CLS

Der normale Alltag muss sich erst an AMG rantasten.

24.02.2011 Online Redaktion

Wenn man AMG überhaupt etwas vorwerfen kann, und Autonarren wissen, da gibt es weiß Gott nicht viel, dann ist es dieser an der Demarkationslinie zur Arroganz dahinschlendernde Hang zur Selbstverständlichkeit. Als ob es ­völlig normal wäre, dass ein Viertürer erstens überhaupt als Coupé durchgeht und dann zweitens auch noch 525 PS und 700 Newtonmeter hat. Und auch das nur in der, das folgende Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, „Basisvariante“. Das Performance Package macht daraus 557 PS und 800 Newtonmeter.

Nun muss das Zielpublikum betrachtet werden. Firmenchefs und Unternehmensberater mit Familie, anderen Chauffeursansprüchen und Geld. Deswegen hat das Auto vier Plätze, vier Türen, 520 Liter Kofferraumvolumen und 1870 Kilogramm (!) Leergewicht. Bei allem Respekt für CEOs und McKinseys: Von ­denen dürfte kaum jemand 525 PS fahren können. Wer diese Leistung wirklich kontrollieren kann, kriegt meist Geld ­dafür, dass er genau dies auf einer Rennstrecke tut. Der normale Nutzer muss sich an so viel Kraft herantasten. AMG weiß das und überlässt die Kontrolle der wichtigsten Dinge dem Fahrer.

Vier Fahrmodi stehen auf einem Drehknopf parat. Man beginnt mit „C“ (Controlled Efficiency). Der CLS fährt dann grundsätzlich im zweiten Gang an und schaltet im Stillstand den Motor aus. Auf dem Papier gehen sich so 9,9 Liter auf 100 Kilometer aus, und selbst in der Praxis werden
es im ­Anfangsstadium des Kennenlernens nicht mehr als elf Liter. Danke dafür.

Weiter geht es mit „S“ für Sport. Die Start-Stopp-Funk­tion wird deaktiviert, die Dämpfer werden härter eingestellt, ESP sowie Motor- und Getriebe-Kennfelder Richtung Agilität verschoben. Das Getriebe schaltet um 25 Prozent schneller, und damit dies sanft vonstatten geht, werden Zündung und Einspritzung einzelner Zylinder bei Schaltvorgängen unter Volllast kurzzeitig de­aktiviert. Der Nebeneffekt ist eine Art Zwischengas- ­beziehungsweise Motorsound-­Gänsehaut-Funktion. Auspuffklappen fehlen nämlich.

Drehrad eine Stufe weiter. „S+“. Macht das Gleiche. Nur noch brutaler. Ein Schalt­vorgang dauert jetzt nur noch 100 Millisekunden, und beim Runterschalten können drei Schaltstufen übersprungen werden. Nicht fehlen darf bei diesen Ansprüchen eine Race-Start-Funktion sowie ein „AMG“-Knopf. Wer den drückt, aktiviert ein vorher gespeichertes, persönliches Setup. Zum ­Beispiel mit komplett deaktiviertem ESP. Fast. Dieser ­Lebensretter ist dann in einer Lauerstellung und springt bei einem echten Notfall noch ein. Bei einem ECHTEN Notfall. Das Lenkrad muss derart ­verrissen werden, dass sich der Fahrer nur noch fragt, wo ­genau er jetzt gleich in die Leitplanke einschlägt. Was dann verhindert wird. Oder auch nicht.

In keinem Modus fühlt man sich über- und auf keinen Fall unterfordert. Auch das verhärtete Fahrwerk prügelt einem die Schlaglöcher nicht in den Rücken. Der CLS liegt satt auf der Straße. Dafür wurde die vordere Spur um 24 Millimeter erweitert. Was überrascht, ist die geschwindigkeitsabhängige Servo­len­kung. Die ist tatsächlich ­direkt und lässt so viel Rückmeldung zu, wie man in einem Vier­sitzer braucht oder haben will.

Kritikpunkte gibt es nur ­gegen Aufpreis. Zwar ist AMG stolz darauf, über ein Dutzend Helferlein im Auto zu haben, die liefern aber zu viele Informationen. Praktisch permanent wird eine Kaffeetasse ins Cockpit geleuchtet (Pause machen), oder der Abstandswarner piepst. Auch die Technik des Lane Assist mit Gepiepse, Geleuchte und Lenkvibration wäre nur dann praxistauglich, wenn das System tatsächlich alle Markierungen erkennen würde. Tut es aber nicht. Too much information. Letzter Kritikpunkt: Serienmäßig sind im AMG Sportsitze verbaut, die einen nicht unerheblichen Hüftspeck voraussetzen, um Seitenhalt zu garantieren.

Apropos Aufpreis. Vom ­Performance ­Package und ­dessen Leistungssteigerung um 32 PS und 100 Newton­meter per erhöhtem Ladedruck (1,3 statt 1,0 bar) haben wir schon gesprochen. Die Höchst­geschwindigkeit bleibt mit elek­tronisch abgeregelten 250 km/h gleich. Wer sich ­diese per Driver’s Package auf 300 er­höhen lässt, bekommt auch gleich ein AMG-Fahrer­training dazu. Dann sollte man sich auch nicht mehr knopfweise an die wahre Seele des CLS AMG ­herantasten müssen.

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