Mercedes CLS Exterieur Dynamisch Heck Seite
Hinten zwei Einzelsitze mit, man höre und staune, ausreichender Kopf- und Beinfreiheit.
 

Vorstellung: Mercedes-Benz CLS

Schließlich kann man nicht einfach aufhören, wenn anderen erst anfangen.

23.11.2010 Online Redaktion

Das Konzept des Heimkommens, während man fährt, ist bei Mercedes systemimmanent. Ein Flair, das zur Kernkompetenz der Sternenkreuzer erhoben wurde. Das sofortige Wohnzimmergefühl, sobald man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat. Deswegen hat der CLS bei seiner Markteinführung auch solche Diskus­sionen ausgelöst. „Der sieht nicht gut aus.“ „Tut er wohl.“ „Den kauf ich mir nie.“ „Ich schon.“ „Darf Mercedes das?“

Der CLS war als viertüriges Coupé seiner Zeit voraus und führte die mercedestypische Präsenz auf den Pfad der ­Eleganz. Damit hob er sich gleichzeitig vom konservativen ­Portfolio der Stuttgarter ab – zumindest, wenn man den AMG-Kollegen die Sonderstellung einräumt, die sie verdient haben. Der CLS war der Rebell mit dem Stern. Und weil ein Konkurrent auf Augenhöhe fehlte, wilderte er kräftig bei anderen Herstellern. Plötzlich war ein Mercedes da, der ohne AMG-Krawall Sportlichkeit offerierte, ohne auf das Home-Sweet-Home-Gefühl zu verzichten. Die 170.000 Käufer fuhren vorher mehrheitlich BMW oder Audi.

Nachdem nun jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, entsprechende Fahrzeuge nachgeschoben hat beziehungsweise schon die Messer wetzt, hat sich dieser Vorsprung freilich erledigt. Die neue Generation des CLS soll ihn wieder herstellen.

Dafür wurde fortgesetzt, was man mit dem SLS begonnen hat. Bei der Front versucht Mercedes gar nicht erst, den Vorlagengeber zu verheimlichen. Der Kühlergrill scheint frei zu schweben und die Vorderleute anzubrüllen. Die Seite wurde von allen überflüssigen Rundungen befreit und mit einer harten oberen und unteren Sicke gezeichnet. Kurzum: der CLS gewann an Brutalität.

Über die Dimensionen braucht man sich nur kurz zu unterhalten. Der CLS legte drei Zentimeter an Länge zu, was nur jemandem auffällt, der in das Datenblatt schaut. Weil aber gleichzeitig ein Nasa-würdiger Technikaufmarsch stattfindet (später mehr), musste am ­Gewicht geschraubt werden. Kofferraumdeckel, die vorderen Kotflügel, die rahmenlosen ­Türen und sogar die Hutablage sind aus Aluminium. Dadurch wiegt der neue CLS kein Kilo mehr als der Vorgänger.

Stichwort Technikaufmarsch. Mercedes entschied sich für eine elektromechanische Servolenkung. Die arbeitet bauartbedingt nur, wenn wirklich gelenkt wird, und ­erkennt sogar, ob im Stand tatsächlich der Einschlag geändert werden soll oder ob am Lenkrad nur rumgespielt wird und die Räder gar nicht bewegt werden müssen. Beim Fahren gibt sich die neue Technik überraschend direkt und präzise, jedoch mit wenig Rückmeldung von der Straße. Aber wer braucht oder will das schon in einem großen Mercedes.

Viel wichtiger ist, dass die Lenkung mit den Assistenz­systemen gekoppelt wurde. Beispielsweise mit der Spurwechselhilfe. Kommt man zu nahe an einen Nebenmann, den man vielleicht übersehen hat (was wegen der breiten B- und C-Säule und der scharf abfallenden Dachlinie schnell passieren kann), werden leichte Lenkimpulse gegeben, die den Fahrer zum richtigen Lenken animieren sollen.

Selber greift das System allerdings nicht aktiv ein. Dafür ist das ESP zuständig. Taucht im linken toten Winkel beispielsweise ein Auto auf, so bremst das ESP die rechten Reifen leicht ein. Die Gierkräfte befördern den CLS dann aus der Gefahrenzone.

Auf die gleiche Weise funktioniert auch der Lane-Assist – also der Spurhalteassistent. Dazu gibt es Abstandswarner samt Tempomat, aktive Einparkhilfe usw. … bis zu 25 Helferlein werden verbaut.
Motorenseitig tat Mercedes, was man von einer neuen ­Generation erwartet. Mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Zumindest auf dem Papier. 0,3 Liter Einsparung gehen ­dabei auf die bedarfsgerechte Lenkung zurück. Dazu kommt eine neue Generation an Einspritzdüsen, die den Kraftstoff mit bis zu 200 bar in die Brennkammern schießt. Und das innerhalb eines Arbeitstaktes bis zu fünf Mal. Zusätzlich werden alle Modelle, abgesehen vom CLS 350, mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet.

Um sich von der E-Klasse, der Basis des CLS, nicht nur designtechnisch zu unterscheiden, sondern auch dem sportlicheren Anspruch gerecht zu werden, wurde die Dreilenker-Vorderachse überarbeitet. Das Coupé ist spürbar flinker und baut weniger Seitenneigung auf. Die Krönung dieser Entwicklung ist die optionale Airmatic-Luftfederung. Alle vier Räder werden unabhängig voneinander der jeweiligen Fahrsituation angepasst. Der Fahrer entscheidet vorher, ob er es sportlich oder komfortabel haben will. Dazu sei aber gesagt, dass auch der Sport­modus jedes Schlagloch wegbügelt. ­Womit wir wieder beim Mercedes-Wohnzimmer-Feeling wären.

Der CLS bleibt die Ausnahmeerscheinung im Mercedes-Sortiment. Durch die härtere Optik sogar mehr denn je. Und Konkurrenz hat noch immer das Geschäft belebt.

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